Riesling, weißer

Wahrscheinliche Abstammung vom roten Riesling!

Durch DNA-Analyse wurde festgestellt, dass der Riesling aus einer Kreuzung zwischen Heunisch und einer traminerähnlichen Sorte entstanden ist. Erstmals als „Rüsseling“ erwähnt wurde die Sorte um 1348 im Elsass. Der bekannte deutsche Botaniker Hieronymus Bock (1498-1554) schreibt in seinem „Kreütter Buch“ der Ausgabe 1546, dass „Rissling wachsen an der Mosel/Rhein und in Wormbs“. Der Ursprung des Rieslings wird aber auch von der Wachau reklamiert, weil es dort einen im 13. Jahrhundert urkundlich erwähnten Weinberg namens Ritzling gibt.
Wahrscheinlich war die erste Form des Rieslings rot!

Der Riesling stand früher im gemischten Satz im Weinberg. Erst ab dem 19. Jahrhundert wurde er in reinen Sätzen angepflanzt. Eine Ausnahme war der Fürstabt von Fulda, der bereits im Jahre 1716 auf dem gerade erworbenen Johannisberg ausschließlich Riesling anbauen ließ. Aber die Sorte war lange umstritten. In einem Dokument aus dem Jahre 1747 wird berichtet: „Im Rhingau haben sie: Gutedel und Elbling als beste Sorte, Heinisch als Mittelgattung und Rußling als die schlechteste der Trauben.“ Dies erklärt sich auch durch die damals üblichen, amtlich verordneten, frühen Lesetermine. Die dreihundertjährige Klimaphase der kleinen Eiszeit war nicht warm genug für eine späte Lese, denn man musste früh einsetzende Nachtfröste fürchten. Die Geschichte vom Spätlesereiter sorgte dafür, dass der Lesetermin zum November-Beginn verschoben wurde. Erst mit der Erwärmung ab Mitte des 19. Jahrhunderts hat sich der Riesling dann als Spitzensorte durchgesetzt. Er wird nun auf der ganzen Welt angebaut und belegt mit steigender Tendenz über 50.000 Ha Fläche. Deutschland hat mit rund 22.000 Hektar weltweit den größten Anteil. Hier ist die Rebe die häufigste Sorte. Er ist in allen 13 Anbaugebieten vertreten. In Österreich belegt er über 1.600 Hektar. Er stellt hohe Anforderungen an die Lage. Besonders gut gedeiht die spät reifende Sorte in kühlen Anbauzonen an sonnenreichen Steilhängen. Ohne die Reifeverzögerung durch kühle Herbstnächte verliert sie schnell an Säure und entwickelt nicht die charakteristischen Fruchtaromen. Den Wein zeichnet ein harmonischer Gleichklang von Säure, Körper und Extrakt mit eher mittlerem Alkohol-Gehalt aus. Die Farbe ist grünlich-gelb und wandelt sich mit dem Alter zu einem schimmernden Goldton. Das Bouquet wird häufig mit Aprikosen und Pfirsichen beschrieben. Speziell feine und edle Fruchtigkeit machen die Unverwechselbarkeit aus.Im Alter entwickelt sich der bei Liebhabern beliebte typische Petrolton. Die Weine haben Langlebigkeit. Auslesen halten 50 Jahre und länger.
Riesling wurde für viele Kreuzungen von Neuzüchtungen verwendet. Bei über zweihundert Sorten ist er beteiligt.

(C) Quelle Wikipedia 500 Jahre Rieslinganbau in Deutschland

gelblich-grüne, stark weißfilzige, behaarte Triebspitze mit rötlichem Anflug, 5 lappige, wenig gebuchtete, stumpf gezähnte Blätter mit derber, blasiger Oberfläche und unterseits wolliger Behaarung. Traube klein bis mittelgroß, sehr dichtbeerig, Beere rund, grün bis gelbbraun und schwarz punktiert, wenig Bukett, säurebetont.

Stellt höchste Lageansprüche, problemloser, kräftiger aufrechter Wuchs, sehr gute Holzreife, beste Winterfrostfestigkeit, recht trockentolerant, robuster Gesundheitsstatus, tendiert zu erhöhtem Roten Brenner- und Stielkrankheitenbefall. Der Anbau ist eher problemlos. Die Sorte ist für fast alle Anbau und Erziehungsmethoden geeignet. Er wächst selbst auf kargen Böden.

