Pilztoleranz

 
Bisher sind 3 Resistenzgene gegen die Schwarzfäule der Rebe bekannt. RGB bedeutet  Resistenzen gegen Guignardia bidwellii. RGB 1 und RGB 3 sind auf Chromosom Nr. 14 der Rebe verankert und kommen daher auch oft gemeinsam vor. Während die Züchter daher oft nur die Einstufung "RGB" in den Sortenbeschreibungen vornhamen, haben die Erkenntnisse der jüngsten Zeit zutage gebracht, das die beiden "Subgene" eine unterschiedliche Wikrung haben. RGB 1 hat einen etwa 30% igen Wirkungsgrad gegen Schwarzfäule am Blatt. Dagegen hat RGB 3 einen ca. 80% igen (!) Wirkungsgrad gegen Schwarzfäule an der Traube und ist somit noch wichtiger für den Winzer. Schwarzfäule ist vor allem in Steillagen auf dem Vormarsch, wo wegen vieler Drieschen ein hoher Infektionsdruck herrscht. Da sie bisher mit den gleichen Pflanzenschutzmitteln wie gegen Peronospora quasi gratis bekämpft wird, besteht bei dem generell geringeren Einsatz von Pflanzenschutzmitteln bei Piwis das Risiko, dass Schwarzfäule sich "ungehindert" verbreitet. Daher sollten alle künftigen neuen pilztoleranten Rebsorten auch zugleich die Schwarzfäule-Toleranz in sich tragen.Daher findet derzeit ein regelrechter Wettbewerb unter den Züchtern statt, schnellstens die RGB-Toleranzen "einzubauen".
RGB 2 findet sich auf einem Locus des Chromosoms Nr. 16.
 
 
 
 
Sorten wie Calardis blancFelicia und einige Sorten des RESDUR-Programms enthalten sowohl RGB 1 als auch RGB 3 und sind deshalb besonders interessant und auch als Kreuzungspartner für künftige Sorten beliebt.
 
Schadbilder der Schwarzfäule (C) HGU Geisenheim externer Link   Download als PDF
 
Die REN- und RUN-Gene sind genetische Resistenzen der Weinrebe gegen den Echten Mehltau (Erysiphe necator, auch bekannt als Oidium). Während RUN für Resistance to Uncinula necator (einem früheren wissenschaftlichen Namen des Pilzes) steht, bezieht sich REN auf Resistance to Erysiphe necator. Diese Gene ermöglichen es pilzresistenten Rebsorten (PIWIs), den Erreger des echten Mehltaus (Oidium) abzuwehren.
Das Gen REN 1 stammt ursprünglich von der asiatischen Wildrebe Vitis romanetii.Es ist z.B. in der Sorte Kismish vatkana enthalten. Es ist auf Chromosom 13 der Rebe. Derzeit ist es noch nicht in aktuellen neuen pilztoleranten Sorten enthalten, aber zahlreiche Züchter arbeiten bereits damit.
Die Gene REN 3 und REN 9 kommen in nahezu allen pilztoleranten Rebsorten vor. Der Ursprung liegt auf der amerikanischen Sorte Munson und zwar auf Chromosom Nr. 15. Die weiteste Verbreitung hat es schon vor Jahren über die Rebsorte Regent gefunden. Da viele Folgekreuzungen mit Regent gemacht wurden, sind diese beiden Gene fast überall zu finden. Dies erhöht die Gefahr des Auftretens von Kreuzresistenzen des Schdpilzes bei unterschiedlichen Rebsorten, wenn der Schadpilz mutiert. Daher ist es besonders wichtig, weitere anders wirksame Resistenzgene einzukreuzen.
Dazu zählt derzeit vor allem das Gen RUN 1. Es kommt von Vitis Muscadinia rotundifolia und ist auf Chromosom 12 der Rebe. Seine Wirkung ist sehr stark und übertriift die der beiden mittelstarken Gene REN 3 und REN 9. Daher arbeiten die Rebzüchter derzeit sehr häufig damit. Es ist bereits in den folgenden neuen Rebsorten enthalten:
 
Schadbilder der HGU Geisenheim von Oidium (Externer Link), Download PDF

RPV-Gene (Resistance to Plasmopara viticola) sind genetische Erbanlagen in Reben, die eine Resistenz gegen den Falschen Mehltau (Peronospora) vermitteln. Sie stammen meist aus asiatischen oder amerikanischen Wildreben und werden durch moderne Züchtung in klassische Rebsorten eingekreuzt, um den chemischen Pflanzenschutz im Weinbau zu reduzieren. 

