Chenin blanc

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VIVC2527 CHENIN BLANC Cluster in the field 8950
 
Fotos: Doris Schneider, Julius Kühn-Institut (JKI), Federal Research Centre for Cultivated Plants, Institute for Grapevine Breeding Geilweilerhof - 76833 Siebeldingen, GERMANY

Chenin blanc its nach Pierre Galet seit dem Jahr 845 in der Gegend um Anjou bekannt. Im frühen 15. Jahrhundert kam sie als Plant d’Anjou (franz.: Pflanze von Anjou) in die Touraine. Zusammen mit der Rebsorte Gouais Blanc entstanden durch natürliche Kreuzungen die Rebsorten Balzac Blanc, Meslier-Saint-François und Colombard. DNA-Analysen in Österreich und Frankreich ergaben ebenfalls eine Elternbeziehung zum Sauvignon Blanc. Eine im Jahr 2010 veröffentlichte Studie legt die Abstammung des Chenin Blanc von Sauvignon Blanc x Roter Traminer nah. Dies ist (Stand 2020) noch nicht abschließend geklärt.
Es gibt über 80 Synonyme, die hohes Alter und weite Verbreitung der Sorte bezeugen. Sie darf trotz scheinbar darauf hinweisender Synonyme bzw. morphologischer Ähnlichkeiten nicht mit der Sorte Verdelho verwechselt werden.

Die Triebspitze von Chenin blanc ist offen. Sie ist weißlich hellgrün behaart, mit karminrotem Anflug. Die gelbgrünen jungen Blätter sind leicht wollig behaart und bronzefarben gefleckt (Anthocyanflecken). Die mittelgroßen kräftiggrünen Blätter sind rundlich, fünflappig und mäßig tief gebuchtet. Die Stielbucht ist lyrenförmig offen. In der Nähe der Stielbucht sind die Blattadern rötlich gefärbt. Dies gilt jedoch nicht für alle Klone! Das Blatt ist stumpf gezähnt. Die Zähne sind im Vergleich zu anderen Rebsorten enger gesetzt. Die Blattoberfläche ist blasig und derb. Die kegelförmige Traube ist geschultert, verfügt über eine oder zwei Nebentrauben, ist mittelgroß und dichtbeerig. Die rundlichen bis ovalen Beeren sind mittelgroß und von goldgelber Farbe. Die Schale der Beere ist dünnhäutig, aber sehr knackig.

VIVC2527 CHENIN BLANC Shoot tip 6800
Foto: Doris Schneider, Ursula Brühl, Julius Kühn-Institut (JKI), Federal Research Centre for Cultivated Plants, Institute for Grapevine Breeding Geilweilerhof - 76833 Siebeldingen, GERMANY
 

VIVC2527 CHENIN BLANC Shoot tip 6801
Foto: Doris Schneider, Ursula Brühl, Julius Kühn-Institut (JKI), Federal Research Centre for Cultivated Plants, Institute for Grapevine Breeding Geilweilerhof - 76833 Siebeldingen, GERMANY
 

VIVC2527 CHENIN BLANC Mature leaf 18553
Foto: Ursula Brühl, Julius Kühn-Institut (JKI), Federal Research Centre for Cultivated Plants, Institute for Grapevine Breeding Geilweilerhof - 76833 Siebeldingen, GERMANY
 

Der wuchskräftige Chenin blanc treibt früh aus und reift später – beides Eigenschaften, die sie für das kühlere Loire-Tal prädestinieren, wo die Sorte meist sortenrein ausgebaut wird. Chenin Blanc reift ca. 12 bis 15 Tage nach dem Gutedel. Chenin Blanc ist für Edelfäule anfällig, weshalb sie oft für Süßweine verwendet wird. Die Vielseitigkeit der Rebsorte wird deutlich, wenn man in Betracht zieht, dass aus ihr wegen ihres hohen Säuregehalts einerseits Schaumweine hergestellt werden, sie aber gleichzeitig in anderen Regionen auch als Tafeltraube verkauft wird. Der Chenin treibt früh aus und ist dementsprechend empfindlich gegen Frühjahrsfröste. Ihn zeichnet jedoch bei guter Holzreife eine ausreichend gute Winterfrosthärte aus.
Auch sonst ist es eine weinbaulich schwierige Rebsorte, sie hat aber dennoch eine große Verbreitung. In Südafrika bedeckt sie sogar rund ein Fünftel der dortigen Rebfläche . Sie ist anfällig gegen den Echten Mehltau und den Falschen Mehltau, aber auch wie oben erwähnt gegen die Grauschimmelfäule.
 

Die Weine von Anjou, Coteaux de l’Aubance, Jasnières, Montlouis, Saumur und Vouvray sowie der Schaumwein Crémant de Loire decken die gesamte Bandbreite der Geschmacksrichtungen trocken, halbtrocken sowie süß ab. Die ausgeprägte Säure der Weine prädestiniert sie zur Erzeugung der Schaumweine Crémant de Loire und Vouvray. Außerhalb der Loire ist der Chenin in den Schaumweinen Blanquette de Limoux (Anteil unter 10 %) und Crémant de Limoux (Anteil 20–40 %) enthalten.

Die meisten Weingüter der Loire bauen den Chenin zu 100 % sortenrein aus. In den Herkunftsbezeichnungen Anjou, Saumur und Touraine ist allerdings eine Zugabe von max. 20 % der Rebsorten Chardonnay und/oder Sauvignon Blanc erlaubt. Selbst für den einfachen Anjou Blanc ist ein Ertrag von höchstens 45 hl/ha vorgeschrieben. In anderen Gebieten wie z. B. im Central Valley (Kalifornien) werden drei- bis vierfache Erträge eingefahren. So verwundert es kaum, dass der Chenin-Charakter außer an der Loire oft recht neutral erscheint.

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