Historische Rebsorten

Informationen zu Rebsorten

Verein zur Förderung des historischen Weinbaus im Rheingau

Historische Rebsorten im Bundestag

 
 
 
Unter dem folgenden Link diskutierte kürzlich der Bundestag das Thema Erhaltung der historischen Sorten. Die ausführlichen Stellungnahmen der einzelnen Parteien sind im Sitzungsprotokoll ab Seite 200 hier nachzulesen! Im Grunde genommen, haben alle Parteien die Wichtigkeit des Themas aus ihrer Sicht bestätigt! Man kann nur hoffen, dass der eigentlich in der Sache vorhandene Konsens bald auch zu einer Lösung der Probleme beim Erhalt alter Sorten führen wird.
 
Wir freuen uns, dass wir mit unserem 1. Symposium zum Thema Historische Rebsorten fast alle von der fachlichen Seite her kompetenten Wissenschaftler hier in Heppenheim hatten, welche jeweils einen Vortrag hielten und mögliche Lösungswege für die Praxis aufzeigen konnten.

Historische Sorten in der Schweiz

Interessengemeinschaft zur Erhaltung alter Rebsorten in der Schweiz Jahresbericht 2007 NAP 03-13 mit zusammengefassten Ergebnissen der Suche im Norden des Kantons Zürich Jahresbericht 2008 NAP 03-13 Inventarisierung Ostschweiz Jahresbericht 2009 NAP 03-13 Inventarisierung Ostschweiz Erhaltung alter Rebsorten im Kanton St. Gallen Die älteste Rebe der Schweiz Informationen über den Cornalin Projekt alte Rebsorten im Kanton Zürich und Ausschreibung Projekt Kanton Zürich Au - Arche Noah für alte Rebsorten Rebsortensammlung Au Bündner wollen alte Rebsorten wiederbeleben
Im Kanton Graubünden ist das bedeutendste Weinbaugebiet ganz unbestritten die Herrschaft, der Blauburgunder ist ihre bekannteste Sorte. Das allerdings ist erst in jüngster Zeit so. Früher waren andere Rebsorten das Mass der Dinge. Einige davon sollen nun neu entdeckt und erforscht werden. Zum externen Link DRS-Radio: Hören (3:40)

Auf der Suche nach alten Rebsorten in Polen

Auf der Suche nach alten Rebsorten in Zielona Gora (Grünberg)  Reise 1
Bericht über einen ersten Besuch von Andreas Jung in Zielona Góra anläßlich der 1. polnischen Weinbaukonferenz (deutsch und polnisch Links mit Berichten über diese Reise (dt.-pl):
Krzysztof Fedorowicz Izabela Taraszczuk: Wspomnienie o Kaiserbergu, czyli Górze Cesarza koło Łazu Schatzgräber am Kaiserberg Przemyslaw Karwowski:  II Polskich Winiarzy   (Bericht über die Reise und die damit verbundenen Vorträge auf der polnischen Weinbaukonferenz in Miercezin) http://www.winiarze.zgora.pl/index.php?option=com_content&task=view&id=133&Itemid=2 Der Weinberg Milosz    Z winnicy Milosz Diese 10 Reben, die von Originalreben der Sorte "Tauberschwarz" in Zielona Gora veredelt wurden, stifteten wir den Grünberger Winzern mit der Hoffnung, dass die große Tradition des Weinbaus in der Region Zielona Gora (Grünberg) wieder aufleben möge... Auf der Suche nach alten Rebsorten in Zielona Gora (Grünberg)  Reise 2
Bilder unten. Auf dieser Reise wurden von Andreas Jung weitere Reben identifiziert und anschließend im Auftrag der Stadt Grünberg (Zielona Gora) und der Grünberger Winzervereinigung zusammen mit der Rebenveredlung Antes zur Erhaltung weitervermehrt. Ziel ist es, nach entsprechender Prüfung autochtone Klone der Region Zielona Gora zu erhalten.

Genbank Reben

Deutsche Genbank Reben freigeschaltet
Mit der Deutschen Genbank Reben (DGR) wird erstmals das Wissen, welche Rebsorten in den Sortimenten der Partner der DGR existieren, zusammengeführt. Bereits jetzt mit dem Start sind in der DGR über 5.000 Rebsorten oder Akzessionen aufgenommen. Damit kann langfristig die Biodiversität, die Vielfalt der Weinreben nachhaltig gesichert werden“, freute sich Julia Klöckner, die mit einem Knopfdruck die Datenbank für jedermann zugänglich machte. „Die Bundesregierung trägt mit der Etablierung dieser und anderer Genbanken dazu bei, dass auch künftigen Generationen die immer wertvoller werdenden pflanzengenetischen Ressourcen zur Verfügung stehen“, so Klöckner weiter. Die DGR hat sieben Kooperationspartner. Die Koordination liegt in den Händen des Julius Kühn-Instituts (Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen), einer von vier Forschungseinrichtungen des Bundeslandwirtschaftsministeriums. Die Partner der Genbank Reben haben sich verpflichtet, die Sortenvielfalt der Weinreben in Deutschland zu bewahren. Forscher, Züchter und Interessierte können über die Genbank auf Material der Sammlungen zugreifen. Ein wichtiger Aspekt, wenn es um züchterisch wichtige Ziele wie die Anpassung neuer Rebsorten an veränderte Umwelt- oder Klimabedingungen oder die Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten geht. Alle bereits in die Datenbank importierten Rebsortendaten der Kooperationspartner sind ab sofort im Internet zugänglich und frei recherchierbar. Es kann gezielt nach Rebsortennamen oder nach bestimmten Merkmalen wie zum Beispiel Farbe der Beeren, Herkunft, Nutzung und Züchter gesucht werden. Die Arbeit ist mit dem Startschuss aber noch lange nicht beendet. In den kommenden Jahren gilt es, die Genbank Reben mit züchterisch wichtigen und historischen Rebsorten zu ergänzen sowie den Datenbestand zu den einzelnen Akzessionen zu verbessern. Außerdem sollen genetische Fingerabdrücke eingesetzt werden, um die oft schwer zu unterscheidenden Sorten und Akzessionen eindeutig zu bestimmen und zuordnen zu können. Die Datenbank wurde vom Julius Kühn-Institut programmiert. Sie ist an dessen Hauptsitz in Quedlinburg angesiedelt und wird von dort betrieben. Am JKI-Institut für Rebenzüchtung Geilweilerhof selbst werden für die Genbank derzeit rund 3.900 Rebsorten und Akzessionen gepflegt. Deutsche Genbank Reben www.deutsche-genbank-reben.jki.bund.de (jki)

Pflanzung historischer Sorten an der Bergstrasse

Pflanzung historischer Rebsorten zum "UNO-Jahr der Biodiversität" in der Rebveredlung Antes.
Zum Pressebericht über die Pflanzung... Hinweis: In der Fernsehsendung Herrliches Hessen am 26.10.2010 gab es einen Filmbeitrag zum Thema. Historische Rebsorten und Biodiversität / Historical grapevine-varieties and biodiversity
- Landwirtschaftliche Kulturpflanzen sind ein bedeutender Teil der biologischen Vielfalt der Erde und Grundlage einer sicheren und gesunden Ernährung. - Die Erhaltung der Lebensraumvielfalt, der Artenvielfalt und des Formenreichtums innerhalb der Arten sichert die Funktionsfähigkeit von Ökosystemen, mithin die Produktionsgrundlage in der Agrarwirtschaft. - Zahlreiche Arten sind zugleich genetische Ressourcen für die Pflanzenzüchtung, ohne die eine Anpassung unserer Kulturen an künftige Anforderungen (z.B. Klimawandel) nicht möglich wäre. - Da die Vielfalt bedroht ist, hat die UNO das Jahr 2010 zum internationalen Jahr der Biologischen Vielfalt ausgerufen. - Auch im Weinbau geht mit jeder ausgestorbenen Sorte wirtschaftliches Potenzial für künftige Generationen verloren. - Daher wurden ab 2007 in einem Projekt der Bundesregierung zur „Erfassung rebengenetischer Ressourcen“ durch den Ampelographen (=Rebsortenkundler) Andreas Jung 350 Rebsorten in 750 alten deutschen Weinbergen erfasst. - Darunter fanden sich 242 autochthone Rebsorten, von denen 88 in Deutschland verschollen waren! - Mit 82 historischen Sorten stellt die Bergstraße die Region mit der größten Vielfalt und der höchsten Sortendichte in Deutschland dar! - Das hat uns veranlasst, hier eine Vielzahl dieser Sorten anzupflanzen, die jährlich von prominenten Persönlichkeiten unserer Region geerntet werden. - Abgefüllt als Multi-Rebsorten-Cuvée „Botschafter der Bergstrasse“ symbolisieren sie die historische und rebengenetische Vielfalt unserer hiesigen Weinkultur. Folgende Sorten sind nun mit je einem Erhaltungstock vertreten: Madeleine Angevine, Luglienga Bianca, Trollinger rot, Neuburger / Weisser Veltliner, Fitzrebe, Bouvier, Goldriesling, Veltliner Frührot, Blank Blau, Elbling weiss, Medoc noir, Hartschwarz, Madeleine Royale, Pagadebit, Passatutti Portugieser weisser, Große Blaue Urbanitraube, Ortlieber, Chatus, Blaue Risaga, Balint / Köverszölö, Bouquettraube, Süßschwarz, Primus, Scheuchner, Tressot panaché, Muskat Gutedel, Möhrchen, Madeleine Oberlin, Perle von Csaba, Ahorntraube / Schapatna, Zimmettraube schwarze, Räuschling, Schwarzer Muskatgutedel, Gänsfüsser, Elbling Rot, Pamid, Schwarzer König /Brun Fourca, Mascontraube / Dimjat, Szagos Bajnar, Vogelfränkische, Grec Rose, Vogeltraube, Ahornblättriger Wippacher, Bettlertraube, Szagos Bajnar, Mädchentraube / Panse Commune rouge, Black Hamburg / Morrastrel, Früher Blauer Ungar, Vranac-Typ, Alfonse Lavallé, Acosenga / Agostenga Rosa. In einer früheren Pflanzung zur Einweihung des Erlebnispfads Wein und Stein hatten wir bereits die folgenden Sorten gepflanzt: Roter Riesling, Blauer Willbacher (=blauer Elbling), Zinfandel, weißer Olber, weißer Elbling, Orangetraube, Schwarzelbling, Fürstentraube, weißer Augster, gelber Orleans, Weißer Heunisch Kl. 18 Gm, Laska, Schwarzer Urban, Blauer Urban, Roter Urban, Roter Heunisch, Bouquetttraube, Putzscheere, Lamberttraube Kl 6 Gm, Hanns, Blauer Affenthaler, Courtillier Musque, Fitzrebe, Gelbhölzer, weißer Ofner, Bronnertraube. Wir möchten mit der Pflanzung dieser Reben symbolisch auf die Dringlichkeit des Erhalts rebengenetischer Ressourcen hinweisen! Die Auswirkungen des Klimawandels haben gezeigt, wie notwendig vielleicht einmal die genetischen Rebressourcen für spätere Generationen sind!

Warum wir an der Bergstrasse den Zinfandel anbauen..