Die fruchtige Säure verleiht dem Wein Frische, Rasse und Lebendigkeit und Eleganz. Diese Merkmale, die durch die späte Reife ausgelöst werden begründen den Ruhm des Rieslings. Er bringt Weine mit großem Potential und Entwicklungsfähigkeit, Pfirsich- bis Schwarzer Johannisbeerenton, vom Kneipwein bis zur Trockenbeerenauslese. Die Weine sind lange haltbar. Mit der Alterung entwickelt sich beim Riesling der sogenannte "Petrolton".

Wichtigster Erhaltungszüchter beim Riesling ist die Forschungsanstalt Geisenheim. Die bewährten Geisenheimer Klone werden zur Zeit mit neuen Subklonen in einer frischen, sanitär einwandfreien Generation aufgebaut. Etliche davon stehen bereits bei uns in einer neuen Basis-Vergleichsanlage auch im Vergleich mit etlichen Klonen anderer bekannter Züchter.

Riesling Gm 24-195

24-195 Gm

Riesling Gm 24-196

24-196 Gm

Riesling Gm 64-177

64-177 Gm

Riesling Gm 64-183

64-183 Gm

Riesling Gm 64-184

64-184 Gm

Riesling Gm 94-02

94-02 Gm

           

Riesling Gm 110-06

110-06 Gm

Riesling Gm 110-11

110-11 Gm

Riesling Gm 110-18

110-18 Gm

Riesling Gm 110-30

110-30 Gm

Riesling Gm 198-10

198-10 Gm

Riesling Gm 198-12

198-12 Gm

           

Riesling Gm 198-16

198-16 Gm

Riesling Gm 198-25

198-25 Gm

Riesling Gm 198-30

198-30 Gm

Riesling Gm 198-44

198-44 Gm

Riesling Gm 239-12

239-12 Gm

Riesling Gm 239-17

239-17 Gm

           

Riesling Gm 239-20

239-20 Gm

Riesling Gm 239-25

239-25 Gm

Riesling Gm 239-34

239-34 Gm

     

Die Hochschule Geisenheim hat inzwischen auch die Erhaltungszüchtung der Klone Seinberg 7 (reichtragend) und Rauenthal 98 (mäßig tragend) die vormals von den hessischen Staatsweingütern betreut wurden, übernommen.

Recht neu eingetragen beim Bundessortenamt sind folgende "neuen" Geisenheimer Klone aus alten Weinbergen:

Diese neuen Geisenheimer Klone stehen bei uns bereits in Testpflanzungen. Die 300er-Gruppe, die aus altem Material selektioniert wurde,  hat als Zuchtziel ein geringeres Ertragsniveau bei höherer Weinqualität. In den nächsten Jahren wird, sich herausstellen, ob diese neuen Klone die zahlreichen Wünsche aus der Praxis nach ertragsreduzierten Riesling-Klonen erfüllen können. Material aus diesen Anlagen können wir nun Zug um Zug an interessierte Winzer abgeben. Frühzeitige Voranmeldung ist erwünscht. Die Bilder zeigen Beispiele der Trauben dieser neuen Klongruppe. Die Ertragseigenschaften dieser Qualitätsklone differieren deutlich bis hin zur sehr starken Ertragsreduzierung gegenüber Standardklonen. Weitere Detailuntersuchungen laufen. Z.B. Aromastoffe. Wegen der Neuheit der Klone haben wir viele Bilder eingestellt, um ein besseres "Gefühl" dafür vermitteln zu können.

Wichtig ist die Betonung, dass es sich bei der 300er Gruppe nicht um eine homogene Gruppe mit gleichen Eigenschaften handelt, sondern dass es dabei um unterschiedliches Ausgangsmaterial aus verschiedenen Anbaugebieten handelt, das sich zwangsläufig im Ergebnis unterscheidet.

Beispiel: 352 Gm (links) im Vergleich zum Standardklon 110 Gm (rechts):  Riesling GM 352 links GM 110 rechts_small kleinere Beeren, gelbliche Farbe bei den neuen Klonen. Jedoch steigt das Mostgewicht trotz geringeren Ertrags nicht signifikant an. Untersuchungen laufen noch, inweit sich die Qualitätsverbesserung an anderen Inhaltsstoffen niederschlägt. Signifikante Unterschiede gibt es vor allem im Einzeltraubengewicht (nicht Traubenanzahl) und Beerenanzahl pro Traube.