Die Wissenschaft hat mittlerweile über 35 verschiedene RPV-Loci auf den Chromosomen der Rebe identifiziert. Die wichtigsten und am besten erforschten Vertreter sind: 

  • Rpv1: Ursprünglich stammt dieses Gen aus der Wildrebe Vitis vinifera subsp. sylvestris (Art Mukul). Es vermittelt eine mittelstarke Resistenz, wird aber in der Züchtung oft mit anderen Genen kombiniert.
Es ist zum Beispiel in den neueren pilztoleranten Sorten wie Calardis Royal (Gf 2004-043-0010)Calardis Soleil (Gf 2010-011-0048) oder Carillon (Fr 628-2005) enthalten und liegt auf dem Chromosom Nr. 12 der Rebe.
 
  • Rpv3 Gruppe (u.a. Rpv3.1, Rpv3.2, Rpv 3.3.): Dies sind die bisher am weitesten verbreiteten Gene, die aus Nordamerika an der vitis rupestris abstammen und auf dem Chromosom Nr 18 der Rebe liegen. Rpv 3.1 und 3.3. gelten als eher schwach in der Wirkung, Rpv 3.2 gilt als mittelstark und ist z.B. in den neuen Sorten Calardis blanc und Divico (IRAC 2091) enthalten. Es führt nach einer Infektion zu einem schnellen Absterben der befallenen Zellen (Nekrosen), wodurch sich der Pilz nicht weiter ausbreiten kann. Das schwächere Rpv 3.1. ist mit Abstand das häufigst verwendete Gen und in den meisten Sorten vertreten. In Deutschland ist es unter anderem in Regent und dessen vielen Kindern wie z.B. den meisten Blattner-Sorten aus der Schweiz. Da das Gen leider nur eine vergleichsweise schwache Wirkung hat, versuchen die Rebenzüchter weltweit es mit stärkeren Genen zu kombinieren (=Pyramidisierung) der Gene.
     
  • Rpv10: Stammt von der asiatischen Vitis amurensis ab und ist auf Chromosom Nr. 9 verankert. Es ist extrem wirksam und wurde daher von den Züchtern für die derzeit aktuellsten Kreuzungen verwendet. Dazu gehören unter anderem Sorten wie SolarisMuscaris, oder Calardis Soleil (Gf 2010-011-0048).. Es findet sich auch in vielen Sorten des französischen RESDUR-Programms. Das Gen löst eine starke Abwehrreaktion aus, noch bevor der Pilz im Gewebe Fuß fassen kann. 
  • Rpv 10.2:  Es ist ebenfalls auf Chromosom 9 daneben. Es findet sich z.B. in der Sorte Sauvitage.
 
 
  • Rpv12: Ein weiteres starkes Gen aus Vitis amurensis, das häufig in modernen Züchtungen genutzt wird, um Resistenzen zu verbreitern und die der "schwachen" Gene zu verbessern. Es ist auf Chromosom Nr. 14 der Rebe verankert. Es findet sich z.B. in Sauvignac und in zahlreichen Sorten des italienischen Züchters VCR.
Es gibt bisher rund 35 entdeckte Rpv-Gene, die aber bis auf Ausnahmen noch keinen verbreiten Eingang in die Rebenzüchtung gefunden haben. Ein wichtiges Zuchtziel ist die sogenannte Gen-Pyramidisierung

Da der Erreger Plasmopara viticola ein hohes Anpassungspotenzial besitzt, versuchen Züchter ( z. B. am Julius Kühn-Institut oder Agroscope) mehrere Rpv-Gene miteinander zu kombinieren, um die Gefahr zu verringern, dass resistente Krankheitsmutanten die einzelnen Resistenzen überwinden. 