Diese und ähnliche Pressemeldungen von 2003 ließen uns aufhorchen und alle "Alarmglocken" an der Bergstrasse läuten: Siebeldingen/Heidelberg / 08.06.2003
Primitivo an der Bergstrasse - Rebforscher entdecken uralte Weinberge (Quelle: Mario Scheuermann)
Zwei Forschern des Instituts für Rebenzüchtung Geilweilerhof im pfälzischen Siebeldingen ist ein sensationeller Fund gelungen. An der Bergstrasse und bei Leimen südlich von Heidelberg entdeckten sie vier Weinberge mit Rebbeständen, die ein Alter bis zu 200 Jahre erreichen. Darin befindet sich eine Reihe von Rebsorten, die in Deutschland als so gut wie ausgestorben galten bzw. von deren Existenz man bislang nichts wusste. Darunter auch den genetisch mit dem amerikanischen Zinfandel identischen Primitivo aus Kroatien, der offensichtlich früher auch am Rhein heimisch war! Insgesamt konnten der Doktorand und Diplom-Biologe Andreas Jung und die auf Ampelographie spezialisierte Wissenschaftliche Oberrätin Dr. Erika Dettweiler-Münch in den vier historischen Weinbergs-Anlagen rund 50 Rebsorten identifizieren darunter auch den weissen Heunisch jene legendäre mittelalterliche Rebsorte, die als Elternteil von 76 heutigen Edelreben gilt wie dem Elbling, dem Chardonnay, dem Lemberger und dem Riesling. Seit 1996 bemüht sich das Institut für Rebenzüchtung Geilweilerhof in Siebeldingen an der Südlichen Weinstrasse gezielt um die aktuelle Bestandsaufnahme, Identifizierung, Sicherung, Neubeschreibung und Evaluierung der alten Landrebsorten des deutschsprachigen Raums. Mit seiner AG „Genetische Ressourcen der Weinrebe“, dem weltweit zweitgrössten Rebsortiment, einem einzigartigen Rebsortenherbarium und seinem 18.000 Rebsorten und ihre Synonyme umfassenden „Vitis International Variety Catalogue“ verfügt es über eine herausragende wissenschaftliche Kompetenz für die sichere Identifizierung und ‑charakterisierung von Rebsorten. In dem Bericht der beiden Wissenschaftler heisst es u.a.: "Während Mitte des 19. Jahrhunderts noch mehr als dreihundert verschiedene Rebsorten und hunderte von Klonen in den deutschen Weingärten vorkamen, ist die Zahl wirtschaftlich bedeutender Rebsorten heute auf kaum mehr als ein Dutzend Sorten und wenige zugelassene Ertragsklone zusammengeschrumpft. Überreste der einstigen Rebsortenvielfalt haben als kleine Restpopulationen meist nur in den wissenschaftlichen Rebsortimenten überlebt. Gelegentlich findet man noch einzelne alte Rebstöcke in Privatgärten oder als wurzelechte Hausreben an alten historischen Gebäuden. Die alten, noch diversifizierten Weinberge sind durch Reblauskrise, Flurbereinigung und Rationalisierung nach und nach und nicht zuletzt unter dem Druck des deutschen Weingesetzes durch sortenreine, rationell zu bearbeitende Produktionsanlagen ersetzt worden, in denen eine einzige Sorte monoklonal angebaut wird. Die vier jetzt untersuchten historischen Weinberge, die zwischen 80 und 200 Jahre alt, weisen noch die typischen Merkmale der alten Weinbautradition auf: wurzelechte Pflanzung, gemischter "Rebsatz" mit verschiedenerlei Rebsorten und Klonen, ungleichaltrige Bestandsstruktur der verschiedenen Rebstöcke, hohe Pflanzdichte mit engen Zeilenabständen sowie eine niedrige, bodennahe Stammerziehung. Auch wenn die Tradition der "Bergsträsser Kammererziehungsart" bis auf wenige Ausnahmen durch die ähnliche, heute allgemein übliche Drahtrahmenerziehung ersetzt wurde, so sind diese alten Weinberge in ihrer Struktur und Zusammensetzung so typisch erhalten geblieben, dass sie als letzte museale Zeugnisse der Weinbaukultur des ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhunderts bewertet werden können." Insgesamt handelt es sich um drei 100- bis 200jährige Weinberge an den kleinparzellierten, weitgehend von Flurbereinigung und der Reblaus verschont gebliebenen Hängen der badischen Bergstrasse zwischen Dossenheim und Heidelberg / Handschuhsheim und um einen 80 Jahre alten, nur noch aus drei langen Rebzeilen be­stehenden Weinberg zwischen Leimen und Heidelberg / Rohrbach. Der älteste und grösste Weinberg mit etwa 850 Rebstöcken in zwölf Rebzeilen wird in der siebten Generation bewirtschaftet. Es handelt sich um eine recht steile, schon von den Römern bebaute Südwestlage. Trotz des dominierenden Rieslings weist der Weinberg immerhin 21 unterscheidbare Rebsorten auf. Völlig unbekannt ist eine kleinbeerige, durch die uneinheitliche Beerenreife noch sehr an Wildreben erinnernde blaue Rebsorte wie auch das einzige Exemplar einer spätreifenden, rosa-weissfarbenen Sorte aus der Veltliner-Gruppe, die höchstwahrscheinlich mit dem verschollenene weissen Veltliner identisch ist. In direkter Nachbarlage befindet sich der zweite Weinberg, ein ebenfalls noch weitgehend im Original erhaltenes Rebstück mit etwa 100 meist alten Rebstöcken, die ausschliesslich zur Tafeltraubenproduktion dienten. Die Grossmutter des heutigen Besitzers hat in jungen Jahren die dort produzierten Esstrauben auf den Heidelberger Markt getragen. Spektakulär ist hier der Fund der alten spätreifenden Rebsorte Gelber Orleans, die hier gerade noch mit drei alten Rebstöcken überlebt hat. Weiter in Richtung Norden, auf die Gemarkung von Dossenheim zugehend, befand sich im unteren Viertel eines sich handtuchförmig den Hang hinauf ziehenden Gartengrundstücks der dritte Weinberg, eingebettet zwischen Streuobstbeständen, Gebüschen und den Nachbargärten. Glücklicherweise konnte dieser Weinberg vor seiner Rodung noch wissenschaftlich bearbeitet werden, so dass das wertvolle genetische Sortenmaterial rechtzeitig vermehrt werden konnte und vorerst am Institut für Rebenzüchtung Geilweilerhof gesichert wurde. Es handelte sich hier um den sortenreichsten der vier Weinberge, der mit seinen rund 500 Rebstöcken in sieben eng stehenden Rebzeilen zur Selbstversorgung mit Esstrauben und Wein diente. Den Hauptsatz bildeten ertragssichernde alte Rebsorten wie der Blaue Elbling (24 %), der weisse und rote Elbling (10 %), die aus Ungarn stammende Putzscheere (10 %), der grüne Silvaner (8 %) und zwei recht häufige Rotweinsorten mit grossen, blauen Trauben. Während die Identität der einen blaubeerigen Sorte (8 %) noch nicht eindeutig geklärt werden konnte, so handelt es sich bei der zweiten Rotweinsorte um die wohl aus Kroatien stammende Rebsorte Primitivo (6 %). Typisch für diesen Weinberg waren die mehr als zehn noch unbekannten, nur vereinzelt eingestreuten Rebsorten, die die Sammelleidenschaft und Experimentierfreudigkeit der alten Winzergeneration ausdrückten. An einer ganz in der Nähe gelegenen Feldsteinmauer wurden noch die letzten Exemplare der für Heidelberg wohl bezeichnendsten Rebsorte gefunden. Es handelt sich um vier uralte Stöcke der Seidentraube, eine frühreifende, sehr wohl schmeckende Tafeltraube, die einst in den alten Seidengärten Heidelbergs zusammen mit den Maulbeerbäumen angepflanzt wurde. Der jüngste, fast schon sensationelle Weinbergsfund umfasst einen nur drei Rebzeilen grossen Rebstreifen mit 233 etwa 80 Jahre alten Rebstöcken, die an den Hängen zwischen Heidelberg und Leimen erhalten geblieben sind. Mit 19 Prozent Grünem Silvaner, 16 Prozent Weissem Elbling und 16 Prozent der aus Ungarn stammenden Putzscheere sind wieder die typischen ertragssichernden Rebsorten vertreten, hinzu gesellen sich allerdings mit einem überraschend hohen Anteil von 14 Prozent der Weisse Honigler (Mézes Fehér), eine grosstraubige, bei Vollreife honigsüsse Rebsorte aus Ungarn, die für das Heidelberger Gebiet bislang nicht belegt war. Zum ungarischen Dreigespann gehört mit sensationellen neun Prozent auch der Weisse Heunisch, eine durch das ganze Mittelalter überall am Rebsatz beteiligte Rebsorte. Nachdem der Heunisch nur noch in wenigen Sortimenten in kleinsten Stückzahlen überlebt hat, ist dies der erste Neufund seit mehreren Jahrzehnten. Mit sechs Prozent ist auch hier wieder die rote Rebsorte Primitivo (Zinfandel) vertreten, die offensichtlich den Sprung über den Neckar geschafft hat. Diese international berühmte Rotweinsorte war bislang für Deutschland nicht belegt, muss aber im Gebiet recht häufig gewesen sein. Der noch vor 100 Jahren um Heidelberg flächig in der Ebene angebaute Rote Veltliner hat mit immerhin noch drei Prozent überlebt. Die aus Österreich stammende, wegen ihrer ungleichzeitigen Beerenreife etwas problematische Rebsorte, galt wegen ihrer Ähnlichkeit zum nah verwandten Frühroten Veltliner in den deutschen Rebsortimen­ten bis vor kur­zem als verschollen. Wenn man die gefundenen  Sorten nach ihrer geographischen Herkunft ordnet, so stellen die aus dem südosteuropäischen Raum stammenden, ertragssichernden Rebsorten Heunisch, Putzscheere, Honigler, Veltliner, Welschriesling, Silvaner, Lemberger, Primitivo und Portugieser einen nicht unbeträchtlichen Anteil dar. Aus Frankreich stammen u.a. Auxerrois, Chardonnay, Ortlieber und die Burgundersorten, aus Norditalien nur der Trollinger, während Traminer, Riesling, Roter und Weisser Elbling sowie wahrscheinlich der Blaue Elbling nach Ansicht der beiden Rebforscher als "originär fränkisch-allemanische Sorten" betrachtet werden können. Primitivo an der Bergstrasse

Der ZINFANDEL wächst wieder an der Bergstrasse !

Pressemitteilung von KLARA-NET, Bergsträsser Winzer eG, Rebenveredlung Antes, Büro für Rebsortenkunde Andreas Jung
Über den Erhalt rebengenetischer Ressourcen im Zeitalter des Klimawandels veröffentlicht anlässlich des KLARA-NET Themengruppentreffens am 8.10.2009 in Heppenheim. Erste Presseberichte und Kommentare dazu: FAZ-Net, drink-tank.blogg.deMorgenweb, ECHO-Online, Fair-News, Weinheimer und Odenwälder Nachrichten, Blindtasting-Club. Der ZINFANDEL wächst wieder an der Bergstrasse !
Deutschland blickt auf eine 2000-jährige Weinbautradition in wechselnden Klimaphasen zurück. In der mittelalterlichen Warmzeit um 1000-1350 umfasste die maximale Ausdehnung eine gegenüber heute 3-fach größere Rebfläche, die bis zur Ostsee reichte und aus einer Vielfalt von spät reifenden, fruchtbaren und robusten Sorten bestand. Während der Klimadepression der Kleinen Eiszeit (1450-1850) schrumpfte die Fläche drastisch. Nur frostresistente Rebsorten überlebten und von der historischen Sortenvielfalt ist nicht viel geblieben. Weitere Gründe hierfür sind vielfältig: Reblauskatastrophe, aus Amerika eingeschleppte Pilzkrankheiten und großflächige Flurbereinigungen erzwangen die Neustrukturierung des Rebgeländes. Die moderne Rebengesetzgebung  schränkte das Sortenspektrum auf wenige zugelassene Qualitätssorten ein. In einem vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Verbraucherschutz (BMELV) finanzierten Projekt zur „Erfassung rebengenetischer Ressourcen in Deutschland“ wurden von Andreas Jung über 600 uralte Weinberge in ganz Deutschland aufgesucht und darin verbliebene alte Reben bestimmt und erfasst.  Die Funde haben gezeigt, dass es mit über 215 nachgewiesenen Traditionssorten noch eine unerwartete Vielfalt historischer Sorten gibt. Insbesondere an der Bergstrasse sind 82 Traditionssorten gefunden worden! Die kulturhistorisch sensationellen Funde (2002) der international renommierten Rotweinsorte Primitivo = Zinfandel haben zu Tage befördert, dass diese ursprünglich ungarische Sorte unerkannt seit über 400 Jahren an der Bergstrasse angebaut wurde! Erst in den letzten Jahrzehnten hat sie eine Weltkarriere in Italien und Kalifornien gemacht und die Aufklärung ihrer Geschichte mittels DNA-Analyse liest sich wie ein Krimi. Angesichts der Klimaerwärmung könnten nun viele der alten spät reifenden Traditionssorten eine neue Bedeutung erlangen. Daher hat sich die Rebenveredlung Antes in Verbindung mit Rebzüchtern (FA Geisenheim und Andreas Jung) dazu entschieden, in einem Pilotversuch den Zinfandel im Vergleich zu südländischen Sorten wie Merlot, Cabernet Franc, Syrah und Cabernet Sauvignon zu kultivieren. Die Bergsträsser Winzer eG wird ihn bis zur Vermarktung bringen und so neben den südländischen auch die alten und klimawandelresistenten Sorten an der Bergstraße wieder etablieren. Mit der autochthonen Sorte „Roter Riesling“ – Urform des bekannten weißen Rieslings – ist dies bereits zusammen mit der FA Geisenheim gelungen. Ebenso mit einer anderen alten Bergsträsser Landsorte: Dem „blauen Willbacher“, der sich inzwischen als identisch mit dem „blauen Elbling“ aus Nordbaden und vom Neckar herausgestellt hat. Für das Zinfandel-Projekt wurde im Frühjahr 2009 ein erster Weinberg gepflanzt. Dies sind die ersten neu selektionierten und als krankheitsfrei getesteten Nachkömmlinge von den original Bergsträsser Fundorten! Sie dienen dazu, vermehrungsfähiges Material zur Pflanzung anderer Zinfandel-Weinberge herzustellen. Außerdem geht es darum, die Leistungsdaten (Ertrag, Qualität, Inhaltsstoffe) mit Merlot, Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon und Syrah zu vergleichen. Der Versuch wurde bewusst am hoch frequentierten „Erlebnispfad Wein und Stein“ platziert. In unmittelbarer Umgebung stehen schon Infotafeln zum Klimawandel und ein Schau-Weinberg mit zahlreichen anderen alten Rebsorten. Sollten die Erfolgserwartungen erfüllt werden, könnte später ein größeres Projekt mit erhaltungswürdigen autochthonen Sorten in Angriff genommen werden und die Bergstrasse noch stärker zu einem Zentrum nationaler genetischer Reben-Ressourcen machen. Projektträger:
Rebenveredelung Antes Ansprechpartner: Reinhard Antes Dipl. Weinbauingenieure Reinhard und Helmut Antes
Königsberger Strasse 4
D 64646 Heppenheim
Tel 0049 (0)6252 77101
Fax 0049 (0)6252 787326 Internet: www.traubenshow.de und www.antes.de Email: weinbau.antes@t-online.de Projektpartner:
(1) Büro für Rebsortenkunde und Klonzüchtung Andreas Jung (2) Forschungsanstalt Geisenheim, Institut für Rebenzüchtung (3) Bergsträsser Winzer eG    www.bergstraesserwinzer.de Literaturhinweise und Links zum Thema:
RV Antes: www.traubenshow.de  (Links, Sorteninformationen, autochtone Sorten) u.a.: http://www.weinundstein.net/index.php/stationen-reben-geologie/die-stationen/autochtone-rebsorten?start=1 http://www.traubenshow.de/index.php?option=com_content&view=article&id=1427:mehr-hintergrundinfos-ueber-den-zinfandel-primitivo&catid=145:primitivo&Itemid=192 (Zinfandel) Links (Andreas Jung) http://www.best-of-wine.com/magazin.htm?id=4 http://www.welt.de/print-welt/article334232/Sehr_alte_Rebsorten_in_Weinbergen_bei_Heidelberg_entdeckt.html http://www.weinwahrheit.de/wp-content/hintergrundinformation-bedeutung-genetischer-ressourcen.pdf http://img2.geo.de/GEO/import_nicht_zugeordnet/1661.html Bericht in GEO! http://www.dlr-rheinpfalz.rlp.de/internet/global/themen.nsf/b81d6f06b181d7e7c1256e920051ac19/A74F9E20DD41BFCCC12574430024CA46/$FILE/Alte%20Weinberge%20gesucht.pdf http://drinktank.blogg.de/eintrag.php?id=2306 http://www.innovations-report.de/html/berichte/agrar_forstwissenschaften/bericht-15573.html http://www.db-acw.admin.ch/pubs/wa_vit_06_pub_1034_d.pdf http://www.landwirtschaft.sg.ch/home/landwirtschaftliches/Beratung/Pflanzenbau/Weinbau/alte_rebsorten.Par.0010.DownloadListPar.0015.File.tmp/Jahresbericht%2006.pdf

