Riesling, roter

Bis in‘s 19te Jahrhundert Bestandteil des gemischten Satzes

Beginn der Selektion: 1991

1. Weinausbau:1996

Anbau in der Praxis: ab 2002 klassifiziert in: Hessen

Der selbst vielen Winzern nicht bekannte rote Riesling gilt als Urform der Rebsorte. Er unterscheidet sich von diesem durch die rötliche Beerenfarbe. Alle anderen Eigenschaften sind gleich. Der Grund für die Abstammungstheorie: Man findet im roten Riesling häufig Mutationen vom roten zum weißen Riesling. Nie ist es umgekehrt. Also scheint die rote Version die ältere zu sein. Die genaue Herkunft ist nicht geklärt. Erstmals ist der Riesling 1490 in der Nähe vom nur 20 km entfernten Worms erwähnt.

Die alte autochtone Sorte Roter Riesling ist in den Anbaugebieten Rheingau, Hessische Bergstrasse, Sachsen und Brandenburg, sowie in Österreich in Wien klassifiziert und zugelassen. Seit August 2016 ist sie auch in Württemberg klassifiziert.

Der Weinbau- und Rebenveredlungsbetrieb Antes in Heppenheim besitzt die derzeit "weltgrößte"   Rebfläche der Sorte... ;-)

2011 rückt der Rote Riesling auf Rang 9 der Bergsträsser Rebsorten vor. 2016 stand er auf Rang 4 der weißen Sorten...
2016 standen allein in den beiden hessischen Weinbaugebieten Rheingau und Hessische Bergstraße schon über 32 Hektar.