Ausführliche und offizielle Informationen zur Genetik der Reben und aktuellen Züchtungserfolgen finden Sie unter anderem im Rebsorten-Katalog des Julius Kühn-Instituts sowie in den Forschungsberichten der Agroscope Rebenzüchtung.

Schadbilder der Peronospora externer Link zur HGU Geisenheim: Download als PDF

 

Artikel über Resistenzen bei Reben
 
 
https://www.google.com/url?sa=i&source=web&rct=j&url=https://bia.unibz.it/esploro/fulltext/journalArticle/Genetische-Grundlagen-der-Resistenzz%25C3%25BCchtung-bei-Reben/991006590996501241?repId%3D12301857340001241%26mId%3D13302088760001241%26institution%3D39UBZ_INST&ved=2ahUKEwjx2qPQya6VAxW-hv0HHQ_WA6AQqYcPegoIAggACAEIJhAI&opi=89978449&cd&psig=AOvVaw1BDB23bH0IySJn4pBtWOTc&ust=1782895549107000
 
Versuchsergebnisse unserer Vermehrungsanlagen mit pilzwiderstandsfähigen Rebsorten
 
Sorte
enthaltene Resistenzgene
gg. Oidium
Peronospora
 
Blütereihenfolge
Bonitur am 13.6.2021
Bemerkungen
*ohne Gewähr bzw. vorläufig


 
Hinweis: Rpv-Gene: Resistenz gegen Plasmopara viticola   Ren/Run-Gene: Resistenz gegen Erisyphe necator mehr hier: AKTUELL
 
Accent
Ren3
Ren9
 
Accent kl 20210611 184552
Accent kl 20210611 184618
BBCH 55
Färbersorte  
Allegro n.n.  
 Allegro kl 20210611 183747
Allegro kl 20210613 120432
Allegro kl 20210613 120459BBCH 64
   
Aromera n.n.  
Aromera kl 20210611 182756Aromera kl 20210611 182810
BBCH 55
später Austrieb
hoher Magnesiumbedarf
häufig Magnesiummangel
 
Artaban
Rpv1
Rpv3
Run1
Ren3
  Artaban kl 20210612 111718Artaban kl 20210612 111812BBCH 55    
Baron
Rpv3.3
RPV10
 
Baron kl 20210613 121314Baron kl 20210613 121324BBCH 57
Anfällig für Kirschessigfliege  
Blütenmuskateller n.n.  
Blütenmuskateller kl 20210613 112822
Blütenmuskateller kl 20210613 112849BBCH 61
   
Bolero
Ren3
Ren9
 
Bolero kl 20210611 184426Bolero kl 20210611 184447
BBCH 60
   
Cabaret Noir n.n.  
Cabaret noir kl 20210613 122515Cabaret noir kl 20210613 122534Cabaret noir kl 20210613 122554
BBCH 57
   
Cabernet Blanc
Ren3
Ren9
Rpv3.1
 
Cabernet blanc kl 20210611 183519Cabernet blanc kl 20210613 114135Cabernet blanc kl 20210613 114500
BBCH 55
   
Cabernet Cantor
Ren3
Ren9
Rpv3.1
Rpv3.3
Rpv10
  Cabernet Cantor kl 20210611 184723Cabernet Cantor kl 20210611 184734BBCH 57  leider waagerechter Wuchs  
Cabernet Carol
Ren3
Ren9
Rpv10
 
Cabernet Carol 20210615 174151100breit
Cabernet Carol 20210615 174043100breit
BBCH 57
   
Cabernet Cortis
Ren3
Ren9
Rpv3.3
Rpv10
 
Cabernet Cortis kl 20210611 184816Cabernet Cortis kl 20210611 184910Cabernet Cortis kl 20210611 184926
BBCH 57
   