Klimaerprobte Reben, Weinbauexperte fahndet nach jahrhundertealten Traubensorten

Deutschlandfunk: Interview mit Andreas Jung
Klimaerprobte Reben- Weinbauexperte fahndet nach jahrhundertealten Traubensorten Von Kay Müllges  (Video nicht mehr online)
Agrarforschung. - Einige von Deutschlands berühmten Rebsorten drohen dem Klimawandel zum Opfer zu fallen. So dürfte es in 100 Jahren etwa dem Riesling hierzulande weitgehend zu warm sein. Doch möglicherweise gibt es vielversprechenden Ersatz unter den Rebsorten, die seit Römerzeiten oder dem Mittelalter hier überlebt haben. Ein Rebsortenarchäologe sucht die belastbaren Traubenvarianten. Wissen Sie was ein blauer Kölner ist? Klar doch, werden Sie sagen. Es ist ja bekannt, das der gemeine Domstädter besonders jetzt, in der fünften Jahreszeit, gerne mal alkoholisiert durch die Straßen seiner Heimatstadt wankt. Die Antwort ist aber falsch, sagt Deutschlands einziger Rebsortenarchäologe Andreas Jung: "Der blaue Kölner ist noch ein alter Hausstock gewesen, an der Donau, in der Nähe von Regensburg. Also außerhalb des eigentlichen Kernweinbaugebiets in Franken, sondern eben als Relikt früherer Zeit als Hausstock in Regensburg. Und der Winzer der ihn heute hat, in seinem Garten hat von diesem Hausstock Ableger gemacht und hat die in seinem Garten gepflanzt und davon stammt das Holz." Der blaue Kölner ist also eine Rebsorte. Im Mittelalter war die in unseren Breiten weit verbreitet, doch sie galt als seit mehr als 200 Jahren ausgestorben. Der Name hat im Übrigen auch nichts mit der Stadt Köln zu tun, sondern stammt vom ungarischen Wort für schlehenblau ab. Andreas Jung hat die lange vergessene Rebsorte nun wiedergefunden. Gefördert wird sein Forschungsprojekt mit dem etwas sperrigen Titel "Erfassung rebengenetischer Ressourcen" vom Bundeslandwirtschaftsministerium. Jung: "Es geht darum, die alten Rebsorten, die vor 100 oder 200 Jahren in Deutschland noch angebaut wurden, wiederzufinden, weil diese Sorten in Deutschland fast ausgestorben sind, teilweise hab ich sogar Sorten gefunden die tatsächlich ausgestorben waren. Jetzt in Bezug auf die Agenda 21 und den Erhalt der genetischen Vielfalt und auch in Hinblick auf den Klimawandel sind das Sorten, die auch in Zukunft interessant sein könnten." Im Verlauf des Projektes konnte Andreas Jung bislang 37 vergessen geglaubte Rebsorten wieder auf spüren. Dabei ist er natürlich auf die Mitarbeit der Winzerinnen und Winzer angewiesen. Die können ihm melden, wenn sie glauben, in ihrem Weinberg verberge sich eine alte, vergessene Rebsorte. Jung fährt dann hin, nimmt den Stock in Augenschein und erstellt gegebenenfalls einen genetischen Fingerabdruck der Rebe. Manche von denen, wie etwa der blaue Kölner, der Adelfränkisch oder auch der Süßschwarz wurden in Deutschland schon vor mehr als 1000 Jahren angebaut. Und sind gerade deshalb heute wieder interessant, meint Andreas Jung. "Gerade die 1000jährigen Sorten die haben eine Warmzeit erlebt, die haben die 300jährige kleine Eiszeit erlebt, die haben alle möglichen Klimawirren und ökologischen Änderungen überlebt. Also die sind standorterprobt für unsere hiesigen Breiten. Und diese Sorten in Wiederanbau zu nehmen ist relativ risikolos, weil man eben weiß, wenn sie diese letzten 1000 Jahre überlebt haben, können sie auch jetzt im Weinberg eigentlich nicht viel Schaden anrichten." Allerdings stehen einer echten Renaissance der alten Sorten noch viele, nicht zuletzt bürokratische Hürden entgegen. Denn das deutsche Weinrecht behandelt historische Sorten wie Neuzüchtungen. Das heißt sie werden einem komplizierten Zulassungsverfahren unterworfen, das bis zu 15 Jahre dauern kann und für den Winzer mit erheblichen Kosten verbunden ist.

