Kerner

Trollinger x Riesling

Bei der Züchtung an der Außenstelle Lauffen am Neckar der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau, die ihren Sitz in Weinsberg hat, wurden 1929 roter Trollinger und weißer Riesling durch den Rebzüchter August Herold gekreuzt. Die Neuzüchtung erhielt 1969 Sortenschutz. Zu Beginn sprach man vom weißen Herold, später wurde die Rebsorte mit Bezug auf den schwäbischen Dichter Justinus Kerner, der in Weinsberg gelebt hatte, in Kerner umbenannt. Kerner hat in allen deutschen Weinbaugebieten Bedeutung erlangt

1974 wurde eine Mutation des Kerners gefunden, die neue Rebsorte Kernling.

Synonyme: Zuchtnummer: We S 2530

Starkwüchsig. Abgesehen von einer stärkeren Oidiumneigung ist der Kerner eine robuste und ertragsstarke Sorte. Er hat höhere Reifegrade als Vergleichssorten mit gleicher Ertragshöhe. Mittlere Lagen, aber gute Böden werden bevorzugt. Der Kerner treibt relativ spät aus. Dadurch entgeht er eventuellen späten Frühjahrsfrösten. Der Blütezeitpunkt liegt ein bis zwei Tage nach dem Müller-Thurgau. Er benötigt und nutzt eine längere Reifephase. Bei zu hohen Erträgen ist er trockenheitsgefährdet. Vorteile sind die Ertragstreue und gute Holzreife. Er ist winterfrost- und Chlorosefest. Der Nachteil ist sein zu buschiger Wuchs, der die Krankheitsanfälligkeit (Oidium) fördert und intensive Handarbeit erfordert. Gute Laubarbeit und Belüftung ist erforderlich.

Selbst in mittleren Lagen liefert er Weine von Rieslingqualität. Die zart duftenden Weine sind besonders auch für blumige und duftige  Sekte und Perlweine geeignet.  Die leichteren Weine erinnern mit höheren Säuregehalten an den Riesling. Als Spätlese wird der Kerner kräftig, rund und nussartig mit angenehmer Säure. Einfache Kerner-Weine sollten jung und frisch getrunken werden.

Hill, B., et al.; 1982: Weinbaulich interessante Neuzuchten im Anbaugebiet Württemberg. Der Deutsche Weinbau, 1174-1176.

Hill, B.; 1986: 60 Jahre Staatliche Rebenzüchtung und Rebenveredlung in Lauffen a.N. Rebe und Wein 39, 398-403.

LVWO-Klonenbroschüre, Mai 2002.

LVWO-Homepage: Veröffentlichungen, Rebsorten/Züchtung.

Pierre Galet: Dictionnaire encyclopédique des cépages Hachette Livre, 1. Auflage 2000, ISBN 2-0123633-18

Walter Hillebrand, Heinz Lott und Franz Pfaff, Taschenbuch der Rebsorten, Fachverlag Fraund, Mainz 13. Auflage 2003, ISBN 3-921156-53-x

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