Quelle: Informationen aus dem Institut für Rebenzüchtung Geisenheim: Die Forschungsanstalt Geisenheim hat seit Mitte der Neunzigerjahre Riesling-Typen mit anderen Eigenschaften gesammelt. Die Sammlung erfolgte überwiegend in älteren Weinbergen, die nicht mit Klonen-Material bestockt waren. Als Kriterium für die Nichtverwendung von Klonen Material wurde ein Pflanzjahr vor 1950 angenommen. Ein Großteil der Weinberge lag an der Mosel (z.B. aus einem alten Weinberg von 1896, Ertragsdaten im Vergleich zum Standard siehe unten Gruppe A !). Es wurden aber auch Typen aus anderen Weinbaugebieten gesammelt (Rheinhessen, Ertragsdaten siehe unten Gruppe B). Bei der Auswahl interessanter Stöcke wurden neben Indizien wie ein hohes Alter in erster Linie auf abweichende Merkmale geachtet, also Formen gesucht, die anders aussahen. Bis Ende 2008 wurde Schnittholz von weit über 800 Einzelstöcken gesammelt. Dieses wurde anschließend in Geisenheim auf Virusbefall (GFV, ArMV, GLRaV-1 GLRaV-3) getestet und die gesunden Stöcke veredelt und in Geisenheim auf eine einheitliche Versuchsfläche gepflanzt. Bereits bei der ersten Sichtung des so gewonnenen Materials zeigten sich überraschende Ergebnisse. So streute der Ertrag zwischen weniger als 600 und mehr als 1500 g/m² . Auch das Mostgewicht der untersuchten Klone variierte zwischen 95 und 105° Oechsle. Auch die anderen gemessenen Parameter wiesen eine erhebliche Streubreite zwischen den Klonen auf. Um einen Eindruck von der Wechselwirkung der verschiedenen Parameter zu bekommen, wurden die Ergebnisse mit einer Faktorenanalyse untersucht. Bei diesem Verfahren wird versucht die Beziehungen zwischen Messgrößen aufzuzeigen. Hierzu werden neue Variablen, so genannte Faktoren, eingeführt und die Ladungen der Messgrößen auf diese Faktoren in Zahlen von -1 bis +1 dargestellt. Ein Wert nahe eins deutet dabei eine enge positive Beziehung zwischen dem Parameter und dem Faktor; eine Ladung nahe -1 dagegen eine enge negative Beziehung an. Werte nahe Null im Gegensatz bedeuten keinerlei Beziehung zwischen dem Parameter und dem Faktor. Faktor 1 ist geprägt durch die Parameter pH-Wert, titrierbare Säure und Weinsäure. Bei Faktor 2 ist die Beerenzahl von großer Bedeutung und in geringerem Maße der Ertrag.
Dagegen ist Faktor 3 durch den Botrytisbefall der Beeren beeinflusst, während bei dem Faktor 4 neben der Äpfelsäure noch die titrierbare Säure von Bedeutung ist. Faktor 5 ist geprägt durch das Beerengewicht und Faktor 6 durch das Mostgewicht. Diese Tabelle zeigt außerdem eine große Unabhängigkeit zwischen den verschiedenen Parametern an. So erscheint es durchaus möglich Klone mit hohem Mostgewicht und hoher Säure oder auch geringer Botrytis-Anfälligkeit zu entwickeln. Auch beim Vergleich typischer Aromastoffe wird eine große Variationsbreite innerhalb der Sorte Riesling deutlich. So variieren sowohl Terpene als auch C6-Verbindungen. Trauben von Riesling Klon 239 Gm enthalten neben den typischen Riesling Terpenen wie Linalool, Nerol und Geraniol auch erhebliche Mengen an a-Pinen und ß-Pinen, Limonen und Terpinolen. Bei Weinproben wird häufig auch sensorisch beim Klon 239 Gm eine komplexeres Aroma festgestellt. Dies bedeutet natürlich nicht, dass dieser Klon in allen Fällen die 'besseren' Weine liefert. Bei den C6-Verbindungen fällt auf, dass der Klon 110 Gm deutlich geringeren Mengen an diesen Verbindungen aufweist.