Cabernet Jura n.n.  
Cabernet Jura kl 20210612 120158
BBCH 55
   
Cabernet Volos n.n.  
Cabernet Volos kl 20210612 113025
BBCH 55
   
Cabertin
Ren3
Ren9
Rpv3.1
 
Cabertin kl 20210613 122137
BBCH 55
   
Calandro
Ren3
Ren9
Rpv3.1
 
Calandro 20210615 174659100breit
Calandro 20210615 174724100breit
BBCH 60
   
Calardis Blanc
Ren3
Ren9
Rpv3.1
Rpv3.2
 
 
Calardis blanc kl 20210611 185151Calardis blanc kl 20210611 185209Calardis blanc kl 20210611 185223Calardis blanc kl 20210612 123343Calardis blanc kl 20210612 123417Calardis blanc kl 20210612 123439
BBCH 67
frühe Blüte
sofort nach Solaris
 
Calardis Musque n.n.  
Calardis Musque kl 20210612 123748
BBCH 57
   
Divico n.n.  
Divico kl 20210611 184517Divico kl 20210611 184529
BBCH 57
 lockere Traube
eher kleinere Beeren
Qualitätstyp
 
Donauriesling n.n.  
Donauriesling kl 20210612 114301Donauriesling kl 20210612 114324
BBCH 57
 große Trauben  
Donauveltliner n.n.  
Donauveltliner kl 20210612 115440Donauveltliner kl 20210612 115512
   
Felicia
Ren3
Ren9
Rpv3.1
Rpv3.3
 
Felicia 20210615 174338100breit
Felicia 20210615 174637100breit
BBCH 61
   
Fleurtai n.n.  
Fleurtai kl 20210613 112022Fleurtai kl 20210613 112117
BBCH 55
   
Floreal  
Rpv1
Rpv3
Run1
Ren3
 
Floreal kl 20210613 111902Floreal kl 20210613 111923
BBCH 55
   
Fr 628-2005    
Fr 628 2005 kl 20210612 113659Fr 628 2005 kl 20210612 113757
BBCH 55
   
Fr 632-2002    
Fr 632 2002 kl 20210611 182359Fr 632 2002 kl 20210611 182423
BBCH 55
   
Gm 8107-3  n.n.  
Gm 8107 3 kl 20210611 184959Gm 8107 3 kl 20210611 185030
BBCH 57
   
Gm 9224-2  n.n.  
Gm 9224 2 kl 20210611 185544Gm 9224 2 kl 20210611 185607
BBCH 55
   
Gm 9620-5  n.n.  
Gm 9620 5 kl 20210611 185500Gm 9620 5 kl 20210611 185511
BBCH 57
   
Helios
 Ren3
Ren9
Rpv3.1
 
Helios kl 20210611 185253Helios kl 20210611 185308
BBCH 55
 später Austrieb  
Hibernal
 Ren3
Ren9
 
Hibernal 20210615 175111100breit
Hibernal 20210615 175133100breit
BBCH 57
   
Johanniter
Ren3
Ren9
Rpv3.1
 
Johanniter kl 20210611 185347Johanniter kl 20210611 185408
BBCH 55
aufrechter Wuchs,
kompakte Traube
Säure niedrig an
"zu guten" Standorten
 
Laurot  n.n.  
Laurot kl 20210612 111050Laurot kl 20210612 111116
BBCH 57
 riesige verzweigte Gescheine!  
Malverina n.n.  
Malverina kl 20210612 114912Malverina kl 20210612 114951
BBCH 55
   
Merlot Kanthus  n.n.  
Merlot Kanthus kl 20210612 123019Merlot Kanthus kl 20210612 123059
BBCH 55
   
Merlot Khorus  n.n.  
Merlot Khorus kl 20210612 112213Merlot Khorus kl 20210612 112457 04
BBCH 57
   
Monarch
 Ren3
Ren9
Rpv3.3
Rpv10
 
Monarch kl 20210611 184646Monarch kl 20210611 184700
BBCH 57
Dornfelderähnlich in 
allen Eigenschaften
 
Muscaris
Ren3
Ren9
Rpv10
 
Muscaris kl 20210611 182700Muscaris kl 20210611 182720
BBCH 57
 extrem wuchskräftig,
starke Stammtriebbildung,
Blattreblaus kommt öfter vor
 
