Merlot

Merlot stammt ursprünglich vermutlich aus Frankreich aus der Gegend um Bordeaux. Bis heute ist sie eine der sechs Rebsorten, die für Rotweine im Bordeaux verwendet werden dürfen (die anderen sind Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Carmenère, Malbec und Petit Verdot). 

Zur Herkunft ist wenig bekannt. Erste Erwähnungen im Bordeaux finden sich im 14. Jahrhundert: Zu jener Zeit wurde der Merlot noch Crabatut noir genannt, und galt eher als Sekundärsorte. Eine erste komplette Beschreibung der Sorte wurde von V. Rendu im Jahr 1857 in seinem Werk Ampélographie francaise gegeben.

Im Jahr 1784 wird die Rebsorte bereits merlot genannt und galt als eine der wichtigsten Sorten des Bordelais. Noch im 19. Jahrhundert ist sie die dominante Sorte des Médoc.In der Region Venetien, Italien wird der Merlot ab dem Jahr 1855 unter dem Synonym "Bordò" erwähnt.

Forscher der University of California in Davis glauben, dass die Rebsorte in enger Verwandtschaft zum Cabernet Franc steht und ihrerseits eine Vorgängersorte des Carmenère ist. Da Carmenère- und Merlotweinstöcke sich äußerlich stark ähneln, wurden aus Frankreich importierte Reben in Chile meist in „Mischbeständen“ gepflanzt. Weil die Rebsorte in Frankreich durch die Reblausplage nahezu vollständig verschwand, geriet der Name Carmenère Anfang des 20. Jahrhunderts in Vergessenheit. Man hielt die chilenischen Reben fortan wegen ihrer Ähnlichkeit für eine Variante des Merlot. Niemand konnte jedoch den deutlichen Geschmacksunterschied zwischen Merlotweinen aus Chile und denen anderer Länder erklären.

Diesen Irrtum konnte der französische Ampelograph (Rebenkundler) Jean-Michel Boursiquot 1994 durch DNA-Analyse endgültig beseitigen.

Die Bezeichnung Merlot kommt vom französischen Wort merle (deutsch Amsel) und soll auf die Vorliebe der Amseln für die rote Rebsorte hinweisen. Der Name kann aber auch eine Anspielung auf die schöne schwarzblaue Färbung der Beeren sein.

Sehr starker aufrechter Wuchs mit wolliger karminrot geränderter Triebspitze. Die Stielbucht ist offen, das Blatt groß, derb, fünflappig und schwach gebuchtet. Die Trauben sind mittelgroß, lockerbeerig. Zum Teil sind sie geschultert. Die Beeren sind dünnschalig, schwarz-blau  mit sehr saftigem Beerenfleisch.

Der Austrieb der Sorte erfolgt früh, damit besteht Maifrostgefährdung. Die Winterfrosthärte ist mittel. Nicht gut selektionierte Klone sind verrieselungsanfällig. Der Merlot bevorzugt tiefgründige Böden mit guter Wasserversogrung. Merlot ist wenig anfällig gegen den Echten Mehltau neigt jedoch zur Anfälligkeit gegen den Falschen Mehltau und aufgrund der Dünnschaligkeit zu Rohfäule. Dies sollte bei der Standortwahl und den Pflanzenschutzmaßnahmen beachtet werden sollte. Unter günstigen Bedingungen ist die Sorte sehr ertragreich. Die Mostgewichte  können in sonnenreichen Jahren sehr hoch werden. Die Säure nimmt in der Reifephase rasch ab. Eine gute Lage und eine strikte Ertragsbegrenzung sind zur Erzielung ansprechender Weine unabdingbar. Die Reife ist je nach Klima mittel-spät. In unseren Breiten liegt sie zwischen Silvaner und Riesling. Mindestens gute Silvanerlagen sind deshalb Voraussetzung.

Die Weine der Sorte sind fruchtig, körperreich, vollmundig und mild mit ausgeprägtem Beerenbukett. Die gut gefärbten Weine sind nach 2-3 Jahren trinkreif. Der Merlot bringt Blume (Duft nach Johannisbeere) und Weichheit im Cuvée besonders in Verbindung mit Cabernet Sauvignon. Eine Holzfaßlagerung ist anzuraten. Merlot-Weine sind nach wenigen Jahren der Lagerung genussreif. Dieser Tatsache ist ihre jetzige Popularität geschuldet. In den Cuvées machen sich bereits Minderheitsanteile Merlot vorteilhaft bemerkbar: die Weine werden früher zugänglich, möglicherweise jedoch unter Einbußen bei der Langzeit-Haltbarkeit. Der Merlot bringt Blume (Johannisbeere), Weichheit und Rundung beim Cuvée mit gerbstoffbetonten Weinen wie Cabernet Sauvignon.