Aufgrund der bisherigen Untersuchungen kann davon ausgegangen werden dass innerhalb des Rieslings eine vergleichsweise große genetische Variation besteht. Diese trifft vor allem auf die organischen Säuren, die Ertragskomponenten und die Botrytis-Anfälligkeit zu. Um dieses Potenzial für Winzer nutzbar machen zu können ist eine Sicherung und Sichtung des noch vorhandenen genetischen Materials in den nächsten Jahren dringend erforderlich. Damit wird es möglich die deutsche Traditionsorte Riesling fit zu machen für die Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte, der zunehmenden Globalisierung des Weinmarktes und den Folgen. (Quelle: aus Vortrag Inst. Rebenzüchtung, Geisenheim Rheingauer Weinbauwoche 2009)

Serie 1 der neuen Geisenheimer (Klone bereits beim Bundessortenamt eingetragen): Erste mehrjährige Versuchsergebnisse siehe unten!

Die Klone 310, 312, 325, 326 336, 343 haben ihren Ursprung in einer alten Anlage von 1896 an der Mosel, während die Klone 342, 353, 355, 358, 365, 380, 386 aus Rheinhessen (Raum Alsheim) stammen. Die Klone der zweiten Gruppe sind meist deutlich ertragsärmer als Standardklone.

303 Gm     noch      
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Riesling Gm 310

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Riesling Gm 310

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Riesling Gm 310

310 Gm

Riesling Gm 310

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Riesling Gm 310

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Riesling Gm 310

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Riesling Gm 312

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Riesling Gm 312

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312 Gm

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Riesling Gm 312

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Riesling Gm 312

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Riesling Gm 316

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Riesling Gm 318

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Riesling Gm 325

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Riesling Gm 325

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Riesling Gm 325

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Riesling Gm 325

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Riesling Gm 326

326 Gm

Riesling Gm 326

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Riesling Gm 336

336 Gm

Riesling Gm 336

336 Gm

Riesling Gm 336

336 Gm

Riesling Gm 336

336 Gm

Riesling Gm 336

336 Gm

Riesling Gm 336

336 Gm

 
             

Riesling Gm 343

343 Gm

Riesling Gm 343

343 Gm

Riesling Gm 343

343 Gm

Riesling Gm 343

343 Gm

Riesling Gm 343

343 Gm

Riesling Gm 343

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Serie 2 (Klone inzwischen ebenfalls beim BSA eingetragen): Erste mehrjährige Versuchsergebnisse siehe unten!

Die Klone dieser zweiten Serie differieren noch stärker. Siehe Bilder!

Riesling Gm 355

355 Gm

Riesling Gm 355

355 Gm

Riesling Gm 355

355 Gm

Riesling Gm 355

355 Gm

Riesling Gm 355

355 Gm

Riesling Gm 355

355 Gm

 

 

             

Riesling Gm 358

358 Gm

Riesling Gm 358

358 Gm

Riesling Gm 358

358 Gm

Riesling Gm 358

358 Gm

     
             
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365 Gm

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365 Gm

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365 Gm
 
 
 
 
 
 
 
             

Riesling Gm 380

380 Gm

Riesling Gm 380

380 Gm

Riesling Gm 380

380 Gm

Riesling Gm 380

380 Gm

Riesling Gm 380

380 Gm

   
             

Riesling Gm 386

386 Gm

Riesling Gm 386

386 Gm

Riesling Gm 386

386 Gm

Riesling Gm 386

386 Gm

Riesling Gm 386

386 Gm

   

Riesling-Klone anderer Züchter:

Neue Riesling-Klone des Rebsortenbüros Andreas Jung:  Siehe auch unser Sonderartikel: "So spannend kann Klonenzüchtung sein"