Nativa  n.n.  
Nativa kl 20210612 115722Nativa kl 20210612 115757Nativa kl 20210612 115821
BBCH 57
   
Phoenix
Ren3
Ren9
Rpv3.1
  Phoenix 20210615 175431100breit    
Pinotin
 Ren3
Ren9
Rpv3.1
 
Pinotin kl 20210613 122702Pinotin kl 20210613 122707Pinotin kl 20210613 122729
BBCH 57
 hohe Anfälligkeit für Kirschessigfliege  
Pinot Nova n.n.  
Pinot Nova kl 20210612 121026Pinot Nova kl 20210612 121415
BBCH 55
   
Piroso  Rpv3.1  
Piroso 20210615 173949100breit
Piroso 20210615 174018100breit
BBCH 62
Färbersorte  
Prior
 Ren3
Ren9
Rpv3.1
Rpv3.3
 
Prior kl 20210613 121851Prior kl 20210613 121908
BBCH 61
   
Reberger
 Ren3
Ren9
 
Reberger 20210615 174834100breit
Reberger 20210615 174918100breit
BBCH 57
   
Regent
 Ren3
Ren9
Rpv3.1
 
Regent 20210615 175331100breit
Regent 20210615 175349100breit
BBCH 60
   
Rinot  n.n.  
Rinot kl 20210612 114427Rinot kl 20210612 114501
BBCH 55
   
Rondo RPV10  
Rondo 20210615 175211100breit
Rondo 20210615 175255100breit
BBCH 66
 hohe Anfälligkeit
für Kirschessigfliege
 
Saphira
 Ren3
Ren9
Rpv3.3.
 
Saphira kl 20210611 185123
BBCH 57
   
Satin Noir n.n.  
Satin noir kl 20210613 122337Satin noir kl 20210613 122347Satin noir kl 20210613 122403
BBCH 55
   
Sauvignac
Ren3
Ren9
Rpv3.1
Rpv12
 
Sauvignac kl 20210611 183409Sauvignac kl 20210611 183440
BBCH 55
 Sauvignon-Typ  
Sauvignon Kretos  n.n.  
Sauvignon Kretos kl 20210613 111600Sauvignon Kretos kl 20210613 111654Sauvignon Kretos kl 20210613 111703
BBCH 57
   
Sauvignon Rytos n.n.  
Sauvignon Rytos kl 20210613 112702Sauvignon Rytos kl 20210613 112719
BBCH 55
   
Sauvitage n.n.  
Sauvitage kl 20210611 183905Sauvitage kl 20210613 113139Sauvitage kl 20210613 113452
BBCH 55
Sauvignon-Typ
aufrechter Wuchs
Beeren eher klein-mittel
 
Savilon n.n.  
Savilon kl 20210612 114639
BBCH 54
   
Solaris
 Ren3
Ren9
Rpv3.3.
Rpv10
  Solaris kl 20210611 182240Solaris kl 20210613 120046Solaris kl 20210613 120105BBCH 66  extrem früh  
Soreli n.n.   Soreli kl 20210612 123938Soreli kl 20210612 123955BBCH 63
 leider sehr
waagerechter Wuchs!
 
Ren3
Ren9
Rpv3.2
 
Souvignier gris kl 20210611 182506Souvignier gris kl 20210611 182530
BBCH 57
Der "Grauburgunder der Zukunft"
extrem langes Erntefenster
lockerbeerig, feste Beerenhaut
feste Stiele
Eisweingeeignet
 
Vesna n.n.  
Vesna kl 20210612 115153Vesna kl 20210612 115218
BBCH 55
   
Vidoc
Rpv1
Rpv3
Run1
Ren3
 
Vidoc 20210617 164256
BBCH 55
   
Villaris
 Ren3
Ren9
Rpv3.1.
Rpv3.3.
 