Hier wächst der blaue Elbling

Erfassung Rebengenetischer Ressourcen in Deutschland

Erfassung Rebengenetischer Ressourcen in Deutschland:
Verschollene Rebsorten klären Sortengeschichte Wiedergabe an dieser Stelle mit freundlicher Genehmigung des Autors! Autor: Andreas Jung
Büro für Rebsortenkunde und Klonzüchtung, Lustadt
ARGE Erfassung rebengenetischer Ressourcen in Deutschland Jung + Fischer GbR
andreas.jung@online.de Einleitung
Bereits im Jahr 2002 gingen die ersten Meldungen von sensationellen Sortenfunden in alten Weinbergen an der Badischen Bergstrasse durch die Presse (Jung&Dettweiler 2002). Im weiteren Verlauf stellte sich heraus, dass das Gebiet der Badischen Bergstrasse um Heidelberg eine einzigartige Dichte an traditionellen, teils ausgestorben geglaubten Rebsorten in über Jahrhunderte entwickelter Konvielfalt aufweist. Bis Ende 2006 wurden 21 alte Weinberge kartiert und 65 traditionelle und historische Rebsorten nachgewiesen (Jung 2005, 2006). Das kleinräumig strukturierte Gebiet ist von Flurbereinigungsmaßnahmen verschont geblieben. Die bis über 200-jährigen Weinberge sind seit Generationen in Familienbesitz und dienten der Selbstversorgung mit Wein und zur lokalen Versorgung der Wochenmärkte mit Tafeltrauben. Ohne den Preisdruck des Weinmarkts gab es keine Notwendigkeit zur Modernisierung. Für den jährlichen Haustrunk reichten die alten Anlagen aus. Die Reben sind noch wurzelecht im traditionellen Mischsatz von meist 15 (9 – 33) Rebsorten gepflanzt. Überalterte Stöcke wurden in den dicht bestockten Anlagen systematisch verjüngt, so dass die Alterstruktur sehr heterogen ist. Das Sortenspektrum ist ungewöhnlich vielfältig. Zweithäufigste Rebsorte
nach Riesling ist die nicht klassifizierte Rebsorte Blauer Elbling. Sie ist die wohl noch häufigste historische Rebsorte mit autochthonen Vorkommen in Deutschland. Neben dem ganzen Spektrum der in Deutschland klassifizierten, traditionellen Rebsorten findet man an der Badischen Bergstrasse noch eine Reihe international renommierter, aber vernachlässigter Sorten wie Auxerrois, Welschriesling, Roter Veltliner, Frühroter Veltliner, Brauner Veltliner, Roter und Weisser Muskateller, Bouquettraube (Goethe 1887) und Zinfandel. Vergleichsweise häufig begegnet man historischen Sorten wie Weisser Heunisch (Trummer 1841), Weisser Tokayer (Metzger 1827), Honigler (Trummer 1841), Weisser Hudler (Trummer 1841), Bettlertraube (Trummer 1841) und der für Heidelberg so typischen Gelben Seidentraube (Babo&Metzger 1836), die mit den Maulbeerbäumen in den einstigen Seidengärten angebaut wurde. Einzelne Stöcke von Seltenheiten wie Orleans (Trummer 1841), Weisser Veltliner (Babo&Metzger 1836), Harslevelü (Nemeth 1967), Rote Lambertraube (Trummer 1841), Roter Heunisch (Trummer 1841), Früher Blauer Wälscher (Trummer 1841), Blauer Blank (Trummer 1841), Gänsfüßer (Trummer 1841) oder Blauer Heunisch (coll. Gf) runden das Bild ab. Selbst ausgestorbene Sorten wie Fütterer (Babo&Metzger 1836) und Kleinedel (Babo&Metzger 1836) konnten vom Autor aufgespürt und gerettet werden (Jung 2007 a). Dank des Prämiensystems wurde der Bestand mit den 3 letzten Pflanzen des Kleinedel im Dezember 2007 gerodet. Überhaupt sind die alten Weinberge hochgradig gefährdet. Die Besitzer sind im stolzen Rentenalter. Es ist absehbar, dass sie ihre Weinberge nicht mehr lange selbst bewirtschaften werden können. 5 der einst 21, mehrheitlich in Privatinitiative inventarisierten Weinberge sind nicht mehr existent, einige in extrem schlechten Erhaltungszustand. Diese dringliche Situation führte zur privaten Erhaltungsinitiative des Rebsortenbüros Andreas Jung zusammen mit Andreas Schäffer, Winzer aus Lustadt. Ein Weinberg mit über 260 in 15 Weinbergen selektierten Sortenklonen aus Heidelberg wurde mit behördlicher Genehmigung in Lustadt angelegt (Jung 2007 a). Weinbergspatenschaften können erworben werden. Weitere Erhaltungsprojekte sind in Vorbereitung. Erfassung alter Rebsorten in Deutschland
Diese Fülle von nahezu ausgestorbenen, aus der modernen Weinbergsflur längst verschwundenen Rebsorten kam recht unerwartet. Seit Jahresbeginn 2007 möchte der Bund über das dreijährige Erhebungsprojekt Erfassung rebengenetischer Ressourcen in Deutschland noch vorhandene alte Rebsorten möglichst vollständig auffinden und identifizieren lassen. Von besonders wichtigen Rebindividuen sollen hierbei mit Einverständnis der Winzer Reiser für eine Duplikaterhaltung am Julius Kühn–Institut Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI), Institut für Rebenzüchtung Geilweilerhof genommen werden. Ein besonderes Augenmerk wird auf die nur noch in Kleinstmengen vorhandenen oder bereits verschollenen historischen Rebsorten gelegt sowie auf Klone züchterisch vernachlässigter, traditioneller Rebsorten, deren Erhaltungsbasis unzureichend ist. Mit der Erfassung hat die Bundesanstalt für
Landwirtschaft und Ernährung (BLE) im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) die Arbeitsgemeinschaft Erfassung rebengenetischer Ressourcen in Deutschland Jung + Fischer GbR beauftragt. Gemäß den von den Ländern geführten EU-Weinbaukarteien gab es im Frühjahr 2007 bundesweit noch etwa 3300 Rebparzellen, die vor 1950 angelegt wurden. Die Zahlen unterliegen einem rasanten Abwärtstrend. Während in Franken vor wenigen Jahren noch über 1000 alte Weinberge registriert waren, sind es heute noch knapp über 400 registrierte Parzellen mit rund 300 Bewirtschaftern. Ohne die Weinberge mit Müller-Thurgau sind es 268 mehrheitlich von Silvaner dominierte Altbestände. Grundsätzlich unterliegen die in der EU-Weinbaudatei gespeicherten Daten dem Datenschutz, so dass die Eigentümer alter Weinberge in den meisten Fällen nicht direkt ermittelt werden können. Ein Großteil der mittlerweile bekannten Besitzer alter Weinberge hat sich freiwillig rückgemeldet, entweder auf den von den Behörden verschickten Aufruf der ARGE oder auf die zahlreichen, über die Medien verbreiteten
Aufrufe, alte Rebbestände zu melden. Der volle Erfolg des Erhebungsprojektes wird vor allem von der Bereitschaft der Winzer abhängen, ihre alten Rebbestände bei der ARGE zu melden und wissenschaftlich inventarisieren zu lassen. Dieses einmalige Projekt bietet die letzte Chance, seltenes Sortenmaterial in deutschen Weinbergslagen ausfindig zu machen und für die Nachwelt zu erhalten.
Hinweise auf Vorkommen alter Reben sind hochwillkommen. Bitte richten Sie diese an: ARGE Erfassung
rebengenetischer Ressourcen in Deutschland Jung + Fischer GbR Lerchenweg 7; 97299 Zell am Main;
Fon: 0931 / 304 998 0; Fax: 0931 / 304 998 10; arge@verm.de Neue Sortenfunde im ersten Jahr der Erhebung (2007)
Die Erfassungsschwerpunkte im ersten Projektjahr 2007 lagen in den rechtsrheinischen Weinbaugebieten, vor allem in Franken, Württemberg, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Bisher wurden 308 nach Rebsorten differenzierte alte Weinbergsparzellen und gemeldete Standorte von Hausstöcken erfasst und inventarisiert. Insgesamt wurden 206 Sorten registriert. Davon zählen 137 Sorten zu den traditionellen oder historischen Keltersorten bzw. Tafeltrauben. Eine solch hohe Sortenzahl war nicht erwartet worden. Sie erklärt sich nur teilweise aus der Miteinbeziehung des ehemals Sächsischen Rebsortiments, das an gründerzeitlichen Talut-Mauern noch eine Sammlung von Tafeltrauben enthält, die über einen Zeitraum
von mehr als 100 Jahren gesammelt wurden. Diese entstammen vielfach anderen Herkünften als das im Westen gebräuchliche Material. Einige Sorten wie Agostenga (Mas&Pulliat 1874-1879), Halbgeschlitztblättriger Gutedel (Trummer 1841), Madeleine Violette (Mas&Pulliat 1874-1879), Frühblauer Ungar, Blaue Eicheltraube, Grauer Portugieser, Médoc noir (Nemeth 1970), Sauvignon gris (Nemeth 1970) und russische Sorten wie Bakthiari (Negroul 1970), Belorosovie oder die DDRZüchtungen Perranttraube und Juliperle sind Unikate, die es vor 1989 nur in Ostdeutschland gab. In jeder der bislang bereisten Regionen wurden ausgestorben geglaubte oder bisher nicht nachgewiesene Sorten in alten Weinbergen aufgespürt. Fast alle Sorten konnten auf der Grundlage historischer Abbildungen und ampelographischer Sortenbeschreibungen identifiziert und zugeordnet werden. Wie bei ausgestorbenen Sorten nicht anders zu erwarten, halfen genetische Fingerabdrücke mangels Referenzen nicht wesentlich weiter. Viele dieser neu wiederentdeckten Sorten haben nicht einmal in den Sortimenten
überlebt oder sind wie die B(l)atttraube als vermeintliche Referenz zur Sortenbestimmung falsch benannt. Die echte, nach Dr. Batt benannte Batt-traube (Metzger 1827) ist die Mondeuse noire, die falsche, in Sortimenten geführte B(l)att-traube muss Große Blaue Urbanitraube (Trummer 1841) heißen. Franken
Entlang des westlichen Steigerwalds wurden ganze Trupps von historischen Sorten lokalisiert, die zu den noblen altfränkischen Sorten gerechnet werden müssen. In den wurzelechten, teils noch in Kopferziehung an 3 Pfählen erzogenen, von Silvaner dominierten Rebbeständen gilt der Grundsatz: je älter desto sortenreicher. Auf den tonschweren, wechseltrockenen Keuperböden dürfte die Reblaus keine Chance haben. Zum festen Bestandteil des fränkischen Qualitätsmischsatz gehört der durch sein ledrig wolliges Blatt und kleine graugrüne Trauben ausgezeichnete Adelfränkisch (Elßholtz 1684). Obwohl noch regelmäßig anzutreffen, war die Sorte seit mehr als 150 Jahren verschollen. Mit Sauvignon, Silvaner, Räuschling und Alanttermö (syn. Jofele Frankus) gehört der Adelfränkisch zur Gruppe der Grünfränkischen. Freiherr von Babo (1844) beschrieb ihn als Weissen Grünling. Er stellt das fehlende Glied des mittelalterlichen Sortentrios Kleinfränkisch (Traminer), Mittelfränkisch (Adelfränkisch) und Großfränkisch (Großer Traminer/Räuschling) dar. Adelfränkisch und Räuschling sind wuchskräftige Kinder von Traminer mit Heunisch, sehen aber dem Traminer zum Verwechseln ähnlich. In Oberfranken hochstet beigemischt ist auch eine dem Gelben Riesling (coll. Leth) aus Österreich ähnelnde, hochvariable Sorte mit kleinen, im grünen Zustand bereits milchig weißgelben Beeren. Vermutlich ist sie identisch mit der ungarischen Sorte Kleinweiß alias Apro Feher (Nemeth1970). Synonyme sind Budai Riesling und Feher Frankos (Weißfränkisch). Kleinweiß und Adelfränkisch sind mit dicken alten Rebstämmen vertreten, sind also sehr ausdauernde und frostharte Sorten. Regelmäßig eingestreut findet man die slowenische Ahorntraube alias Weiße Schapatna (Trummer 1841). Sie zeichnet sich durch ein grob gezahntes, leicht wolliges Blatt aus, das an Ahornblätter erinnert. Die identifizierte Form mit tief 5-lappigen Blättern und großen Trauben erwies sich als genetisch identisch mit einer weniger gelappten Variante mit kleineren Trauben. Diese wenig gelappte, in Franken durchwegs rollkranke Form ist häufiger verbreitet und wurde auch bei Speyer und in Sachsen-Anhalt gefunden. Zur altfränkischen Qualitätsmischung gehörten neben dem grünen, gelben und blauen Silvaner auch roter Traminer, roter und weißer Elbling, roter und weißer Muskateller sowie der weiße Riesling, einmal in der seltenen roten Form. Eine Sorte mit durchwegs jungfernfrüchtigen Beeren ähnelt der ungarischen Sarfeher (Nemeth 1970) mit funktional weiblichen Blüten. Sie könnte die für ihre Minibeeren bekannte Vogel-Fränkische (Elßholtz 1684) darstellen, die dann jedoch mit der steirischen Vogeltraube (Trummer 1841) nicht übereinstimmt. Eine weitere ungarische Sorte vom Steigerwald ist Szagos Bajnar (Nemeth 1979), die Hermann Goethe (1887) zu den Augstern gruppierte. Eine noch unbekannte Sorte ist ein Kind von Elbling mit sehr ähnlichen Blättern aber kleinen runden Beeren. Zu dieser Sorte fehlen die ampelographische Referenzen. In Nordfranken wurde die aus dem Armagnac bekannte Folle Blanche (Galet 1990) entdeckt. Sie sollte mit der einst aus Ungarn importierten, spät reifenden Sorte Gännsfuß (Knohllen 1667) identisch sein Der Name wurde fälschlicherweise dem Weissen Traminer zugeordnet. Es ist jedoch kein Zufall, das Picpouille, französisches Synonym der Folle Blanche, ursprünglich Pied de pouille, also Hühnerfuß bedeutete. Möglicherweise wurde das falsch transkribierte Synonym Gänser Fulle (Nast&Sprenger 1766) später zu Folle Blanche umgewandelt. Von Hunnischen Sorten haben Heunisch, Weisser Tokayer und Weißer Hudler überlebt. Neben Pinot noir sind in Silvaner-Franken auch 2 Rotweinsorten regelmäßig beigemischt, die im Laub dem Silvaner ähneln und leicht verwechselt werden können. Es sind dies Süßroth (klassifiziert als Tauberschwarz) und Hartschwarz, der mit seinen borstigen, 5-7-lappigen Blättern an Duras (Galet 1990) erinnert. Bis auf ein abweichendes Allel (6 Standardmarker) ist diese Sorte mit einer morphologisch abweichenden Rebe aus Sachsen-Anhalt identisch, die den aus Slowenien beschriebenen Blauen Silvaner (Trummer 1841) darstellt. Sie ist die Urform des von Thränhardt dokumentierten, für seine Rotweine berühmten Blauen Silvaners. Im Atlas von Babo&Metzger (1836) wurde diese Sorte als Blauer Hängling