Die Riesling Klone Selecta 2005 und 2009 wurden im Winter 2014 zur Registerprüfung beim Bundessortenamt angemeldet. Der Klon Selecta 2005 stammt von einem 200-jährigen Stock aus einem alten gemischten Satz bei Heidelberg an der badischen Bergstraße, Selecta 2009 stammt aus einem alten Weinberg von der Mittelmosel. Bei den Selecta-Rieslingen handelt es sich um eine kleinbeerige, fast kernlose Form. Sie zeichnen sich durch goldgelbe, gegenüber Standardrieslingen deutlich kleinere, fast kernlose Beeren aus, die gleichmäßig und etwas locker an der Traube sitzen. Die Trauben erinnern an die Trauben der Korinthe. Die Beeren sind aber größer als Korinthen, jedoch deutlich kleiner als bei Standardrieslingen. Durch die Doppeltrauben ist das Ertragsniveau für Spitzenweine gesichert. Eine Ertragsreduzierung durch Ausdünnen ist nicht notwendig. Beide Klone sind fruchtbar und bei guter Ernährung der Reben auch bei ungünstigem Wetter blühfest, was sie von heterogenen, teils unfruchtbaren, auf Blühanfälligkeit selektierten Rieslingklonen unterscheidet. Die Mutation der Selecta-Rieslinge bremst das Samenwachstum, führt aber nicht zu Sterilität bei der Bestäubung, wie bei den anderen, auf Lockerbeerigkeit selektionierten Rieslingklonen. Diese tragen in guten Blühjahren große und kleine, sowie etliche verkümmerte Jungfernbeeren, was zu etwas lockeren Trauben führt. In schlechten Blühjahren überwiegen die Jungfernbeeren, der Ertrag ist nicht mehr gesichert.

Die Selecta-Rieslinge sind gleichmäßig kleinbeerig, die Lockerheit entsteht durch das bei allen Beeren einheitlich verringerte Beerenvolumen. Die Öchslegrade sind gegenüber Standardrieslingen nur leicht erhöht, die Säurewerte vergleichbar. Die Fäulnisanfälligkeit der Selecta-Rieslinge ist aufgrund der lockeren Traubenstruktur während der Reife jedoch sichtbar reduziert, was eine Vorlese oder ein Ausschneiden fauler Trauben vor der Lese überflüssig macht. Allerdings sind auch die Selecta-Klone nicht gegen die unangenehme Sorteneigenschaft des Rieslings resistent, bei nassem, warmem Herbstwetter die Beerenhäute über Nacht aufzulösen. Diese unangenehme Sorteneigenschaft besitzen alle Riesling-Klone, aber im Gegensatz zu anderen Marktklonen hat man bei den Selecta-Rieslingen bis zum kritischen Punkt der Beerenauflösung keine zusätzliche Arbeit durch Ausdünnen oder Herausschneiden fauler Trauben im Rahmen einer Vorlese. Durch die Wüchsigkeit des Klons sind insbesondere gut mit Nährstoffen versorgte Lösslagen geeignet, wo Überbehang und die Fäulnisanfälligkeit des Rieslings auf fetten Böden sonst zum Problem wird. Aufgrund der aktuellen Marktnachfrage nach Rieslingreben müssen wir Sie darauf hinweisen, dass sich diese Klone noch im Aufbau befinden! (Quelle: Andreas Jung). Hinweis: Vorbestellung für die Pflanzung in 2019 werden von uns entgegen genommen. Ausführung in der Reihenfolge des Eingangs. Bitte geben Sie uns rechtzeitig Ihre Wunschunterlage bekannt.
Alle nachfolgenden Bilder stellen den Klon Selecta 2009 dar. Die Beerengröße ist klein bis mittel. Das Ertragsniveau liegt bei gleichem Anschnitt bei etwa 35-37 % eines Standardklons. Bei uns hat sich der doppelte Anschnitt des Selecta 2009 (z.B. mit zwei Fruchtruten) bestens bewährt.

 

Selecta 2009 ANT 6389 small Selecta 2009 ANT 6390 small Selecta 2009 ANT 6391 small Selecta 2009 ANT 6392 small Selecta 2009 ANT 6393 small  Selecta 2009 ANT 6394 small     
 Selecta 2009 ANT 6395 smallSelecta 2009 ANT 6397 small  Selecta 2009 ANT 6399 small  Selecta 2009 ANT 6400 small  Selecta 2009 ANT 6402 small    

 

Weitere Riesling-Klone

Heinz 65, Heinz 108, Bk 68, Krötz 22,

Müller 2090

Schlöder 40

Schäffer 3, Schäffer 4,

N 90

Riesling Fin 356

356 Fin

 

Riesling Fin 356

 

356 Fin

         
             

Riesling Trier 37

37 Trier

Riesling Trier 37

37 Trier

         

Riesling Trautwein 356

T 356

Riesling Trautwein 356

T 356

Riesling Trautwein 356

T 356

       
             

 

 

 

So spannend kann Klonzüchtung sein!