Villaris 20210615 174746100breit
Villaris 20210615 174815100breit
BBCH 60
   
RPV1 RPV3
Run1
Ren3
 
Voltis kl 20210613 112323Voltis kl 20210613 112358
BBCH 55
   
We 94-26-37 n.n.  
We 24 96 37 kl 20210612 120559We 24 96 37 kl 20210612 120652
BBCH 55
 Dornfeldertypus  
           
         
 
 
           

Pilzwiderstandsfähige Rebsorten (Piwis) erfahren derzeit ein gesteigertes Interesse: Forschungen werden intensiviert, Vereinigungen zu diesem Thema gegründet und Pfropfreben mancher Sorten sind in Deutschland auf 3 Jahre hin ausverkauft. Gleichzeitig will die Zusammensetzung des Rebsortenportfolios innerhalb eines Betriebs gut über legt sein.

Arno Becker vom DLR Rheinhessen-Nahe-Hunsrück möchte mit der Erstellung einer „Piwi-Pedia“ Hilfestellung geben.

Ziel dieses Beitrags ist es, vorhandenes Wissen zusammenzuführen, fortzuschreiben und einen möglichst umfassenden Überblick zu vermitteln. Schließlich werden immer wieder Erkenntnisse über Versuchsserien veröffentlicht, die zwar Teile des Themas darstellen, aber es naturgemäß nicht in der Gesamtheit abbilden können.

Zudem hat der Komplex pilzwiderstandsfähige Rebsorten eine hohe Dynamik, so dass es der Fachliteratur oft schwerfällt, Schritt zu halten. Bei Züchterangaben werden zudem überwiegend die positiven Attribute in den Vordergrund gestellt.

Quelle: PIWI-International und Das deutsche Weinmagazin 14.1.2023  1/2  bis 4

Teil 1 von A – C

Teil 2 von  D – P

Teil 3 von  R – Z

 
 
 
Artikel über Resistenzen bei Reben
 
Was sind interspezifische Sorten (=PIWIs) ?

Unter interspezifischen Sorten versteht man pilzwiderstandsfähige Rebsorten.

Der Ursprung der der Züchtung von pilzwiderstandsfähigen Rebsorten liegt im Ende des 18. Jahrhunderts. Nach der Einschleppung der Reblaus und der Peronospora aus Amerika kreuzte man reblaustolerante und peronosporafeste Reben aus Amerika mit europäischen Vinifera-Arten. Die so entstandenen Hybriden pflanzte man zunächst als Direktträger (Unveredelte Reben auf eigener Wurzel). Diese waren i.d.R. zwar frostfest, ertragreich und weitgehend krankheitsresistent, doch deren Weine waren ziemlich ungenießbar wegen eines großen Fremdgeschmacks. Deswegen wurden sie überall abgelehnt und sogar verboten.

Viele Jahre lang kreuzten die Rebenzüchter weiter mit sogenannten Rückkreuzungen mit den europäischen Sorten. So gelang es inzwischen die Weinqualität auf die der europäischen Sorten anzuheben, ohne das die Resistenzeigenschaften verloren wurden.

Züchtungsziel sind verschiedene Resistenzen, die möglichst in einer Sorte vereint werden sollten: Insbesondere Oidium, Peronospora und Botrytis and Stiel und Beeren standen im Vordergrund. Darüber hinaus auch Resistenzen gegen Reblaus und virusüberrtragende Nematoden. Für Länder mit mehr kontinentalem Klima steht auch noch die Erhöhung der Winterfrostfestigkeit im Vordergrund.

Mit der Reduzierung des Pflanzenschutzmittelaufwands wird auch ein wichtiges Ziel des modernen Umweltschutzes verwirklicht.

Inzwischen sind auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Zulassung dieser Rebsorten für die Weinbereitung geschaffen: Da das Erbgut in den vielen mittlerweile entstandenen Kreuzungen kaum noch amerikanische Ursprünge hat (lediglich die Resistenzeigenschaften) können solche Sorten in den Ländern der EU als dem Formenkreis der Europäerrebe zugehörig klassifiziert werden. Damit dürfen diese Sorten für den Anbau zugelassen werden und anschließend als Qualitätswein vermarktet werden.