‘Roter Riesling‘ entstand aus ‘Weißem Riesling‘ und nicht umgekehrt

Quelle 13.12.2016: Julius Kühn-Institut, Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen
Forschungen des Julius Kühn-Instituts (JKI) zur Abstammung beweisen jetzt eindeutig, dass der ‘Rote Riesling‘ durch eine Mutation aus der weißen Form hervorging. „Lange vermutete man, dass der ‘Rote Riesling‘ die ursprünglichere Rebsorte ist, gerade deshalb, da man immer wieder Mutationen von rot nach weiß beobachten kann, aber nie umgekehrt“, so Franco Röckel vom Julius Kühn-Institut in Siebeldingen auf dem Geilweilerhof. „Wir haben nach verschiedenen molekularbiologischen Untersuchungen, unter anderem der beiden einfachen Chromosomensätze (Haplophasen) des Genoms, jetzt Klarheit. Die Haplophase, die im ‘Roten Riesling‘ zur Farbe führt, stammt von dem weißbeerigen Elternteil, dem ‘Weißen Heunisch‘ ab. Folglich muss die Mutation im ‘Weißen Riesling‘ passiert sein“. Es scheint zunächst verwirrend: Rote Riesling-Beeren sind bis auf die Farbe völlig identisch mit denen ihres weißen Vorfahren. Allerdings kommt es immer wieder zu einzelnen weißen Trauben an einem sonst roten Beerenstock. Einzelne rote Trauben an weißen Riesling-Stöcken fand man jedoch nie. Die Eltern der Riesling-Rebe sind ‘Weißer Heunisch‘ und vermutlich ein Sämling von ‘Traminer‘ x V. sylvestris. Daher hätte die rote Farbe theoretisch von dem unbekannten Elternteil herrühren können. Franco Röckel, Doktorand am JKI Geilweilerhof, untersuchte primär zwei Gene (VvmybA1 und VvmybA2), von denen bekannt ist, das sie in dunklen Beeren die Farbgebung regulieren. In weißen Rebsorten sind diese mutiert und dadurch nicht funktionell. Deshalb bilden ihre Beeren zu Reifebeginn keine Farbpigmente mehr aus. Die Ergebnisse der PCR-Tests und Sequenzierungen überraschten: keines der beiden bekannten Gene VvmybA1 und VvmybA2 ist für die rote Farbe der Trauben im ‘Roten Riesling‘ verantwortlich. Im nächsten Schritt wurde eine Selbstung (Selbstbefruchtung) durchgeführt, um Nachkommen zu erzeugen, die in Bezug auf den kompletten Genort für die Beerenfarbe reinerbig sind. Auf beiden Chromosomen befinden sich dann identische Allele eines Elternteils. Bei den dann durchgeführten PCR-Tests fand man ein neues Produkt, das sich bei genaueren Untersuchungen als eine bisher unbekannte VvmybA-Genvariante entpuppte. Dieses ist in der Lage, die Farbbildung bei der Beerenreife einzuleiten. Um zu klären, von welchem Elternteil die mutierte Haplophase stammt analysierte der JKI-Wissenschaftler die reinerbigen Nachkommen mit Hilfe so genannter SSR-Marker. Sie (die mutierte Haplophase) ist eindeutig dem ‘Weißen Heunisch‘ zuzuordnen und kann folglich nur durch eine Mutation in ‘Riesling Weiß‘ entstanden sein, da keine vergleichbare rote Farbmutante für Heunisch beschrieben ist. Weiße Rieslingtrauben stellen somit die „Urform“ dar. Alle rund 20 bisher untersuchten ‘Riesling Rot‘-Klone weisen dieselbe Mutation auf. Es ist davon auszugehen, dass diese Mutation ein einmaliges Ereignis darstellt. Deshalb konnte vermutlich auch nie die Mutation von weiß nach rot beobachtet werden. Die Nachweise wurden jetzt im Deutschen Weinbau-Jahrbuch 2017 publiziert. Inzwischen konnte auch die genaue Position der ‘Riesling Rot‘ Mutation sowie die umliegenden Bereiche im Genom geklärt werden. Weshalb aber ‘Riesling Rot‘ immer wieder zu weiß zurück mutiert, bleibt weiterhin ungeklärt. Hintergrundinformationen zum Riesling:
Die Rebsorte ‘Riesling‘ wurde erstmals 1435 erwähnt. Allerdings gab es damals keine einheitliche Schreibweise und auch die Herkunft des Namens ist bis heute umstritten. Eine neuere These geht davon aus, dass er sich von den „Rußflecken“, den auffälligen Lentizellen ableitet. Vermutlich entstand der Riesling im Rheintal zwischen Karlsruhe und Worms. Heute ist er mit knapp 23 % Gesamtrebfläche (Stand 2014) die meist angebaute Rebsorte in Deutschland. Der ‘Rote Riesling‘ war lange Zeit aus unbekannten Gründen aus dem Anbau komplett verschwunden, überlebte jedoch glücklicherweise in deutschen Rebsammlungen. 1991 begann das Fachgebiet Rebenzüchtung in Geisenheim mit der erhaltungszüchterischen Bearbeitung. Seither wurden außerdem weitere Klone in alten Weinbergen gefunden. Seit 2002 erfolgt der Anbau des ‘Roten Rieslings‘ in der Praxis. Die Nachfrage der Winzer ist groß, so dass damit gerechnet wird, dass seine Anbaufläche in den nächsten Jahren auf ca. 50 ha ansteigen wird. Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Franco Röckel
Julius Kühn-Institut
Institut für Rebenzüchtung
Geilweilerhof, 76833 Siebeldingen
Tel.: 06345 41-129
E-Mail: franco.roeckel@julius-kuehn.de

gelblich-grüne, stark weißfilzige, behaarte Triebspitze mit rötlichem Anflug, 5 lappige, wenig gebuchtete, stumpf gezähnte Blätter mit derber, blasiger Oberfläche und unterseits wolliger Behaarung, Traube klein bis mittelgroß, sehr dichtbeerig, Beere rund, rötlich

Stellt höchste Lageansprüche, problemloser, kräftiger aufrechter Wuchs, sehr gute Holzreife, beste Winterfrostfestigkeit, recht trockentolerant, robuster Gesundheitsstatus. Der Anbau ist eher problemlos. Die Sorte ist für fast alle Anbau und Erziehungsmethoden geeignet. Er wächst selbst auf kargen Böden.

Der weiße Wein erwies sich bislang als etwas extraktreicher ( ca. 2 g/L ) wie der des weißen Bruders. Die fruchtige Säure verleiht dem Wein Frische, Rasse und Lebendigkeit und Eleganz.