beschrieben. Sie sollte mit der aus dem französischen Jura beschriebenen Sorte Béclan (Galet 1990) identisch sein. Als Kind von Traminer und Geschwister des Spätburgunders scheint der anhaltinisch–mährisch-slowenische Blaue Silvaner eine historische Schlüsselsorte zu sein. Nach ersten vorläufigen Erkenntnissen ist er ein Elternteil von Affenthaler (Single 1860), Süßroth (=Tauberschwarz) und dem berühmten, bisher verschollenen Möhrchen (Trummer 1841), von dem jetzt eine Pflanze am Steigerwald entdeckt wurde. Vom zweiten Elternteil Heunisch dürften die Kinder die Frosthärte geerbt haben. Reben des Tauberschwarzes wurden vom Autor mehrfach im schlesischen Grünberg, nahe Landsberg entdeckt. Der Gärtner Corthum hatte die Sorte 200 Jahre zuvor vom polnischen Landsberg nach Zerbst gebracht, wo er sie als Corthum-Rebe zum Kauf anbot (Corthum 1816). Süßroth und Süßschwarz sind Synonyme des Blauen Hängling (Goethe 1887). Man kann vermuten, dass es sich beim Süßschwarz ursprünglich um Béclan (syn. Duret) handelte, dessen Blätter denen des Süßroth ähneln. Seine schwarzen Trauben heben sich deutlich von den blauduftigen Früchten des Süßroth ab. Trotz fast deckungsgleicher genetischer Sortenprofile ist die fränkische Hartschwarze vom Süßschwarzen durch stärker und tiefer gebuchtete Blätter, eine spätere Reife und elliptische Beeren differenziert. Sie dürfte eher eine Schwestersorte als eine Klonmutante darstellen. Hartschwarz kann leicht mit dem schwäbischen Affenthaler verwechselt werden. Alle 4 Sorten besitzen borstige, Silvaner-ähnliche Blätter und sind am besten durch Beerenform, Duft, Reifezeit und Säuregehalte zu unterscheiden, was ihre gemeinsame Bezeichnung als Blaue Silvaner rechtfertigt (vgl. Jung 2007b). Fleischmann (1809) betont, dass es von den Hartblauen mehrere Arten gab. Sie sollten der westalpischen Sortengruppe der Duret (Duré, Dure = Hart) entsprochen haben, die Traminer, seine Kinder Béclan und Peloursin, dessen Kind Durif, sowie Dureza und Persan umfasste (vgl. Galet 2000). Persan (Galet 1990) wird als Roter Franke im Veitshöchheimer Sortiment erhalten. Dureza (Galet 1990) überlebte als Hitzkirchner in der Schweiz. Alle Duret-Sorten zeichnen sich durch fäulnisresistente Beeren aus. Mittlerweile konnte auch der echte Grosse Blaue Kölner (Trummer 1841) identifiziert werden, eine Aufsammlung von Herrn Engelhart in Bad Abbach bei Regensburg. Die Donau war der wichtigste Handelsweg von Ost nach West.Der bei uns als Blauer Scheuchner verbreitete (falsche) Kölner (Mirosevic 2003) kommt noch erstaunlich häufig in fränkischen Silvaner-Beständen vor. Die Sorte ist morphologisch stark differenziert, was für ihr hohes Alter spricht. Ein Klon vom Steigerwald sah dem echten Kölner zum Verwechseln ähnlich, ohne dass genetische Verwandtschaft bestünde. Die stark wolligen, weniger gelappten schwäbischen Klone ähneln eher Syrah. Der vom Neckar beschriebene Scheuchner scheint in Franken häufiger überlebt zu haben. In Österreich ist die Sorte als Scheibkern (coll. Leth) konserviert. Am Ende der Sächsischen Weinstrasse wurde ein uralter Stock der Großen Blauen Urbanitraube (syn. Großkölner) aus Slowenien entdeckt, die als Urnik (von slowenisch Vranik = Krähe) bzw. Kriechentraube (vom Kriechenberg in Slowenien) direkt an den Zürichsee exportiert wurde. Diese drei Kölner-Sorten waren die Kernsorten der aus dem Mittelalter überlieferten Schlehentrauben, auch bekannt als Blaue Kölner (von ungarisch Kökeny = Schlehenblau). Allen Kölner-Sorten ist der schlehenblaue Duft auf den Beerenhäuten gemeinsam. Dies trifft auch für die Blaue Champagnertraube (Trummer 1841) zu, die als weiterer falscher Kölner in der Sammlung Leth in Österreich erhalten wird. Zusammen mit den Großen Schwarzen und Großen Roten bildeten die Großblauen / Schlehenblauen die mengenmäßige, aus Ungarn importierte Grundlage der Rotweine im Hochmittelalter. Der Schweizer Sortenkomplex Mörsch bezieht sich direkt auf die slowenische Sortengruppe Morshina, die neben Kölner, Scheuchner und Großer Urbanitraube den Gelbholzigen und Rotholzigen Trollinger, die Zimmettraube und den Lemberger umfasste (Trummer 1841, Kreuzer et al. 2001). Der Kleine Mörsch vom Zürichsee ist der Blaue Räuschling vom Oberrhein, der ebenfalls ein Kind des Béclan sein dürfte, mit Gamay als zweitem Elternteil. Alte Urban-Stöcke wachsen noch bei Freyburg / Unstrut und auf historischen Weinterrassen in Klingenberg am Main. Roter und Blauer Urban waren die mittelalterlichen Kernsorten der Rotwelschen Trauben, einer Sortengruppe, die wie die Blauwelschen (Schiava agg.), Zottelwelschen (Gänsfüsser), Römer-Welschen (Blauer Elbling, Purcsin) und Frühwelschen (Frühe Leipziger, Lashka) von den Walsern ins Land gebracht wurden. Im warmen Hochmittelalter kontrollierten die Walser die schneefreien Alpenpässe von Tirol bis an den Genfer See und trieben regen transalpinen Handel. Außer Urban und Portugieser wachsen in Klingenberg der ungarische Honigler, die aus Südafrika bekannte, in Franken gekreuzte Bouquettraube, der elsässische Ortlieber, Cabernet Sauvignon, eine dem Cabernet Franc ähnliche, nicht verwandte Sorte mit trotzdem typischem Pfeffergeschmack und eine dem Heunisch ähnliche Sorte mit ganz kahlen Blättern, die vielleicht den verschollenen Hartheunisch darstellt. Dieser würde sich dann vom Orleans durch runde Beeren unterscheiden. Schwaben
Im Trollingerland am mittleren Neckar wurde der aus Slowenien beschriebene Blaue Jacobin (Trummer 1841) erstmals in Deutschland nachgewiesen, eine vorher ausgestorbene, am Fundort mit Trollinger, Urban und Lemberger assoziierte Sorte, die der italienischen Freisa ähnelt. In den letzten musealen Weinbergen mit krakenartig ausgebreiteten, an bis zu 6 Pfählen erzogenen Reben gibt es morphologisch stark abweichende, teils genetisch differenzierte Klone von Urban und Trollinger, die kaum noch als solche erkennbar sind. So findet man den von Single 1860 beschriebenen Rotholzigen Trollinger mit roten Adern, weinroten Trieben und kleineren, schwarzen Trauben. Er sollte mit dem slowenischen Schwarzelbling (Trummer 1841) bzw. Ungar-Elbling identisch sein. Der Rotholzige Trollinger ist auch in Franken, Sachsen und Sachsen-Anhalt verbreitet, wo er den häufigeren, offenbar frosthärteren und wohl direkt aus Ungarn importierten Klon darstellt. Am Neckar gibt es auch Vorkommen vom Frühen Blauduftigen Trollinger, der bis Heidelberg als Blauelbling und nördlich davon als Schwarzer Elbling (Babo&Metzger 1841), in Hessen als Willbacher verbreitet ist. Urban und Blauer Elbling sind direkt mit Trollinger verwandt, dessen italienischer Name Schiava Grossa (Calo et al. 2006) auf eine slawische Herkunft schließen lässt. Auch die mit Lemberger verwandte slowenische Blaue Bettlertraube (Trummer 1841) fand sich untergemischt. Sie war vorher nur vom Neckar bei Heidelberg und als falscher Kölner (coll. Gf) aus Rebsortimenten bekannt. Einige Affenthaler (Single 1860) haben nördlich der Murr als Hausstöcke überlebt. Sachsen und Sachsen-Anhalt
Zwischen Ost und West bestehen klare Unterschiede. Im rechtsrheinischen Westen gilt der Satz: je älter desto sortenreicher. Die vor dem Krieg angelegten Weinberge sind teils noch mit musealen Erziehungssystemen und dem traditionellen Mischsatz versehen. Die Reben wachsen wurzelecht. In den neuen Bundesländern ist es gerade umgekehrt. Seit 1920 hat man dort die alten reblausverseuchten Bestände konsequent ausgehackt und Pfropfreben gepflanzt, so dass fast alle Altbestände bereits gepfropft sind. Nur wenige Ausnahmen wie der Kathert´sche Weinberg stammen noch aus der Zeit um oder vor 1900, wobei auch hier spätere Lückenbepflanzungen mit Gutedel und Silvaner erfolgt sind. Neben Béclan enthält dieser Weinberg Sorten wie den Weißen Heunisch in erstaunlich hohen Zahlen, auch den schwarzen Heunisch, Clairette rose, Harselevue, Schapatna und weitere Sorten, die es in den nach 1920
angelegten Weinbergen nicht mehr gibt. Ein weiterer, von Babo&Metzger (1836) beschriebener Blauer Jacobin wurde bei Halle lokalisiert. Er entspricht der französischen Abondance (Galet 1990), deren Blätter an Heunisch erinnern. Abondance wird auch die Rebsorte Gascon genannt, die als Blauer Silvaner (Mohr 1834) vom Bodensee beschrieben wurde. Ein Rebstock wurde vor gut einem Jahrzehnt von Herrn Prof. Stolle in der Nähe von Halle gefunden und als Stolle 514 in Siebeldingen konserviert (vgl. Jung 2007 b). Der aus Slowenien beschriebene, in Karsdorf gefundene Schwarze Heunisch (Trummer 1841) dürfte mit der französischen Mérille (Galet 1990) identisch sein. Mérille wird bei Orleans zusammen mit Grolleau (Galet 1990)
angebaut, der ebenfalls Abondance genannt wird und als ungarischer Wildbacher aus Pecs (coll. Gf) erhalten wird. Der Schwarze Heunisch soll anno 920 von den Wenden aus Mähren mitgebracht worden sein. Zahlreiche Ortsnamen wie Wendish Bora, Golk oder Weischütz zeugen noch von der sorbischwendischen Besiedlung Ostdeutschlands. Bei Halle wurde auch ein Stock der echten Mehlweißen (Liszes Feher) entdeckt. Sie ist dort mit dem Elbling assoziiert, der in Österreich ebenfalls Mehlweiß heißt. Im Werk von Mas&Pulliat (1874-1879) wurde diese sehr alte ungarische Sorte als Leany Szölö beschrieben, fälschlicherweise dann aber mit Feteasca alba gleichgesetzt (Galet 2000). Die Mehlweisse ist bereits als Schukuru bei J.S. Kerner (1803-1815) abgebildet. Da die Namen ins Französisch übersetzt wurden, muss die Sorte ursprünglich Schükürn geheißen haben. Damit wäre ein weiterer Weisser Scheuchner / Sheikürn nachgewiesen, neben Ezerjó und Honigler. Die nach der Reblauskrise an Elbe, Saale und Unstrut mit Pfropfreben angelegten Weinberge sind im Ursprung sortenrein gegründet. Kernsorten in Sachsen waren Elbling, Traminer und Silvaner, später kamen Weißburgunder und Spätburgunder hinzu. In Sachsen-Anhalt spielten Elbling, Silvaner, Gutedel und Riesling, später auch Portugieser eine größere Rolle. An der Unstrut bestehen die ältesten Weißburgunder-Bestände im Kern aus alten Chardonnay-Reben. In Sachsen und Thüringen dominiert eher Auxerrois. Diese Sorten sind frosthärter als Weißburgunder und durch strenge Winterfröste positiv selektiert. Zu DDR-Zeiten musste mehrfach Material aus Ungarn, Jugoslawien und Mähren importiert werden, weil wiederholte Winterfröste von bis zu -27°C starke Erfrierungsschäden verursachten und Pfropfreben nicht schnell genug nachproduziert werden konnten. Dieses vom Balkan importierte, häufig
virusinfizierte und sortenverunreinigte Burgunder-Material aus den 1970er und 1980er Jahren ist in den älteren Weinbergen von Sachsen und Sachsen-Anhalt noch anzutreffen. In einem Fall wurden 15 Rebsorten, darunter Aligoté und die ungarische Form des Muscat Ottonel (Nemeth 1970) angetroffen. Wo Fröste Lücken gerissen hatten, wurde nachgepflanzt, was an Sorten gerade verfügbar war, auch Bacchus, Kerner und Kernling. Die sortenreichsten Bestände in der ehemaligen DDR sind deshalb nicht die alten von 1920 bis 1950 bestockten Bestände, sondern die mit weniger frostharten Sorten bepflanzten, kontinuierlich ausgebesserten Nachkriegsbestände. Sie stellen sekundäre Mischsätze dar, deren Sorten
getrennt gelesen werden. Die Zahl eingesprengter Sorten korreliert direkt mit der Frosthärte der Hauptsorten. Bestände von Riesling, Chardonnay und Elbling sind kaum vermischt, aber virusverseucht. Stark durchmischt sind die Bestände von weniger frostharten Sorten wie Pinot, Gutedel und Portugieser. In der DDR wurden die Trauben von Portugieser am teuersten bezahlt, so dass diese Sorte bevorzugt gepflanzt wurde. Nahezu sortenreine, 80-jährige Silvaner-Bestände mit etwa 2 % spontan von grün nach rot oder blau mutierten Silvanern haben an der Unstrut überlebt, weil die Pfropfstellen ähnlich wie in Ungarn in den Boden eingelassen und die Stammbasen der Edelreiser zusätzlich mit Erde überdeckt wurden. Erfrorene Stöcke konnten so wieder austreiben. Dies geschah analog zur alten Fränkischen Kopferziehung. Ordnungsgemäß gepflanzte Pfropfreben erfroren regelmäßig, so dass vom Grünen
Silvaner in Sachsen nur Hausstöcke überlebt haben. In den nach dem Weltkrieg neu aufgebauten Beständen sind Überlebende aus Vorkriegszeiten eingesprengt. Neben Traminer, Elbling und selten Riesling findet man Grünen, Roten, Braunen und Frühroten Veltliner, vereinzelt auch Welschriesling oder die rumänisch-ungarische Mädchentraube (Leanyca Nemeth 1967). Bei Freyburg wurde erstmals eine Pflanze des ungarischen Féher Veltelini (Nemeth 1975) nachgewiesen, die nun 4. Rebsorte mit dem Namen Weißer Veltliner, was für die Einführung von Nomenklaturregeln bei Rebsorten spricht. Alle 4 Sorten sind identifiziert. Der Heidelberger Weiße Veltliner (Babo&Metzger 1836) ist mit dem Rot-Weißen Veltliner aus Österreich identisch. Der historische Weiße Veltliner aus Slowenien (Trummer 1841) entspricht dem elsässischen Olber (Stoltz 1852). Die Weißen Veltliner aus Colmar und Sachsen sind Neuburger. Der graue Veltliner (coll. Gf), ein Import aus Ungarn, entspricht dem Grünfränkisch alias Alanttermö (Nemeth 1970). Die Sorte war am Niederrhein, im Rheingau, Franken und Sachsen verbreitet. Der österreichische Graue Veltliner (coll. Gf) ist ein grau bedufteter Klon des Grünen Veltliner. Bei Radebeul haben sich originale Bestände mit Pfropfreben von Riesling, Rotem Traminer, Blauem Silvaner, Grünem Veltliner und Neuburger aus den 1920er Jahren erhalten. Sie dürften noch vom Weinbaulehrer Carl Pfeiffer mit österreichischem Rebmaterial bestockt worden sein. Die 80-jährigen Reben des Neuburgers haben sich stark auseinanderentwickelt. Manche Pflanzen entsprechen der in Österreich konservierten Sorte Blauer Hans (coll. Leth) mit um die Stielbasis typisch rot gefärbten Blattnerven und wolligen Blättern. Aus der Stammbasis ausgetriebene, dunkelrot überlaufene Pflanzen mit stark borstigen Blättern erinnerten an den Roten Hans. Möglicherweise sind die über ganz Sachsen und Sachsen-Anhalt verstreuten Pflanzen von Weißem und Grünem Veltliner bereits früher ins Land gekommen. Der Grüne Veltliner (syn. Muscat vert) ist seit Mitte des 18. Jahrhundert als Ungarn-Import