Vorteile für den ökologisch orientierten Weinbau:

  • Reduktion der Fungizidbehandlungen
  • Reduktion der Mittel-, Maschinen und Arbeitskosten bei der Ausbringung.
  • Entlastung der Umwelt (bei Herstellung, Lagerung und Ausbringung der Mittel
  • Energieeinsparung bei Herstellung, Transport und Ausbringung der Mittel
  • Verbesserung der CO²-Bilanz
  • Vereinfachung der beschwerlichen Arbeiten insbesondere im Steilhang. Dadurch Beitrag zum Erhalt der landschaftsprägenden Steillagen
  • Weniger termingebundene Laubarbeiten
  • Bodenschonung, da weniger Durchfahrten mit den Weinbaumaschinen erforderlich sind, weniger Fahrspuren und dadurch Verringerung der Erosionsgefahren
  • Schonung von Nützlingen durch die Reduktion des Mittelaufwands schädigender Fungizide
Akzeptanz pilztoleranter Sorten?

Für den Winzer kann vor allem die Kosteneinsparung bei gleichbleibender Weinqualität angeführt werden. Auch bei seinen Verkaufsargumenten kommen die Aspekte der naturnahen Produktion und der Erhalt der Kulturlandschaft gut an.

Zuletzt aber entscheidet der wirtschaftliche Erfolg einer neuen Rebsorte über ihren Wert. Diese wird aber maßgeblich von der Verbraucherakzeptanz beeinflusst.

Das Schlüsselproblem bei der Vermarktung der neuen Sorten ist meist der noch unbekannte Namen der Sorte, was den Aufklärungsbedarf der Sorten dem Verbraucher gegenüber erheblich erhöht, um dessen Skepsis zu überwinden.

Der Verbraucher wird oft durch neue Namen, Sorten und Weine verunsichert. Oft stellt er die Frage, warum der Winzer noch nicht seinen ganzen Rebbestand auf solche Sorten umgestellt hat. Die öffentliche Diskussion über das Spritzen der Weinberge wirkt hier eher negativ und schadet allen Weinerzeugern. Polemik ist hier fehl am Platze und Fingerspitzengefühl gefragt.

Hinderlich ist bei der Diskussion auch, dass die Sorten nicht 100%ig resistent sind, sondern „nur“ pilztolerant, also trotzdem noch eine (reduzierte) Anzahl von Pflanzenschutzmaßnahmen erforderlich ist. Eine totale Immunität gegen die pilzlichen Krankheitserreger gibt es bei keiner Wildart oder neuen Rebsorte. Denn das Resistenzverhalten ist das Ergebnis eines Kräftespiels zwischen dem Pilz und der Abwehrkraft der Rebe. Beides wird von Umweltbedingungen wie Witterung oder Boden beeinflusst und erfordert jedes Jahr aufs Neue den Sachverstand des Winzers heraus.

Pilztolerante Rebsorten im Versuchsanbau der Rebveredlung Antes:

In unserem Betrieb werden seit vielen Jahren pilztolerante Rebsorten getestet. Zunächst stand insbesondere der Erhalt des Bergsträßer Steillagenweinbaus durch die leichtere Bewirtschaftung im Vordergrund. Zunehmend rücken Themen wie Verbesserung des CO²-Ausstoßes in den Vordergrund. Im Jahr 2015 haben wir die bis dato vermutlich größte deutsche Vergleichsanlage mit pilztoleranten Sorten (auch aus dem Ausland) erstellt um eigene Erfahrungen zu sammeln aber auch unseren Rebenkunden Anbauhinweise geben zu können. Bei unseren Rebsortentragen 2016 konnten wir erstmals alle Sorten im Vergleich zeigen. Eine erste Bachelorarbeit lief bereits im ersten Winter und hatte die Winterfrosthärte der Sorten zum Thema. Auf unserer Webseite werden wir Sie zu den Versuchsergebnissen auf dem Laufenden halten.

 

Hinweis zur Website traubenshow.de  Dieses Angebot richtet sich ausschließlich an Gewerbetreibende (B2B), nicht an Endverbraucher.
 

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