Südtiroler (Laimburger) Klone

Lb 36 und Lb 50, zwei Laimburger Klone der Sorte Weißer Sauvignon

Barbara RAIFER, Josef TERLETH und Ulrich PEDRI, Versuchszentrum Laimburg

Die beiden Klone zeichnen sich durch lockere Traubenstruktur, geringe Anfälligkeit für Fäulnis und ein gutes Zucker-Säure-Verhältnis aus.
Weißer Sauvignon ist in Südtirol noch nicht lange im Anbau. Soweit nachvollziehbar, wurde die Sorte erstmals im Jahre 1938 eingeführt. Obwohl die aus der Sorte gewonnen Weine geschätzt wurden, dehnte sich der Anbeu von Weißem Sauvignon nicht weiter aus. Ausschlaggebend dafür dürfte das eher niedrige Ertragsniveau der Sorte gewesen sein. Von Jahr zu Jahr traten beachtliche Ertragsschwankungen auf. Erst mit der Selektion ertragsstabiler Klone in Frankreich, erlebte die Sorte weltweit neuen Aufschwung. Auch in Südtirol ist in den letzten 20 Jahren eine stetige Zunahme der Anbaufläche zu verzeichnen.

KLONENSUCHE

Die Ergebnisse von Anbauversuchen und von Weinausbauten der französischen Klone an der Laimburg wurden in OBSTBAU*WEINBAU im Jahre 1994 vorgestellt. Die französischen Sauvignon-Klone unterscheiden sich vor allem im Säuregehalt. Bei ähnlichen Zuckergradationen weisen einige Klone regelmäßig höhere Säurewerte auf. Meist ist ein Ausdünnen von trauben erforderlich. Werden nicht zu hohe Erträge geerntet und liegt zur Ernte ein gutes Zucker-Säure-Verhältnis vor, so ist die Weinqualität durchwegs gut. Ein Nachteil der französischen Klone ist, dass sie in vielen Fällen sehr kompakte Trauben aufweisen und in der Folge auch zu etwas höhere Anfälligkeit für Botrytis neigen. Besinders in den ersten Ertragsjahren bereitet dieser Umstand nicht selten Probleme. Hat sich die Wuchskraft mit zunehmendem Alter der Anlage etwas beruhigt, so sind auch die Trauben meist etwas lockerer.

Vor dem Aufkommen der französischen Klone wurde in Südtirol bei Bedarf eine Selektion des vor Ort vorkommenden Materials vermehrt. In Jüngeren und gleichmäßigen Ertragsanlagen wurden durch wiederholte visuelle kranken Stöcke ausgemerkt,alle anderen Stöcke wurden weitervermehrt. Neben der geringeren Anfälligkeit für Botrytis wurde auch die Weinqualität dieser lokalen Selektionen geschätzt, wofür die durchwegs eher niedrigen Erträge mit ausschlaggebend gewesen sein dürften. Um dieses seit längerem im Gebiet verbreitete Rebgut nit zu verlieren, sollten einige Klone ausgelesen werden. Im Jahre 1982 wurde in Anlagen in Terlan und Eppan mit der Auslese visuell gesunder Ausgangsstöcke mit gleichmäßigen, mittelgroßen Trauben begonnen. 1984 wurden 85 Einzelstöcke vermehrt und ausgepflanzt. Sobald die Anlage im Ertrag war, erfolgten erste Bewertungen bezüglich Gesundheitszustand, Regelmäßigkeit im Verhalten der einzelnen Abkömmlinge eines Ausgangsstockes, Ertragshöhe, Größe und Kompaktheit der Trauben. Verschiedene Virustests ließen trotz der visuellen Auslese noch einen beachtlichen Prozentsatz erkrankter Stöcke erkennen (siehe Tabelle). 18 Versuchklone aus der ersten Vermehrung wurden weitervermehrt und auf 3 verschiedene Unterlagen in zwei Lagen, an der Laimburg und in Montan, ausgepflanzt. In diesen Anlagen wurden weinbauliche Erhebungen und weitere Virustests durchgeführt. Aus beiden Lagen wurden mehrmals Trauben für den Ausbau von Weinen der einzelnen Klone geerntet. Im Frühjahr 2003 wurden schließlich die Klone Lb 36 und Lb 50 in das nationale Sortenregister aufgenommen.