SYMPOSIUM ROTER RIESLING

Roter Riesling -Eine (fast) vergessene Rebsorte & ihr Zukunftspotenzial
Slow Food® Rheingau www.slowfood-rheingau.de/
Als Gemeinschaftsveranstaltung der Hochschule Geisenheim und des Slow Food Conviviums Rheingau sollte das Symposium Aufmerksamkeit auf das Potenzial dieser Rebsorte lenken. Zentrale Argumente für ein stärkeres Interesse am Roten Riesling sind die Biodiversität im Weinbau, die angesichts der Risiken des Klimawandels eine erhöhte Aufmerksamkeit erfordert sowie die ökonomische Dimension, durch regionalspezifische, historische Rebsorten die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den internationalen Standardsorten zu erhöhen.

Download des Flyers (Pdf)

Bilder unserer ersten Ernte vom Roten Riesling. 

Mutation vom roten Riesling zum weißen Riesling Mutation vom roten Riesling zum weißen Riesling Mutation vom roten Riesling zum weißen Riesling Mutation vom roten Riesling zum weißen Riesling

Einige der geernteten Trauben beweisen die Abstammung des weißen Riesling von der roten Elternsorte, indem etliche Beeren (eine sogar als "Chimäre") zum weißen Riesling mutierte. Solcherlei Farbsprünge gibt es auch beim Grauburgunder zum weißen Burgunder oder zum Spätburgunder.

Der Rebveredlungsbetrieb Antes hat im April 2008 im „Heppenheimer Eckweg“ mit einem Hektar die vermutlich „weltgrößte“ Fläche der alten Rebsorte „roter Riesling“ gepflanzt. Der selbst vielen Winzern nicht bekannte rote Riesling gilt als Urform der Rebsorte. Er unterscheidet sich von diesem durch die rötliche Beerenfarbe. Alle anderen Eigenschaften sind gleich. Der Beweis für die Abstammungstheorie: Man findet im roten Riesling häufig Mutationen zu weißen Beeren. Nie umgekehrt. Also ist die rote Version älter. Die genaue Herkunft ist nicht geklärt. Erstmals ist er 1490 in der Nähe vom nur 20 km entfernten Worms erwähnt.

Erster Degustationsabend der Bergsträsser Weingilde ausschließlich mit Rotem Riesling aus Hessen

Am 16. November 2012 fand die bis dahin größte Probe ausschließlich mit Weinen und Sekten der jungen (alten) Rebsorte statt.

Im August 2011 gab es schon einmal im Rahmen unseres Symposiums für historische Rebsorten einen ersten Vergleich mehrerer Roter Rieslinge und anderer alter historischer Sorten vom Rheingau und der Bergstrasse.

Doch diesmal stand der rote Riesling ganz allein im Mittelpunkt. Weine von beiden hessischen Anbaugebieten, ein Sekt und als "Weltpremiere" Trüffel vom Roten Riesling zum Abschluß. Reinhard Antes gab u.a. einen Überblick über die Historie, die aktuelle Flächenentwicklung sowie die Eigenschaften des Roten Rieslings.

Einige Ausschnitte dazu:

historische Zeichnung vom Roten Riesling

Roter Riesling Literaturauswahl 

Roter Riesling Eigenschaften

Roter Riesling Farbmutationen

Roter Riesling Merklmale

Roter und weisser Riesling

Roter Riesling Schema Farbsprung zum weissen Riesling

Roter und weisser Riesling

Roter Riesling Geschichte der "Wiederauferstehung"

Roter Riesling Entwicklung der Pflanzungen im Rheingau und an der Bergstrasse

Flächenentwicklung des Roten Rieslings in Hessen

Gemarkungen in Hessen mit Rebflächen des Roten Riesling

Roter Riesling ausserhalb Hessens

Roter Riesling am Erlebnispfad Wein und Stein

Skulptur "Die Genesis von König Riesling" am Erlebnispfad Wein und Stein

Der neue Weinberg mit dem Rotem Riesling war übrigens zugleich auch Schauplatz der Vorstellung eines Geisenheimer Projekts durch Professor Hans Peter Schwarz (Fachgebiet Technik) und Dr. Rudolf Ries (Fachgebiet Rebenzüchtung). In den Reben waren nämlich Mikrochips implantiert, die eine sichere Wiedererkennung und Rückverfolgung der Pflanze im Weinberg sichern! (Siehe Foto).

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