In unserem Betrieb erfolgte im Frühjahr 2012 die allererste Auspflanzung der Vorstufenreben des Selecta-Klons 2009 des Züchters Andreas Jung im Vergleich zu Standard-Riesling-Klonen. Daher konnten wir als erster Weinbaubetrieb entsprechende vergleichende Beobachtungen zum Verhalten des Klons machen, die wir nachfolgend in Bildern darstellen. Bereits in 2013 konnten wir die Anlage erstmals mit dem Jungfernertrag beernten. Im Herbst kam es in dem Jungfeld witterungsbedingt und auf Grund des durchlässigen leichten lehmigen Sandbodens zur massiven Fäulnis beim Standardklon, bei dem innerhalb kurzer Zeit nahezu 100% aller Trauben schon sehr frühzeitig faulten. Alle Fotos vom 15.9.2013:

Typisch war das Aufplatzen der Beeren, das in den letzten Jahren gehäuft beim Riesling auftritt und eines der größten Probleme im Zeitalter des Klimawandels bei unserer Hauptrebsorte darstellt. Nahezu nicht betroffen war der Klon Selecta 2009 in der gleichen Anlage. Die folgenden Fotos sind 2 Tage später (!) aufgenommen. Sämtliche Reben des Klons sahen einheitlich so aus!

Am gleichen Tage wurde das Laborfoto mit den beiden Klonen im Vergleich aufgenommen: (Damals war unser "Arbeitstitel" des Klons noch "Vision 2020", der inzwischen durch den Züchter Andreas Jung zu "Selecta 2009" getauft wurde). Die Bilder lassen erahnen, dass wir heute den Tag an dem erstmals der enorme Unterschied zu erkennen war, als kleine Sternstunde im Rebveredlerleben bezeichnen möchten.

Auf Grund der spannenden Erkenntnisse im ersten Auswertungsjahr beobachteten wir die Entwicklung der Klon in 2014 schon früher und zwar schon am 7.7.2014:

Man sieht, dass die Größenentwicklung der Selecta 2009 - Beeren (links) dem Standardklon in der Größe hinterherhinkt. Zu diesem Zeitpunkt war noch kein Unterschied in der Reifeentwicklung zu sehen. Ähnlich der Eindruck am 22.7.2014. Beide Klone hatten zu diesem Zeitpunkt vereinzelte leichte Schäden an den Beeren durch Sonnenbrand, die vergleichbar häufig Auftraten.

Etwas störend war in beiden Klonen der in diesem Jahr stark auftretende Befall durch Blattgallmilben, der jedoch die Klonunterschiede nicht beeinflusste. Das folgende Foto zeigt noch eine Nahaufnahme des Selecta 2009 am gleichen Tag:

Die Herbstergebnisse zeigten ein ähnliches Bild wie im Jahr 2013. Die Fäulnisunterschiede wurden erneut sichtbar, wenn auch nicht ganz so kraß wie in 2013. Das Ertragsniveau des Selecta 2009 war erneut etwa bei 60 % des Standardklons, bei leicht höherem Mostgewicht.

Das dritten Ertragsjahr 2015 war von extremer Trockenheit geprägt. Wochenlang gab es im Sommer keinen Regen und die Anlage zeigte beim Standardklon frühzeitig Trockenstreß, der am 17.8. den ersten gelben Blättern in der Traubenzone ausgemacht werden konnte:

Links im Bild ist der Standardklon mit den sichtbaren Trockenschäden und deutlich hellerer gestreßter Laubwand. Rechts Selecta 2009 ohne erkennbare negative Einflüsse.