 In der Alterung (mittel bis gut) kann ein Merlot gewinnen und weicher werden, oft jedoch verfliegen die Fruchtaromen und Kräuteraromen drängen in den Vordergrund.

An hohem oder geringem Merlot-Einsatz teilt sich regelmäßig die Bordelaiser Jahrgangs-Qualität: War die Reifezeit lang, so sind oft die Cabernet-betonten Weine die besseren; war die Reifungsphase jedoch witterungsbedingt eingeschränkt, so stehen oft die hoch Merlot-haltigen Weine vorn. Am gravierendsten sind die Unterschiede, wenn guter Merlot eingebracht wurde und dann die spätere Cabernet-Ernte verregnete. Dieses Wissen kennzeichnet den Bordeaux-Kenner: Man spricht mit Bezug zum Merlot über Weine vom „Rechten Ufer“: Saint-Émilion und Pomerol mit viel Merlot-Einsatz liegen am rechten Ufer der Dordogne. bzw. Weine vom „Linken Ufer“: die Médoc-Halbinsel bildet das linke Ufer der Garonne. Dort werden zumeist Weine mit Cabernet-Betonung erzeugt.

Einige der besten Rotweine überhaupt werden aus der Merlot-Traube gekeltert. Hierzu zählen die aus Saint-Émilion und vor allem aus dem Pomerol, allen voran die legendären Chateau Petrus und Le Pin. Auf den lehmigen und sandigen Böden, die in diesem Teil Bordeaux vorherrschen, ergibt sie rubinrote, fleischige Weine von größter Distinktion. Allerdings weisen sie weniger Tannin, eine niedrigere Säure und eine geringere Langlebigkeit auf als Cabernet-Sauvignon-Weine, dafür aber eine höhere Alkoholgradation. Ihr Aroma ähnelt in der Jugend dem der Cabernet-Weine, wobei statt der herben, aristokratischen Strenge eher süße, malzige Töne in den Vordergrund treten.

In Italien wird der Merlot häufig mit der Rebsorte Sangiovese verschnitten.und geben dem Wein weniger strenge Züge. Im Weinbaugebiet Isonzo führt die Weinstraße "Strada del Merlot" Merlot - Weinberge entlang des Flusses Isonzo.

 

A)  (sehr gute Zuckerleistung, mittlere Erträge, sehr gute Weinbeurteilung)

Klon 181 INRA Merlot 181  
Merlot 4 Gm ANT_6437 Klon Truant Gm 4  Nach Aussage des Züchters (Kooperation Geisenheim-Truant) sollen die Klone 9,10,13 teilweise qualitätsorientiert (ertragsreduziert) und etwas botrytisfester sein. Versuchsergebnisse siehe unten.
Merlot 9 Gm ANT_6433 Klon Truant Gm 9  
Merlot 13 Gm ANT_6448 Klon Truant Gm 13 Merlot 13 Gm ANT_6445
     
Rauscedo 3    

 

Beide Klone sehr ähnlich. Traube eher groß, aber locker, daher geringere Fäulnis

B)    (mittlere Erträge, gute Weinbeurteilung)

Klon 447 INRA Merlot 447 Klon 347 INRA  
Klon 348 INRA   Klon 343 INRA Merlot 343
Klon 247 INRA   Klon R 12  
Klon 182 INRA   Klon R 18 Klon  ISV FV4

 

Klon  347 hat eher kleinere Beeren und eher kleinere Trauben wie 343, dürfte innerhalb dieser Ertragsgruppe wohl eher die höchste Weinqualität entwickeln. Klon 447 soll ein besonders gutes Fruchtaroma entwickeln

C) Klon 184 INRA Klon 519 INRA  Klon 246 INRA   Klon 346 INRA  Klon ISV FV 2  Klon ISV FV 5 (Klone mit höherem Ertragsniveau, etwas höhere Botrytisanfälligkeit)

Pierre Galet: Dictionnaire encyclopédique des cépages. Hachette Livre, 1. Auflage 2000 ISBN 2-0123633-18

Walter Hillebrand, Heinz Lott und Franz Pfaff: Taschenbuch der Rebsorten. Fachverlag Fraund, Mainz 13. Auflage 2003 ISBN 3-921156-53-x

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