nachgewiesen. Im 19. Jahrhundert war er als Grüner Weißgypfler, Schwabentraube, Frankenriesling und Gelb Szirifandl verbreitet (Nast&Sprenger 1766, Babo 1844, Le Comte Odart 1854, Rovasenda 1877). Der wohl älteste Rebstock Deutschlands hat ebenfalls in Radebeul überlebt. Es ist eine Gelbe Seidentraube mit 12 Meter Ausdehnung und einem geschätzten Alter von mehr als 250 Jahren. Die Schwestersorte Agostenga (syn. Prié Blanc Galet 2000) steht als 150 jähriger Hausstock an einem alten Fährhaus an der Saale. Beide Sorten werden heute noch im Wallis angebaut. Sie gehören zur mittelalterlichen Gruppe der Frühen Blanckwelschen, in Sachsen, am Bodensee und im Elsass auch als Frühe Leipziger bekannt. In Franken hießen sie Frühtrauben, bei Heidelberg Seidentrauben, im Tirol Silltrauben und in Österreich Rosinentrauben. Verschollene Rebsorten klären Sortengeschichte
Die fränkischen Sorten Grobschwarz (Zinfandel), Süßroth (Tauberschwarz), Süßschwarz (Béclan), Hartschwarz (Durase agg.), Schwarzer Österreicher (Affenthaler), Glasschwarz (Möhrchen), Dickschwarz (Trousseau) und Gemeine Schwarze (Blaue Thunerrebe / Peloursin) sind als Blaue / Blaue Silvaner auch vom Bodensee und Hochrhein beschrieben worden mit Verbindungen in die Nordschweiz und Oberrheinebene sowie ins französische Jura. Zusammen mit Gascon (Blauer Silvaner Mohr 1834), Côt (Arbst), dem Blauen Traminer (Blauer Riesling coll. Gf) und Pinot Meunier (Schwarzriesling) dürften sie der fränkisch-alemannischen Sortengruppe der Blauen Hänglinge, Blauen Silvaner und Blauen Rieslinge des Früh- und Hochmittelalters entsprochen haben, die in Österreich, Mähren und Westungarn als blaue und schwarze Zierfahndler verbreitet waren (vergleiche Jung 2007b). Im 7. Jahrhundert haben slawische Wenden die nach der Völkerwanderung weitgehend entvölkerten Gebiete Ostdeutschlands besiedelt. Unter den Karolingern siedelten Wenden in Ostfranken und Schwaben. Traminer als Stammsorte der Altfränkischen Sorten und viele von Traminer abstammende Sortenkinder der ersten und zweiten Generation sind aus den slawischen Siedlungsgebieten der Nordkarpaten und vom Nordbalkan dokumentiert. Das slowenische Möhrchen (syn. Schwarzer Riesling) war Hauptbestandteil des berühmten Kallstadter Rotweins. Die slowenische Aufsammlung stammte aus der Gegend um Wien. Der seit 1880 aus dem französischen Jura bekannte Durif (Galet 1990), Kind der Blauen Thunerrebe / Peloursin (Frei et
al. 2006) wurde 40 Jahre zuvor als Früher Clävner (Trummer 1841) aus Slowenien beschrieben. Süßschwarz und Affenthaler sind als Blaue Silvaner, der Süßrot als Vranagg‚ Zinfandel als Blauer Palvanz, der graue Peloursin als roter Zierfahndler, Côt als Blaustiel und Trousseau als Blauer Riesling (coll. Leth) aus Slowenien, Ungarn, Niederösterreich oder Mähren nachgewiesen (Jung 2007b). Es ist unbegreiflich, dass man diese Rotweinsroten einfach übersehen und für Synonyme des Spätburgunders halten konnte. Pinot hieß im 16. Jahrhundert nur Rothe oder Kleberoth (Kleeroth), später wurde Clevner daraus. Im Elsass war er als Kleber / Noirien, im Französischen Jura als Petit Noirien oder Savagnin noir bekannt. Als Czerna okrugla ranka (Schwarz Rund Früh) oder Schwarzfränkisch (Noir de Franconie) wurde er von Le Comte Odart (1854) in Syrmien, von Franz Schams (1838) im Banat entdeckt. Sein
sächsisches Synonym Gutblau ist auch Synonym des steirischen Wildbachers. Das falsch zugeordnete Synonym Kleinschwarz war für den Kleinungar (Trummer 1841) alias Marzemino gebräuchlich. Der Dichter Eustache Deschamps (1346-1407) rühmte die Weine von Gouays, Morillon, Pynoz und Garnache. Das Katalanische Wort “Garnatxa” stammt ab von “Vernaccia” aus Tirol (Rézeau 1998). Grenache alias Garnacha tinta existiert als Tocai rosso im Tokay (Calo et al. 1990). Als (falsche) Hrvatica crna ist sie im kroatischen Sortenatlas (Mirosevic 2003) abgebildet. Gouays dürfte sich schlicht auf die westpannonische Sortengruppe der Weissen (Gouayssen) beziehen. Moréote noir ist ein elsässisches Homonym für Clevner,
Möhrchen und Arbst (Stoltz 1852). Morea war der mittelalterliche Name des Peloponnes, der wie der ganze Balkan im 6. und 7. Jahrhundert von Südslawen besiedelt wurde. Pynoz könnte sich somit nicht von Pinienzapfen, sondern von griechisch: Pyros = Feuer ableiten. Eine balkanische Herkunft würde auch erklären, warum Pinot als Kind von Traminer gemeinsame Allele mit Korinthiaki teilt. Trézillon de Hongrie ist ein altes elsässisches Synonym des Schwarzrieslings. Als Mährer sind Elbling (syn. Moravka) und Spätburgunder (syn. Maitre noir) überliefert (Galet 1990). Man sollte zur Kenntnis nehmen, dass auch Blauer, Grauer und Früher Burgunder, genauso wie Chardonnay, Aligoté, Ortlieber und Arbst als Tokauer
bezeichnet wurden. Somit kann man schlussfolgern, dass sich die französische Sortengruppe der Morillon, Morineau und Moreau von mittelhochdeutsch Mor (= Mohr, Maure) ableitet und nicht umgekehrt. Diese umfassten Spätburgunder, Frühburgunder, Müllerrebe, Frühe Mährische (= Madeleine Violette Mas&Pulliat 1874-1879), Gascon (= Blauer Silvaner Mohr 1834), Cot, Teinturier und Tressot (Galet 1990). In vorkolonialen Zeiten waren die Mohren kulturell hochstehende Edle oder Könige dunkler Hautfarbe. Der Mohr in den Wappen der seit 973 bestehenden Besitzungen des Bistums Freising in Niederösterreich, der Steiermark, Slowenien und Südtirol ist mit gekröntem Haupte dargestellt. Nach der großen Abwehrschlacht gegen die Magyaren auf dem Lechfelde wurde 955 die Ottonische Ostmark gegründet und mit bayrischen und fränkischen Bauern besiedelt. Kek Bajor (Blauer Bayer) ist bis heute der ungarische Name für den Blauen Augster (vgl. Nemeth 1970). Die früh- und hochmittelalterlichen Bezüge Frankens und Süddeutschlands zu den Siedlungsgebieten der Wenden in Großmähren sowie der windischen Südslawen in Slowenien und Slawonien sind unübersehbar. Diese Bezüge gelten ebenso für Tirol und die ganze Schweiz sowie die Franche-Compté, die nach einer Pestepidemie im 17. Jahrhundert von Walsern neu besiedelt wurde. Der Räuschling wird heute noch in der Ortenau und am Zürichsee angebaut. Weisser Lagrein ist das Synonym für die „Deutschen Trauben“ der Walser im Tirol. Die Kurzform Drutsch ist ein alemannisches Synonym für die weiße und rote Form des Räuschlings, der von J.S. Kerner (1803-1815) als Großer Roter Traminer portraitiert wurde. Wahrscheinlich war es also der Räuschling, der die Grundlage der mittelalterlichen Exportweine aus Südtirol bildete. Die Walliser Sortengruppe der Arvines kann direkt mit den aus Deutschland und Slowenien beschriebenen Weißen Hänglingen - (H)Angling verknüpft werden. Es ist kein Zufall dass die Traminer-Kinder Silvaner und Welschriesling zu dieser Gruppe gehörten. Die urwelsche Sorte Amigne ist bei Kerner (1803-1815) als „Le grand Jaune de Tokay“ identifizierbar. Die für den Gletscherwein berühmte Sorte Rèze leitet sich von ungarisch reszeg = betrunken ab. Selbst der seit 1321 in Graubünden erwähnte Completer (syn. Malanstraube) ist mit Mähren verbunden. Er sollte der ungarischen Rebsorte Pozsonyi Feher (Nemeth 1967) entsprechen, die 1644 als Puznising im Tirol erwähnt ist (Krämer 2006). Pozsony heißt Pressburger und bezieht sich auf das seit 907 bekannte Bratislava, Hauptstadt Mährens und der Slowakei. Die Schweizer Pfeffertraube / Peverella ist die spätmittelalterliche Pfefferweinbeer aus Tyrol, die als Ahornblättriger Wipacher aus Slowenien (Trummer 1841) beschrieben wurde. Der schwäbische Walmer (Walheimer) korrespondiert mit dem friaulischen Frauler (coll. Gf), der als
Barthainer (Trummer 1841) aus Slowenien und Kroatien dokumentiert ist. Die in der Swiss Romandie gebräuchlichen Namen Savagnin (Traminer, Pinot) und Sauvignon (Grünfränkisch, Riesling von Würzburg) sind über Franken direkt mit mährischen Zierfandlern verknüpft. Die westalpische Gruppe der mittelalterlichen Fromenteaux umfasste den Traminer und verwandte Sorten wie Chenin, Marsanne, Roussane, Folle Blanche und Burgundersorten. Marsanne entspricht dem österreichischen Weissen Beerheller (Babo&Metzger 1836). Der slowenische Beerheller Wälschrießling oder Gelber Zierfahnler (Trummer 1841) kann als Roussane identifiziert werden. Er stammte aus St. Georgen, Nordungarn, berühmt für süße Ausbruchweine. Chenin blanc wurde von Kerner (1803-1815) als Blanc de Franconie dargestellt. Der dem Chenin ähnliche und direkt verwandte Balzac blanc (Galet 1990) wurde vor 11
Jahren als Hartig 373 (coll. Gf) in Sachsen-Anhalt aufgesammelt. In Franken, Schwaben und Sachsen hieß der Weiße Traminer Furmentin. Der Name geht auf Frumentum zurück, die rumänische Bezeichnung für Getreide. Sie war Ausdruck für strohgelbe Likörweine. Sein Walliser Name Haida / Paen bezieht sich auf die Heiden (franz. païen), ein Begriff der im Frühmittelalter für die Slawen östlich von Elbe und Saale gebräuchlich war. Die Bezeichnung Frumentum ist ursprünglich mit den berühmten Dessertweinen des Tokay und mit der Rebsorte Furmint verknüpft, der ein wichtiger Stammelter für viele pannonische Sorten war. Am östlichen Alpenrand spielte er mit Heunisch, Österreichisch Weißen und diversen Mehl Weißen, Silber Weißen, Schmutzig Weißen, Grünlingen, Blanken, Braunen und Groben eine große Rolle. Die Kreuzung Furmint x Österreichische Weiße stimmt an 29 von 31 untersuchten Mikrosatelliten mit Heunisch überein. Man muss nur die längst veröffentlichten Rohdaten von Sefc et al. (1998) und Regner et al. (1998) aneinander anpassen und vergleichen, was bisher versäumt wurde. Der fränkische Silvaner (Traminer x Österreichisch Weiße) und der Weiße Heunisch (Furmint x Österreichisch Weiße) sind also Stiefgeschwister. Es drängt sich der Schluss auf, dass auch die meisten Kinder des Heunisch mit dem mährischen Traminer oder dem slawonischen Pinot nicht im großfränkischen, später britisch besetzten Frankreich, sondern in slawischen Weingärten entstanden sind. Mit den auf der Donau verschifften Edelreisbündeln wurden ganze Mischsätze mit Sortenfamilien nach Westen exportiert. Mittelalterliche Gruppennamen wie Fromenteaux, Pinoz, Gaamez und Tréceaux sind im Plural gehalten und haben Komplexe ähnlicher, oft miteinander verwandter und im Mischsatz angebauter Sorten bezeichnet. Der elsässische Gruppenname Ruesselinge (seit 1348) war für die blauen und schwarzen Rieslinge ebenso wie für rote, gelbe, grüne und weiße Rieslinge gebräuchlich. Neben dem Kleinen oder Rüdesheimer Riesling (Rheinriesling) gab es den Grobriesling (Räuschling), Gros Riesling (Orleans), Moselriesling (Auxerrois), Breisgauriesling (Knipperlé und Silvaner), Frankenriesling (Silvaner, Grüner Veltliner), Würzburger Riesling (Sauvignon), Gelben Riesling (Alanttermö), Budai Riesling (Apro Feher), Welschriesling
(Riesling Italico), Beerheller Wälschriesling (Roussane) und den Wolligen Wälschrießling (Babo&Metzger 1836). Letzterer wird in Österreich als Silberweiß (coll. Leth) erhalten und ist als
Gyöngyfeher (Nemeth 1970) aus Ungarn beschrieben. Die Bezeichnung Roter Riesling war für Traminer und den roten Mährer (Hans) gebräuchlich. Die rote Klonvariante des Rheinrieslings spielte keine Rolle. Wie bei Silvaner und Traminer führen auch die Spuren der Rieslinge nach Mähren und Westungarn. Aus dem 13. Jahrhundert ist die Weinlage Ritzling aus der Wachau belegt. Rizling ist die ungarische Schreibweise für Riesling, Rizs das ungarische Wort für Reis, dessen frühmittelalterliche Verbreitung in Europa auf die Mauren zurückgeht. Die vielfältigen Bezüge zu Mähren legen nahe, dass sich die österreichisch-mährische Sortengruppe der Veltliner nicht auf das italienische Veltlin, sondern auf die
mittelalterliche Weinstadt Valtice im tschechischen Teil von Mähren bezieht. Seit 1391 gehörte die Region zum Besitz des Fürstenhauses Liechtenstein, das seine Stammburg bei Wien und große Besitzungen in Böhmen, Mähren und in der Steiermark, z.B. im Wildbachtal hatte. Die mit den Wenden verbundenen mährisch-slowenischen Zierfahndler und andere mittelalterliche Sortenkomplexe sind bis heute in ganz Europa anzutreffen. Der Name des in der Oberrheinebene, im Jura und in Lothringen verbreiteten Dameron (Galet 1990) geht wie die pommerische Ortsbezeichnung Damerow auf das slawische Wort für Eiche zurück. Nicht zufällig zeichnet sich die Sorte durch grobe Blattzähne aus. Im Oppenheimer Sortiment hieß sie Kölner, in Ungarn bis heute Korai Olasz (Nemeth 1970). Furmint (Mosler, Gouais de Hongrie) und die verwandte Köver Szölö (Weißer Zapfner, Grasa de Cotnari) werden in Ungarn, Rumänien, Moldawien und in der Ukraine angebaut. Die in den Süßweinen von Cotnari ebenfalls verwendete Francuse entspricht der österreichischen Fischtraube, die jüngst in der