Ebenfalls am 17.8. aufgenommen das folgende Bild des Standardklons:

und nachfolgend der Selectaklon 2009 ebenfalls am 17.8.2014:

Bereits zu diesem Zeitpunkt konnte man erwarten, dass die Trockenstreßsymptome sich diesmal auch in Reifeunterschieden bemerkbar machen würden. Dies wurde mit Grapescananalysen verfolgt und schlug sich schnell in Diffenzen von 10 bis 14 Grad zugunsten des Selecta 2009 nieder, der offensichtlich mit dem geringen Wasservorrat besser zurecht kam. Außer dem dunkleren Laubwerk waren auch die Triebe des Selecta 2009 deutlich dicker. Fäulnis trat in diesem Jahr witterungsbedingt erst deutlich später auf. Zum Aufnahmedatum 10.9.2015 der nachfolgenden Bilder waren beide Klone noch gesund.

Die Schlußfolgerungen des Jahrgangs 2015 konnte nur lauten, dass die Jahresniederschläge für den Standardklon zu niedrig waren und dieser daher um eine ganze Qualitätstufe niedriger blieb wie der Selecta 2009, für den das Wasser offensichtlich noch ausreichte. Damit scheint sich unsere Erwartung zu bestätigen, dass der Klon besonders an Trockenstreßstandorten geeignet sein könnte (Steillagen). Sicher ist bereits jetzt, dass ein großer arbeitswirtschaftlicher Vorteil entsteht, da Traubenhalbierung und Boytrisselektion wie für andere Premiumweine entfallen. Es stünde auch zu erwarten, dass der Wein des Standardklons um Einiges anfälliger für UTA-Erscheinungen sein dürfte. Dieser Frage konnten wir in der bisherigen Testanlage mengenbedingt noch nicht folgen, da es sich nur um wenige Vorstufenreben handelt. Die Auswirkungen der etwas geringeren Säure und der fehlenden geschmacksgebenden(?) Traubenkerne sind ebenfalls noch offene Fragen zum Selecta 2009.

Aus diesem ersten Vorstufenmaterial erstellten wir im Jahr 2015 eine erste große virusgeteste Vermehrungsanlage, die künftig einen getrennten Weinausbau und vor allem auch die Produktion von Pfropfreben für unsere Kunden ermöglichen wird. Wir erwarten, dass die Anlage bereits im Jahr 2016 erstmals anerkannt wird und somit im Winter 2016/17 Schnittholz für die Vermehrung von Pflanzgut für die Pflanzung im Frühjahr 2018 gewonnen werden kann. Wir laden jetzt schon zur Besichtigung der Anlage im August 2016 ein!

Da der Klon offensichtlich nicht zum Verrieseln neigt, sondern immer das gleiche Traubenbild zeigt, möchten wir in der Anlage in der nächsten Versuchsstufe auch testen, ob mit einem stärkeren Anschnitt das Ertragsniveau bei gleich bleibender Traubenstruktur angehoben werden kann. Außerdem erhoffen wir uns dadurch eine gewisse und meist wohl auch wünschenswerte Reifeverzögerung des Klons. Da am Ende auch eine Fäulnis der Beeren wegen Überreife kommen kann (Rosineneffekt), dürfte es auch spannend sein, ob der Klon eine spezielle Eignung für die Gewinnung von Auslesen haben könnte.

Vorbestellungen für diesen Klon sind leider erst zur Pflanzsaison 2018 möglich. Die Aufträge werden in der Reihenfolge der Bestellung ausgeführt.

Nachtrag September 2016: Auch in der neuen großen Vermehrunsgfläche zeigte sich das gleiche Bild:

Vergleich eines Standardklons (198-44 Gm) mit dem Selecta 2009 und dem 355 Gm (18.9.2016). Mit diesem Datum begannen sich die ersten Fäulnisnester beim kompakten Standardklon zu finden.

Typisch beim Klon 355 Gm (ebenso beim 365 Gm) sind die unterschiedlichen Trauben je nach Stellung am Trieb. Die unterste ist immer locker. Die zweite deutlich kompakter. Die dritte ist am größten und kompakt.

ANT 9512ANT 9514ANT 9516
Alle Fotos (C) Reinhard Antes

 

 

Züchterangaben zu den Geisenheimer Klongruppen:

Die einzelnen Klonfamilien und ihre Subklone lassen sich laut dem Züchter wie folgt charakterisieren:

Klongruppe 24 Gm: verhaltenes Rieslingaroma

Klongruppe 64 Gm: harmonische Frucht, ausgewogene Weine

Klongruppe 94 Gm: verhaltenes, ausgewogenes Rieslingaroma

Klongruppe 110 Gm; ausgeprägtes, feines Rieslingaroma

Klongruppe 198 Gm: elegant, feinfruchtiger Rieslingtyp

Klongruppe 239 Gm: starkes, fruchtiges Rieslingaroma.

