125 Jahre Müller-Thurgau

125-Jahre Müller-Thurgau, Bilder und Filme von unserer Trockenbeerenauslese 2006

125 Jahre Müller-Thurgau

– Jubiläumsfeier mit dem Spitzenwein von der Bergstrasse als Krönung -

Der Müller-Thurgau ist nach dem Riesling (21500 ha) die zweitwichtigste deutsche Traubensorte. Weltweit ist er die erfolgreichste Neuzüchtung.

Seine Geschichte begann vor genau 125 Jahren in Geisenheim. Zu verdanken ist er Dr. Hermann Müller aus dem Kanton Thurgau (Schweiz). Er wurde 1876 Leiter der wissenschaftlichen Station der königlichen Lehranstalt für Obst-, Wein- und Gartenbau in Geisenheim. Schwerpunkte seiner Arbeit waren: Pflanzenphysiologie, Gärungsphysiologie, Gründung einer Hefezuchtstation, Pflanzenkrankheiten (u.a. 1882 erste Feststellung von Peronospora in Geisenheim), Rebenzüchtung. 1882 kreuzte er dort die Rebsorten Riesling und Silvaner. 1891 wechselte er nach Wädenswil (Schweiz). Hier begann er 1894 mit der Zucht von Stecklingen, darunter zwei Reben aus der Geisenheimer Kreuzung. Die Vermehrung daraus erfolgte 1897. Ab 1908 gab man Pflanzen an Winzer in der Schweiz und dem Ausland ab. Deutschland führte 1913 die ersten 100 - noch namenslosen - Reben ein: Der fränkische Landesinspektor für Weinbau, August Dem, pflanzte sie versuchsweise an und gab der Sorte als erster den Namen "Müller-Thurgau".

1920 bis 1930 wurden in vielen deutschen Regionen Versuchsweinberge errichtet. Für den Durchbruch im Anbau sorgte ab 1938 H. Scheu, der den Wert der Sorte erkannte und sich um ihre Anerkennung und Verbreitung kümmerte.

Im Laufe der Zeit kamen aber aufgrund des Aussehens immer wieder Zweifel auf, ob es sich tatsächlich um eine Kreuzung mit Silvaner handelte! Selbst der Züchter zweifelte. Wissenschaftler der Deutschen Bundesanstalt für Züchtungsforschung in Siebeldingen unter Federführung der Molekularbiologin Dr. Eva Zyprian konnten endlich 2000 mit neuen gendiagnostischen Methoden die wahre Herkunft bestimmen: Sie fanden im Erbgut die Gene der Sorte „Madeleine Royale“ (=“Königliche Magdalenentraube") als Vater. Diese wiederum stammt von einer Züchtung aus dem Formenkreis des Chasselas (Gutedel) ab. Gekreuzt hatte Müller-Thurgau also 1882 in Wahrheit versehentlich Riesling mit Madeleine Royale!

Durch zu hohe Erträge bekam Müller-Thurgau etwa ab 1980 ein schlechtes Image und zwang die Winzer zum Umdenken. Qualität statt Masse setzte sich durch und ein neuer Name "Rivaner" (=Riesling mal Silvaner) für trockene Müller-Thurgau-Weine wurde geboren. Heute hat man längst erkannt, dass der bei Vollreife sehr aromatische Müller-Thurgau ein großes Weinsprektrum erzeugt, wenn der Winzer die Qualitätserzeugung bevorzugt.

Dennoch ist nicht zuletzt wegen der Klimaänderung, die den Müller-Thurgau in unseren Breiten oft zu früh zur Reife bringt, die Anbaufläche deutlich zurückgegangen. Siehe Diagramm: „Müller-Thurgau Anbauflächen in Hessen seit 1964“, Quelle Weinbauamt Eltville

Anlässlich einer Festveranstaltung am 31.8.2007 in der Forschungsanstalt Geisenheim wurde nun das Jubiläum der nach wie vor bedeutsamen Rebsorte gebührend gefeiert.

Festredner waren Prof. Dr. Klaus Schaller, Direktor der Forschungsanstalt, Udo Corts, Hessischer Minister für Wissenschaft und Kunst, Dipl. Ing. Günther Eymael, MdL, Direktor Prof. Dr. Müller, Wädenswil, Dr. Rudolf Ries, Geisenheim, Dottore Giorgio Nicolini, Istituto Agrario San Michele all’Adige, Prof. Dr. Dieter Hoffmann und Prof. Dr. Ernst Rühl, Geisenheim

Einem gemeinsamen Mittagessen folgte nachmittags eine Weinprobe mit Weinen aus der ganzen Welt.

Unter den Weinen ragte die 2006er Heppenheimer Schlossberg Müller-Thurgau Trockenbeerenauslese von der Bergsträsser Winzer eG hervor. Der Wein war in mehrtägiger Lese von 4 Mitgliedsfamilien mit Mostgewichten bis zu 304 Grad Oechsle gelesen worden. Dies ist das höchste je mit der Sorte erzielte Mostgewicht! Mit einem mittleren Mostgewicht von 228 Grad Oechsle ist er ein einzigartiger und schwerlich jemals wiederholbarer Gedenkwein für diese Rebsorte. Bilder und Filme von seiner Lese und Kelterung sind hier zu finden: Lese

Pressen

Der erste Tropfen

Die Mostgewichtsbestimmung

Ab ins Fass

Der einmalige Wein ist bei der Bergsträsser Winzer eG in Heppenheim erhältlich. Damit stellte die Bergsträsser Winzer eG schon zum zweiten Mal den Spitzenwein bei solch einer Feier! Denn schon vor 25 Jahren beim 100-jährigen Jubiläum kam der Höhepunkt einer akademischen Weingala von der Bergstrasse!

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