Schweiz wiederentdeckt und im Sortiment in Siebeldingen erhalten wurde. Die heute in Rüdesheim wieder angebaute Lamberttraube ist mit der rumänisch-ungarischen Sorte Mustos Feher / Mustafer identisch. Die nur in der Schweiz überlebende, aus Heidelberg beschriebene Lamberttraube (Babo&Metzger 1836) ist die Weisse Kadarka (coll. Leth) aus Ungarn. Die Synonyme des mit Furmint verwandten slowenischen Wipacher aus dem Wipach-Tal sprechen Bände. Als Plantscher und Blanchier ist er in der Nordschweiz und im Wallis nachgewiesen, als Bourgogne blanc im Burgund und als Bordeaux blanc in Südwest-Frankreich (Frei et al. 2006). Er sollte der bulgarischen Sorte Cerkovsko Zlto (coll. Gf) entsprechen. Der einst aus Frankreich importierte Blaue Neri (Babo&Metzger 1836) entspricht der Kroatischen Sorte Blatina (coll. Gf), die mit Primitivo das Synonym Tribidragh teilt. Der Alessandrinische Barzabino (alias Marzemino) hat als Blauer Alexandriner in der Schweiz Fuß gefasst (Frei et al. 2007). Ohne Zweifel ist Marzemino mit dem Schwarzen Kleinungar (Trummer 1841) vom Balaton und den Ofner-Bergen identisch. Zum Ende der Völkerwanderungszeit im 5. und 6. Jahrhundert wanderten slawische Wenden in die zuvor von Germanischen Stämmen geräumten Gebiete der nördlichen Donau (Slowakei, Mähren), Niederösterreichs und ins südwestliche Pannonien ein. Sie kamen aus Gebieten nördlich der Karpaten und des Schwarzen Meers. Bis heute kann man erstaunliche Bezüge zur nördlichen Schwarzmeerregion und zum Kaukaus feststellen. Der fränkisch-mährische Gruppenname Silvaner / Zierfahndler (gesprochen Schirfan-dler) leitet sich direkt von der armenisch-aserischen Weinregion Schirvan ab, von wo die blaue Rebsorte „Schirwan-schach“ (Goethe 1887) überliefert ist. Der Name bedeutet Schah (persischer König) von Schirvan und findet sich in den Sortennamen Zinfandel und Zierfandler ebenso wie im Silvaner, in dem österreichischen Synonym Tschafahnler, dem schlesisch-sorbischen Synonym Scharwana, und dem bereits Mitte des 13. Jahrhunderts im Elsass erwähnten Schawernac (Barth 1958) wieder. Schafernac-Weine sind 1283 von Venezianern verschifft worden (Krämer 2006). Die dalmatinische Sorte Plavac Mali, ein Abkömmling des Zinfandel, wurde in Slowenien als Blauer Milcher (Trummer 1855) beschrieben. Sie war als Kefesia auf der Krim verbreitet, dort wohl zusammen mit der völlig anders aussehenden ukrainischen Kefessia (Negroul 1972). Das Sortenlabel Zierfahndler / Silvaner bezieht sich nicht auf Silva oder Sauvage (vgl. Le Comte Odart 1854), sondern auf die seit der Antike berühmte weinregion Schirvan. Damit dürfte die Mär einer Abstammung von mitteleuropäischen Wildreben endgültig widerlegt worden sein. Der Rückschluss von bestenfalls 200-jährigen Wildrebensämlingen aus Ketsch auf über 1000-jährige Sorten war ohnehin nie zulässig. Genetische Ähnlichkeiten von rheinischen Wildreben mit Traminer weisen schlicht auf ornitochore Ansamungen und sekundäre Introgressionen von Pollen-Genen aus Kulturrebenbeständen hin.
Wenn sich ein ganzer mährisch-ungarischer Sortenkomplex auf die nordkaukasische Region Schirvan bezieht, muss man vermuten, dass die für ihren entwickelten Wein- und Ackerbau bekannten Wenden alte Stammsorten aus dem nördlichen Schwarzmeerraum eingeführt und in den neuen Wendischen Siedlungsgebieten heimisch gemacht haben. Somit würde es nicht verwundern, wenn selbst der mährischfränkische Traminer ein früher Kaukasusimport aus Armenien (altpersisch Arminia) gewesen ist. Zumindest könnte sein Synonym Drei Männer von De Armenia abgeleitet sein. Direkte Bezüge in den Kaukasus sind während des Mittelalters angezeigt. Die Walliser Sasteigne alias Robin noir (Mas&Pulliat 1874-1879) sieht Sateni Tcherny (Negroul 1972) aus Armenien verblüffend ähnlich. Die Welsche Rouge des Hombes (coll. Pully) sollte mit Serexia tcheurnaia (Negroul 1972) aus der Ukraine übereinstimmen.
Der Blaue Kölner ähnelt ungemein der Sorte Assyl Kara (Schwarzer Adliger) aus Dagestan (Negroul 1972), von dem die Bezeichnung Mohrenkönig abgeleitet sein könnte. Der von Trummer (1841) beschriebene Späte Blaue Blussard mit kahlen 5-lappigen Blättern stammte jedenfalls ursprünglich aus Tiflis, Georgien. Der Name wird für gewöhnlich mit Poulsard noir oder mit dem im Blatt sehr ähnlichen Peloursin verbunden, beide Sorten sind aus der Schweiz und dem Jura bekannt. Eine von 4 am Geilweilerhof konservierten Seidentrauben ist die aserische Kirovabadsky Stolovy (Negroul 1972), besser bekannt als Schiradzouli (Mas&Pulliat 1874-1879). Sicher stimmt die italienische Ansonica mit der steirischen Blauen Risaga (Trummer 1841) überein, welche ein direkter Import von der Krim war. Die "autochthone“ toskanische Rebsorte Barsaglina nera (Calo et al. 2006) hat frappierende Ähnlichkeit mit
der armenischen Rebsorte Cakhete (Negroul 1972). Genua unterhielt im Mittelalter einen Handelshafen auf der Krim. Das aktuelle Verbreitungsmuster von Ansonica stimmt mit den mediterranen Handelsposten überein. Dies sollte auch erklären, warum die Eltern des toskanischen Sangiovese nicht in Italien gefunden wurden (Vecchi Staraz et al. 2007). Die Sorte ist als Soic (Mirosevic 2003) aus Kroatien abgebildet und wird noch in Rumänien angebaut (Jelaska 1956). Der kroatische Name könnte sich auf Soci an der kaukasischen Adria beziehen. Die italienische Stammsorte Garganega bianca (Calo et al. 2006) sieht der ungarischen Kiralyszölö (Nemeth 1970) ähnlich, die in Rumänien Lampor feher heißt. Gargan / Gorgan
liegt in Nordpersien am Kaspischen Meer. Dann könnte sich die mit Garganega verwandte Sorte Albana (Vecchi Staraz et al. 2007) auf das antike kaukasische Königreich Albania am Kaspischen Meer beziehen. Albana im Italienischen bedeutet Albanerin und nicht albanus, wie es die Italiener gerne sehen (vgl. Calo et al. 2006). Ob die Typen-Ähnlichkeit mit der armenischen Sorte Garandmak (Negroul 1972) Zufall sein kann? Von Albana wurden 20 Typen beschrieben (vgl. Calo et al. 2006). Sicher kein Zufall ist, dass Trebbiano Toscano das französiche Synonym Armenian trägt. Schlussfolgernd könnte Shiraz (syn. Sirac) und ihre Eltern Dureza und Mondeuse blanche nicht aus Südpersien, sondern aus der Region Schirak in
Armenien stammen. Mondeuse Blanche (Galet 1990) jedenfalls besitzt viel Ähnlichkeit mit Bahian Chirei (Negroul 1972) aus Azerbaijan. Ihr französisches Synonym Don-jin könnte Don-Geist heißen. Dureza (Mas&Pulliat 1874-1879) war keineswegs auf die Ardèche beschränkt, sondern als Hitzkirchner in der Nordschweiz und als Blauer Gamet (Trummer 1855) bzw. Blauer Melon (Kreuzer et al. 2001) in Slowenien verbreitet. Wenn pannonische Sorten wie Morava (Mährer), Moravita (Möhrchen) und Colonia (Kölner) vor 200 Jahren in Spanien etabliert waren und sich die süditalienischen Sorten Porcinale und Porcina vom ungarischen Begriff Porzin (= Aschgraue) ableiten, erklärt sich, warum bisher so wenige Muttersorten in
Frankreich oder in Italien gefunden wurden. Neue Sorten zu züchten war bereits im Frühen Mittelalter völlig unnötig. Seit der Gründung der von Mähren bis nach Dalmatien reichenden Awarenmark (um 800) konnte man problemlos frostgeprüfte Sorten aus den berühmten Weingegenden Pannoniens nach Mitteleuropa importieren. Dass man dabei ganze Mischsätze und spätantike Abstammungsgruppen importierte, stellte sich später heraus. Wie groß der großfränkische Einfluss in Mähren und Ungarn war, zeigt sich an den tschechisch-mährischen und ungarisch-slowenischen Königstrauben (Kiraly szölö und Kiralyszölö sarga), deren slawischer Wortstamm Kral sich direkt auf den Vornamen Karls des Großen bezieht. Ihre rumänischen Synonyme “Lampartner” und “Lampor” leiten sich von Imperator ab (Goethe 1887), womit ebenfalls der Frankenkaiser gemeint gewesen sein dürfte. Die einst römische Stadt Sirmium hieß unter großfränkischem Einfluss Francochiorion. Selbst unter byzantinischer Verwaltung (seit dem 10. Jahrhundert) erhielt sich der fränkische Name bis ins 13. Jahrhundert. Die frühmittelalterlichen Bezüge der altfränkischen Sorten nach Großmähren und Slowenien sowie der hochmittelalterlich Hunnischen und Römischen Sorten nach Großungarn und Rumänien sind offensichtlich. Die im Hochmittelalter übliche Einteilung in Hunnische und Fränkische Sorten könnte sich somit direkt auf regionale Sortenherkünfte beziehen. Die noblen Fränkischen Sorten kamen aus dem Gebiet der Fränkischen Awarenmark und Ottonischen Ostmark (Mähren, Slowenien, Slawonien), die Hunnischen Sorten aus dem östlich angrenzenden, von Hunnen und „Barbaren“ (Awaren, Magyaren) eroberten Ungarn und Rumänien. Es gibt keinen plausiblen Grund anzunehmen, dass Traminer und direkt verwandte Sorten in den Westalpen entstanden seien. Nach Völkerwanderung und Justinianischer Pest lebten Ende des 6. Jahrhunderts etwa 600.000 Menschen in Westdeutschland. Die fränkischen Kernsorten müssen bereits in Großmähren und Slawonien vorhanden gewesen sein, bevor Karl der Große mit Feuer und Schwert die Awarenmark begründete. Er ließ Tausende von Reben über die Donau nach Franken importieren. Mehrfach kamen Direktimporte aus Mähren, Österreich und Großungarn hinzu (Hausen&Thiele 1798, Barth 1958, Krämer 2006). Die unter subkontinentalem Klima frostgeprüften, mährisch-fränkischen Sorten verbreiteten sich in den zonal angrenzenden temperierten Gebieten Frankens über Schwaben bis an den Bodensee und ins Rheintal. Über die Kette der Benediktiner-Klöster am Hochrhein haben sie den Weg in die Nordschweiz, ins Französische Jura und an die Loire gefunden. Die zahlreichen, mit dem französischen Anhängsel „Franc“ geschmückten Sorten beziehen sich auf fränkische Herkünfte und nicht auf Frankreich. Waren im Frühmittelalter noch tendenziell früh ausreifende Sorten gefragt, wurden während der 200-jährigen Warmphase des Hochmittelalters im großen Stil später reifende, ertragreiche und säurebetonte Hunnische Sorten aus Ungarn und dem östlichen Balkan importiert, wo deutsche, wallonische und italienische Siedler die vom Mongolensturm entvölkerten Gebiete neu kolonisierten. Schwarze und blaue Heunische, Schlehenblaue, Aschgraue, Mohrschwarze, Negerschwarze, Kohlschwarze, Mährer, Tokayer, Rumäner, Titas (Geisdutten), Barbarische und Primitive sind in Italien, Frankreich und Spanien heimisch geworden. Über die Kreuzritter und Templer kamen auch spät reifende, zumeist frostempfindliche orientalische Sorten wie Damaszener und Cyperntrauben aus den christlichen Stützpunkten Cypern und türkisch Kleinarmenien nach Genua, Marseille und Bordeaux. Die zonalen Ausbreitungswege der slawischen Sorten über Istrien und entlang der italienischen Südalpen passierten die Siedlungen der Walser in den Hochalpentälern. In slowenischen Weingärten angebaute pannonische Sorten wurden von den Siedlungsgebieten der Walser im Tirol nach Graubünden und ins Schweizer Rheintal (Liechtenstein) verfrachtet, ebenso ins Stammland der Walser im Berner Oberland, Wallis und Aosta-Tal. Der Rhone folgend verbreiteten sich die Welschen Sorten auch ins Königreich Hochburgund (Westschweiz, Savoy, Franche-Compté, Basel), das um die Jahrtausendwende mit dem Herzogtum Alemannien (Elsass, Südbaden, Schwaben, Ostschweiz bis Chiavenna) eine Bündniseinheit bildete. Im alemannischen Sprachraum und den frankophonen Randgebieten haben sich mährisch-fränkische und slowenisch-welsche sowie von den Mauren nach Südwesteuropa verbreitete Sorten überkreuzt. Vieles weist darauf hin, dass die Ursprünge dieser Sorten mehrheitlich im slawisch besiedelten Pannonien sowie in Transkaukasien auf dem Gebiet der antiken Königreiche Colchis, Iberia, Armenia und Albania zu suchen sind. Die Zukunft historischer Rebsorten
Die Bedeutung historischer Sorten erschließt sich oft erst, wenn man deren transeuropäische Geschichte rekonstruiert hat. 300 Jahre Kleine Eiszeit und ein dramatischer, durch Pest, Kriege und Hungersnöte verursachter, mehrfach und schlagartig erfolgter Bevölkerungsschwund haben die Erinnerung an die mittelalterlichen Sortenkomplexe komplett aus dem kollektiven Gedächtnis gelöscht. Die Reblauskatastrophe und die ordnungspolitische Einengung des Sortenspektrums im 20. Jahrhundert haben dem vorausgegangenen Jahrhundert der Ampelographen ein abruptes Ende gesetzt. Das Überleben der nun wiedererweckten Sorten wird davon abhängen, wie Anbauregularien und Erhaltungsmaßnahmen zukünftig in Deutschland gestaltet werden. Bisher haben strukturelle Defizite und eine strenge Gesetzgebung zur kontinuierlichen Abnahme von Klonvielfalt und zum Aussterben historisch
bedeutsamer, aber nicht klassifizierter Sorten geführt (Jung 2007c). Für traditionelle und historische Rebsorten gleichermaßen bedarf es neuer, am Ziel der nachhaltigen Erhaltung von autochthon entwickelter Klonvielfalt ausgerichteter, gemeinnütziger, auch stiftungsfinanzierter Konzepte, die das langfristige Überleben kulturell tradierter Rebsorten in einem Mindestmaß an Klonvielfalt garantieren. Herzlich gedankt sei allen Mitstreitern, die bisher zum Erfolg des Projektes beigetragen haben. Die Mikrosatellitenanalysen im Projekt wurden von Dr. Andrea Frei, Wädenswil ausgeführt. Die Erhebung wird mit Mitteln des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) finanziert. Bibliographie
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Die Suche nach alten Sorten !