(Neue) 300er Gm-Klone Gruppe 1 (Jahre 2007-2015) Versuchstandort Geisenheim. ACHTUNG! Dies ist keine homogene Gruppe!

Aus den Versuchsdaten haben wir das untenstehende Diagramm angefertigt. Bitte Beachten Sie beim Vergleich, dass die Klone mit * ein Jahr weniger (ohne das Jahr 2007) ausgewertet konnten. In unseren Vergleichsanlagen in Heppenheim konnten wir bislang ähnliche Beobachtungen an diesen Klonen machen, so dass diese Veröffentlichung von Daten durch das Inst. für Rebenzüchtung schon einen ganz guten ersten Eindruck von diesen Klonen wiedergibt. Klon 355 hat den geringsten Ertrag und auch den geringsten Boytrisbefall auf Grund der geringen Beerenzahl pro Traube.

Bitte beachten Sie die noch recht kurze Auswertungszeit. Manche Ergebnisse bedürfen noch der Interpretation.

Beispiel: Hohes Mostgewicht der Standardklone gegenüber den neuen 300er-Klonen:

Vergleich Ertragsdaten Klon 239-34 mit dem stark ertragsreduzierten Klon 355:

Das vergleichsweise hohe Mostgewicht kam beim Standardklon 2010 durch etwa 3 x soviel Botrytis (Edelfäule) zustande. Der Gm 355 hatte am gleichen Lesetag nur 6 % Fäulnis!

 

Schöffling, H., et al.; 1990: Qualitätssicherung durch Ausnutzung unterschiedlicher Reaktionsweisen von Klonen der Sorte Weißer Riesling auf Kulturarbeiten im Anbaugebiet Mosel-Saar-Ruwer. Deutsches Weinbau-Jahrbuch 41, 79-80, Waldkircher Verlag, Waldkirch

Schöffling, H., et al.; 1991: Rieslingklone in der Leistungsprüfung. Deutsches Weinbau-Jahrbuch 42, 63-82, Waldkircher Verlag, Waldkirch

Schöffling, H.,et al.; 1993: Klon-Züchtung bei Weinreben in Deutschland. Waldkircher Verlag, Waldkirch, 94-95,254-334, 420, 423, 447, 584-684

Schöffling, H.; 1993: Bernkastel 68: Ein Spitzenklon wird 100 Jahre (1895-1995) alt. Das Deutsche Weinmagazin, 110-113

Großer, H., et al.; 1962: Der Riesling Klon 90 (Neustadt), ein Beitrag zur Klonenzüchtung der Pfalz. Weinberg und Keller, 288-307

Schumann, F., et al.; 1991: Klonenzüchtung an der SLFA Neustadt. Forschung-Schule-Praxis 39, 71-88

Diverse Jahresberichte der SLFA Neustadt (heute DLR Rheinpfalz)

Hofäcker, W.; 1997: Genetische Ressourcen erhalten. Das Deutsche Weinmagazin, H22, 11-15

Hill, B.; 1986: 60 Jahre Staatliche Rebenzüchtung und Rebenveredelung in Lauffen a.N. Rebe und Wein 39, 398-403

Bleyer, K., et al.; 1995: Unterlagenvergleiche bei den Ertragsrebsorten, Bl. Limberger We 379 und W. Riesling We 158. Rebe und Wein 48, 298-299

LVWO-Klonenbroschüre, Mai 2002

LVWO-Homepage: Veröffentlichungen, Rebsorten/Züchtung

Thoma, K.; 1983: Riesling und Silvaner in der Obhut der Rebenzüchtung. Der Badische Winzer, 236-244

Thoma, K.; 1987: Riesling - züchterische Bearbeitung am Staatlichen Weinbauinstitut Freiburg. Der Badische Winzer, 398-401

Thoma, K.; 1990: Weinbauinstitut als Klonenzüchter für Riesling eingetragen. Der Badische Winzer, 118-119

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