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Sesselberg, Weingut Laquai

Pflanzungen ab 2009
Terassenpflanzungen Sesselberg, Weingut Laquai, Lorch Lorch. (tp) – Seit vergangenem Sonntag steht eine junge, einzelne Rieslingrebe über dem Tal von Lorch. In der nächsten Woche werden ihr ungefähr 12 000 weitere Schwestern folgen.
Das Weingut Laquai stellte vergangenen Sonntag seinen neu angelegten Terrassenweinberg in der Lage Lorcher Kapellenberg vor. Auf einer Fläche von über drei Hektar sind die Querzeilen angelegt worden, die längste Zeile misst 500 Meter. Jede Terrasse hat in etwa eine Breite von 2,10 Metern; im Abstand von rund 75 Zentimetern werden die neuen Rebstöcke gepflanzt werden. Das Weingut Laquai ist das erste Weingut in Hessen, das einen Weinberg in Querterrassen angelegt hat. In der Schweiz wird dieses Verfahren bereits seit hunderten von Jahren umgesetzt, im Schwarzwald findet sich etwa seit den 1990ern diese Form der Weinbaukultur.Die neue Bebauungsart hat Vorteile. Vor 60 Jahren wurde die heutige Wald- und Buschfläche noch als Weinberg genutzt, wegen der starken Hangneigung von über 40 Prozent gab man jedoch nach und nach die Bewirtschaftung auf. Mit der nun stattgefundenen Umgestaltung wird die fruchtbare Erde wieder nutzbar gemacht. Es ist ein weiterer Schritt auf dem Weg, die Wein- und Kulturlandschaft des Rheingaus zu bewahren. Der landschaftsschonende Eingriff verhindert zudem Erosionen bei starken Regenfällen. Alte Trockenmauern, die als wichtiger Lebensraum für unterschiedliche Tiere und Pflanzen gelten und unter dem Schutz der Unesco stehen, sind freigelegt worden. Zur Sicherung der Terrassen wurden die Hänge zusätzlich, mit Hilfe einer speziellen Saatfixierung, mit Gräsern und Kräutern der Region begrünt. Neben den ökologischen Vorteilen hat der Terrassenbau auch ökonomische Vorteile für das Weingut. Die Arbeitsstunden pro Hektar werden sich um etwa die Hälfte reduzieren.Der Terrassenbau soll in die staatliche Förderung aufgenommen werden, um brachliegende Flächen sinnvoll nutzen zu können. Zur Zeit laufen noch die Aufnahmeverfahren. Das Weingut Laquai hat von der Flurbereinigung einen Zuschuss für seinen Terrassenweinberg erhalten. Die Kosten für die Umstrukturierung beliefen sich auf etwa 20 000 Euro pro Hektar. Wege für die Erschließung der oberen Terrassen mussten mit Baggern geschoben werden. Dazu kommen jetzt noch einmal die Kosten für die Pflanzung der Reben. Über ein Jahr dauerten die Planungen des Weinbergs. Vor allem behördliche Vorschriften nahmen viel Zeit in Anspruch. Letztes Jahr im November wurde die Verbuschung beseitigt. Die Planierung erfolgte um Ostern. Vergangenen Sonntag wurde nun die erste Rebe angepflanzt. Über 80 Personen waren dabei, als Gilbert und Gundolf Laquai das Pflanzloch aushoben. „Wie haben bei der Planung etwas falsch gemacht, wir hätten für die Gäste nicht nur Wein, sondern auch Spaten mitbringen sollen“, sagten die Brüder in die Runde. Der Setzling wurde mit edlem Riesling für
gutes Gedeihen begossen. Durch die Terrassenanlage können 30 Prozent weniger Rebstöcke angepflanzt werden als in der Steillage. Der Ertrag pro Hektar wird auf 4 000 Liter geschätzt.
Das Weingut rechnet mit einer hohen Weinqualität, da die neue Kultivierungsart die Vorteile des Steilhangs mit denen des Terrassenanbaus kombiniert. Die frisch gepflanzte Rebe wird
nun wachsen, Knospen und Blätter und schließlich Trauben hervorbringen. 2011 wird mit der ersten Ernte gerechnet, 2012 kann dann der edle Tropfen genossen werden. (Quelle: Rheingau-Echo)

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