Alte Weinberge gesucht Sehr geehrte Winzerinnen und Winzer,
beim Weltgipfel für Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio haben Deutschland und viele andere Länder gemeinsam die Agenda 21 verabschiedet. Darin verpflichten sie sich, die genetische Vielfalt unserer Kulturpflanzen zu bewahren. Hierzu zählt auch das reiche kulturelle Erbe an alten traditionellen Rebsorten und seltenen Klonen von Rebsorten. Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Verbraucherschutz (BMELV) hat deshalb ein bundesweites Projekt zur Erfassung rebengenetischer Ressourcen in Deutschland gestartet. Ziel ist die möglichst vollständige Katalogisierung alter Rebbestände it traditionellem Sortenbesatz und historischen Klongemischen. Diese Erhebung soll die Grundlage für die Konzeption und Etablierung nachhaltiger Erhaltungsmaßnahmen bilden. Nachhaltigkeit bedeutet hier, die genetische Basis der früher bei uns heimischen, aber im 20. Jahrhundert vernachlässigten Rebsorten zu sichern. Hierzu benötigen wir Ihre Mithilfe! Alte, über 70 jährige Weingärten enthalten oft noch die von den Großeltern gepflanzten istorischen Sortengemische in beeindruckender Klonvielfalt. Allein an der Badischen Bergstrasse wurden 65 Traditionssorten in alten, wurzelecht gepflanzten Weinbergen achgewiesen. In Franken wurden mehrere ausgestorben geglaubte Rebsorten wiederentdeckt. Es gilt keine Zeit zu verlieren. Die Zahl alter Rebbestände schwindet von Jahr zu Jahr. In uralten, noch wurzelecht bepflanzten Weingärten kann man hoffen, alte Traditionssorten und widerstandsfähige Klone zu finden. Der Klimawandel wird auch den Deutschen Weinbau verändern. Deshalb ist es umso wichtiger, dass unsere seit Jahrhunderten standort- und klimaerprobten Rebsorten in größtmöglichster Klonvielfalt erhalten werden. Bitte unterstützen Sie unser Projekt. Helfen Sie uns, alte Rebsorten zu retten. Was heute nicht gesichert werden kann, wird morgen verloren sein. Melden Sie uns die Existenz wurzelechter, vor 1950 gepflanzter Reben. Rufen Sie uns an oder schreiben Sie uns. Wir bedanken uns im Voraus für Ihre Mitarbeit. ARGE Erfassung rebengenetischer Ressourcen in Deutschland Jung + Fischer GbR
Lerchenweg 7 97299 Zell am Main Fon: 0931 / 304 998 0 Fax: 0931 / 304 998 10 arge@verm.de
Rebsortenbüro Andreas Jung Ingenieurbüro Claus Fischer
Heidengasse 13, D-67363 Lustadt Lerchenweg 7, D-97299 Zell am Main
Fon: 06347 / 700 294 Fon: 0931 / 304 998 0
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Sämtliche Informationen werden auf Wunsch vertraulich behandelt.
Interview mit dem Rebsortenkundler und Biologen Andreas Jung (Wir danken Herrn Jung für die Erlaubnis zum Abdruck des Interviews)
- Sie arbeiten an dem Projekt zur "Erfassung von Rebengenetischen Ressourcen in Deutschland". Was ist das Ziel dieses Projektes? Noch 1875 konnte man in Deutschland aus über 400 traditionellen Rebsorten auswählen. Davon sind heute gerade noch 27 Sorten im Anbau. Letzte Reste dieser einstigen Sortenvielfalt überleben in den 6 deutschen Rebsortimenten. Doch die einstige Klonvielfalt ist auf eine Handvoll Stöcke geschrumpft. Ziel des Projekts ist es deshalb, die genetische Basis dieser früher bei uns heimischen, aber im 20. Jahrhundert vernachlässigten Traditionsrebsorten wieder zu erweitern und über Jahrhunderte entwickelte Klonvielfalt für zukünftige Generationen zu bewahren. Innerhalb eines Zeitraums von drei Jahren sollen bundesweit alte wurzelechte Weinberge mit traditionellen Rebsorten aufgespürt und wissenschaftlich inventarisiert werden. Die erhobenen Daten sollen als Grundlage für die Konzeption und Etablierung nachhaltiger Erhaltungsmaßnahmen dienen. - Wie und wo entdecken Sie die alten Rebbestände bzw. die rebengenetischen Ressourcen? Alte Rebsorten findet man in Deutschland nur noch in alten Weingärten. Am wertvollsten sind solche Weinberge, die vor dem II. Weltkrieg angelegt wurden und noch wurzelecht gepflanzt sind. Diese enthalten zumeist noch die von den Großvätern geschätzten Sorten in ursprünglicher Klonvielfalt. Sie sind letzte Refugien für kulturhistorisch bedeutsame Traditionsrebsorten und eine Schatzkammer für standorterprobte Klonvielfalt. Solche Weinberge gilt es bundesweit zu finden. Wir sind dabei auf die Unterstützung der Medien, der Weinbauverbände und der staatlichen Institutionen angewiesen. Vor allem aber benötigen wir die aktive Mithilfe der Winzer und Weinbergsbesitzer. Je mehr alte Weinberge bei uns gemeldet werden, desto mehr alte Sorten und Klone können gerettet werden. Sofern gewünscht, können persönliche Daten auch geschützt werden. Wichtig ist, dass die Weinberge gefunden und inventarisiert werden. - Bei ihrer quasi archäologischen Arbeit: Welche spannenden Entdeckungen konnten Sie bereits machen? Alte Weinberge sind ein Spiegel der Vergangenheit und Denkmäler des historischen Weinbaus. Allein an der Badischen Bergstrasse haben über 60 alte Rebsorten überlebt, darunter die bereits ausgestorben geglaubten Rebsorten Fütterer und Kleinedel. Vom schwarzen Zinfandel wusste man vorher gar nicht, dass er jemals in Deutschland angebaut wurde. In Württemberg wurden Blauer Jacobin und Blauer Scheuchner entdeckt. In Franken gibt es in alten Silvaner-Anlagen noch eine Reihe bisher verschollener Sorten wie
Adelfränkisch, Kleinweiß, Ahorntraube, Süßschwarz und das Möhrchen. Die nicht klassifizierte Sorte Blauer Elbling ist in den alten Weingärten bei Heidelberg noch die zweithäufigste Rebsorte nach Riesling. Sie wurde jetzt auch am Neckar und in Hessen gefunden. Das sollte zu denken geben. - Bei der Erfassung alter Rebsorten: Welchen Wert haben Ihre Erfahrungen für Winzer und Weinliebhaber? Es gibt starke Indizien, dass der kalifornische Zinfandel(= Primitivo) mit dem elsässischen Schawernac des 13. Jahrhundert identisch ist. Damals hatten wir eine klimatische Warmphase, die Weinbau sogar in Schottland und an der Ostsee ermöglichte. Danach kamen 300 Jahre Kleine Eiszeit, in der die Sorten gnadenlos auf Frosthärte geprüft wurden. Dies erklärt den hohen Anteil von mährisch- ungarischen Sorten unter den mitteleuropäischen Traditionsrebsorten. Die oft nicht ausreichend frostharten orientalischen und mediterranen Sorten sind einfach erfroren. Angesichts der unvermeidbaren Klimaerwärmung werden spät reifende, säurebetonte Sorten wieder neuen Aufschwung erleben. Niemand will nur Zuckerwasser trinken. Im Gegensatz zu mediterranen Sortenimporten steht für unsere historischen Sorten fest, dass sie seit Jahrhunderten standorterprobt sind. Sie haben die Klimaschwankungen der Vergangenheit erfolgreich überstanden. Jedenfalls sehe ich keinen Grund, süditalienische Klone von Primitivo zu importieren,
wenn man fruchtbare, virusfreie und gesunde Klone vor der Haustür in Heidelberg finden kann. Dieses Projekt soll beitragen, vernachlässigte Traditionssorten in der notwendigen, noch verfügbaren Klonvielfalt zu erhalten. - Was würde Sie sich wünschen im Umgang mit dem Wissen um traditionsreiche Rebsorten? Wir reden hier über Sorten die teils über 1000 Jahre alt sind und bis zur Reblauskrise in ganz Mitteleuropa verbreitet waren. Der gemischte Rebsatz war die Versicherung des Winzers gegen die Unbill des Wetters. Erst mit dem Auftauchen der Reblaus wurden reblausverseuchte Weinbergsflächen im großen Stil gerodet und einheitlich mit Pfropfreben einer einzigen Rebsorte gepflanzt. Die Zahl der angebotenen Rebsorten und Klone wurde dabei auf eine für Züchter und Rebschulen praktikable Größenordnung reduziert.
Seither ist ein Jahrhundert vergangen. Das Wissen um die damaligen Rebsorten ist in der Fachwelt nur noch fragmentarisch vorhanden. Die einstige Bedeutung vieler historischer Sorten wird völlig verkannt. Kleinweiße und Honigler sind in Ungarn hochangesehene Weißweinsorten. Der rote Hans (Roter Mährer)gehörte wie Traminer und Ruländer zur mittelalterlichen Gruppe der Mausgrauen (Gris Rouges). Er war eine geschätzte Rebsorte nicht nur in Franken, Württemberg und im Rheintal, sondern auch im Wallis, in den Karpaten und in Ungarn. Unter trockenkontinentalen Klimabedingungen sind diese Sorten bestens für Süßweine geeignet. Der nun wiederentdeckte Adelfränkisch gehörte wie Sauvignon blanc (= Riesling von Würzburg) in die mittelalterliche Gruppe der Grünfränkischen. Wie Fütterer ähnelt er dem Weissen Traminer und dürfte einfach übersehen worden sein. Die frostresistente Tauberschwarze lässt sich nicht nur im winterkalten Taubertal und in Franken nachweisen, sondern war von Schlesien bis nach Nordungarn und in Slowenien verbreitet. Zinfandel dürfte im Mittelalter eine große Rolle bei der Rotweinproduktion im Rheintal und in Ungarn gespielt haben. Hinter den meisten Synonymen des Spätburgunders verbergen sich eigenständige, im französischen Jura und Süddeutschland aber auch in Mähren und Slowenien verbreitete Sorten. Darunter sind echter Arbst (=Cot), das Möhrchen, die Dickschwarze (=Trousseau), Früher Clävner (=Durif) und Süßschwarz (=Béclan). Diese Qualitätssorten dürften dem Spätburgunder in nichts nachstehen. Das ausgestorben geglaubte Wiener Möhrchen war Hauptbestandteil der berühmten Kallstadter Rotweine. Die Weine der Vergangenheit waren immer lokal variierende Gemische aus mehreren, oft ähnlichen Sorten, die wir heute teils nicht einmal mehr vom Namen her kennen. Ob diese komplexen Weine schlechter schmeckten als die heutigen sortenreinen Weine? - Sehen Sie eine Zukunft für vergessene oder ausgestorbene Rebsorten, vor allem in einer Zeit, in der autochthone Sorten eine Renaissance erleben? Ja unbedingt. Die Sortenvielfalt im 3-Generationen Weinberg war ja die Antwort auf fluktuierende Klimaphasen. Seit 1850 erwärmt sich das Klima stetig und wir nähern uns Bedingungen, wie wir sie im Hochmittelalter schon einmal hatten. Von einer Renaissance historischer Sorten kann jedoch noch keine Rede sein. Wenn heute in Italien eine alte Regionalsorte gefunden wird, ist sie morgen bereits auf dem Markt. In Deutschland wird das Sortenspektrum immer noch künstlich eingeengt. Das liegt am Deutschen
Weinrecht, das vorschreibt, dass nur zertifiziertes Pflanzgut von klassifizierten Qualitätssorten angebaut werden darf. Aber 70 % der Traditionssorten sind ja nie klassifiziert worden. Sie dürfen nur im behördlich genehmigten Anbauversuch unter züchterischer Betreuung angebaut werden. Der Versuchsanbau ist mit Auflagen verbunden und zeitlich befristet. Zu jeder historischen Sorte muss eine Vergleichssorte gepflanzt werden. Für den idealistischen Winzer ist dies mit zusätzlichem Aufwand und unnötigen Mehrkosten verbunden. Der Wein wird mit dem Stempel „Aus Versuchsweinbau“ abklassifiziert. Zweites Problem: für historische Sorten gibt es kein zertifiziertes Zuchtmaterial, denn sie wurden ja nie erhaltungszüchterisch bearbeitet. Alle historischen Sorten werden weinrechtlich wie Neuzüchtungen behandelt. Ein Zulassungsverfahren mit Anbaueignungsprüfung dauert mindestens 15 Jahre, danach müssen hohe jährliche Kontrollgebühren entrichtet werden. Aber im Gegensatz zu Neuzüchtungen kann ein Sortenschutz auf historische Sorten nicht erworben werden. Um Qualitätspflanzgut zu produzieren, müssen behördlich kontrollierte Erhaltungs- und Vermehrungsanlagen aufgebaut werden, die regelmäßig auf Virosen zu testen sind. Da es meist nicht um große Anbauflächen geht, ist der zu erwartende Verdienst des Züchters aus den Pauschalen am Verkauf der Pfropfreben marginal und nicht kostendeckend. Alte Sorten neu aufzubauen ist in Deutschland überreguliert, unwirtschaftlich und mit hohem Zeitaufwand verbunden. Gewonnen hat man am Ende nur, dass die Sorte ohne Auflagen angebaut und ihr Wein vermarktet werden darf. Dies wäre viel einfacher durch einen einfachen Verwaltungsakt umzusetzen. Man muss ja nur die Landeslisten der für den Anbau zugelassenen Sorten um die historischen Sorten ergänzen. Hessen hat es vorgemacht. Dort sind Heunisch, Orleans und andere für die Produktion von Qualitätsweinen bereits zugelassen. Im Wallis werden die alten Landsorten in züchterisch kontrollierten Klongemischen angebaut. Erhaltung der Sorten- und Klonvielfalt durch praktischen Anbau war schon immer das beste Erhaltungskonzept. Wenn man die alten Sorten ohne Auflagen für den Anbau in Deutschland frei geben würde, könnte jeder Winzer zum Erhalt von historischem Kulturgut beitragen, ohne dass es viel kosten würde. Grundlage hierfür aber ist, dass die Sorten- und Klonvielfalt in den noch vorhandenen alten Weinbergen möglichst vollständig erfasst wird. Es ist bereits 5 nach 12. Was jetzt nicht mehr aufgefunden wird, wird morgen für immer verloren sein. Deshalb unsere dringende Bitte: Helfen Sie uns, alte Rebsorten zu retten. Melden Sie uns die Existenz wurzelechter, vor 1950 gepflanzter Reben.
Rufen Sie uns an oder schreiben Sie uns. Besten Dank im Voraus. ARGE Jung + Fischer GbR
Lerchenweg 7, D-97299 Zell am Main
Fon: 0931 / 304 998 0
Fax: 0931 / 304 998 10
arge@verm.de

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