DIE NEU ZUGELASSENEN KLONE IM ANBAU

Im Zuckergehalt der beiden Klone treten im Vergleich zum französischen Klon 242 kaum signifikante Abweichungen auf. Es ist aber zu erkennen, dass vor allem Klon Lb 36 in der Tendenz zu etwas niedrigeren Zuckerwerten neigt und zugleich kommen bei diesem Klon auch etwas höhere Erträge vor. Lb 50 hingegen bringt nur mittlere Erträge. Am ehesten unterscheiden sich die beiden Laimburger Klone in der Gesamtsäure vom französischen Standardklon 242. Auffallend ist, dass vor allem in der höher gelegenen Versuchsanlage in Montan die hohe Gesamtsäure der Laimburger Klone noch deutlicher zum Tragen kommt. Dies, obwohl im Jahre 1999 die Laimburger Klone sogar eine Woche später als Klon 242 geerntet wurden, in allen anderen Jahren erfolgte die Ernte zeitgleich. Die verschiedenen Unterlagen übten keinen erkennbaren Einfluss auf das Anbauverhalten der Klone aus. Besonders in Jahren mit größeren Niederschlägen zu Beginn der Reife war bei Klon 242 ein Aufspringen einzelner Beeren zu beobachten, während bei den später reifenden Laimburger Klonen kein Aufspringen vorkam.

ERGEBNISSE DER WEINAUSBAUTEN

Die höhere Gesamtsäure der Moste der beiden Laimburger Kone im Vergleich zum französischen Klon 242 war in den meisten Fällen auch im Wein noch gut erkennbar. Bei leicht niedrigen pH-Werten lag die Säure im Durchschnitt etwa um einen g pro Liter höher. Dabei lagen die Apfel- und die Weinsäuregehalte bei beiden Laimburger Klonen über denen des Vergleichklons. Bei den Weinbewertungen wurden die Laimburger Klone durchwegs als sehr sortentypisch eingestuft. Bei dieser Bewertung scheint die höhere Säure der Lb-Klone eine Rollte zu spielen. 1999 wurden die Laimburger Klone eine Woche nach Klon 242 geerntet, um bei allen Klonen ähnliche Säurewerte zu erhalten. In der Folge wurde die Sortentypizität der Laimburger Klone und des Vergleichsklons ähnlich bewertet.

EMPFEHLUNG FÜR DEN ANBAU

Ersten Rückmeldungen zufolge wird die geringere Fäulnisanfälligkeit sehr positiv bewertet. Die Ergebnisse der Anbauvergleiche lassen den Schluss zu, dass sich die Klone mehr für die eher wärmeren und auch für mittlere Sauvignonlagen eignen. In hohen und schon etwas kühleren Anbauzonen für Sauvignon könnte die spätere Reife, vor allem die hohe Säure, auch zu eher unreifen und grünen Aromen führen. Die Erträge der Laimburger Klone schwanken, zumindest in der Anlage an der Laimburg, stärker als jene von Klon 242. In den Versuchen kam es nie zu extremen Ertragsabfällen und auch aus der Praxis sind von den Laimburger Klonen keine derartigen Fälle bekannt. Es ist aber zu berücksichtigen, dass vor allem Klon Lb 50 im Durchschnitt ein eher niedriges Ertragsniveau hat. Regelmäßig den vollen DOC-Ertrag zu erreichen dürfte bei diesem Klon nicht gelingen. Vor allem in Jahren mit niedrigerem Ertragsniveau ist bei der stark wachsenden Sorte ein erhöhtes Triebwachstum zu beobachten und auch Klon Lb 50 wies in einigen Jahren höhere Schnittholzgewichte auf. Bei übermäßig starkem Wachstum könnte der Ertrag deutlich abfallen. Daher soll Klon Lb 50 nicht in sehr tiefgründigen, nährstoffreichen und feuchten Böden gepflanzt werden. Junge Reben sollten schon bald in Maßen belastet werden, um übermäßiges Triebwachstum zu vermeiden.  Die Vorteile der Klone Lb 50 und Lb 36 liegen in der etwas größeren Robustheit gegenüber Fäulnis und in der stabileren, im Laufe der Reife weniger schnell abfallenden Säure. Die Ernte ist daher nicht so termingebunden. Je nachdem, ob man eher intensive und junge oder reifere Aromen erzielen will, kann die Ernte etwas früher oder später angesetzt werden.

In hohen Sauvignonanlagen könnten die Säurewerte in einzelnen Jahren auch recht hoch ausfallen, daher sind die Klone Lb 36 und Lb 50 vor allem für wärmere und mittlere Lagen zu empfehlen.

 

NACHTRAG: Bei Versuchen in Österreich wird der LB 50 wie folgt beschrieben: Lockerbeerige Trauben mit geringerem Gewicht und etwas früherer Reife. Geringe Neigung zur Traubenfäulnis. Mittlere Stockerträge. Gute Zuckerbildung, trotzdem hohe Mostsäuregehalte. Weine von hoher Qualität und vielseitig duftiger Aromatik.

 

 

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